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In Frankfurt wird fleißig gebaut.

Immobilienmarkt

Hoffen auf Rückkehr aus dem Home Office

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Wie wird sich die Nachfrage nach Büroflächen entwickeln? Seriös kann das kaum jemand beurteilen.

Matthias Schmidt weiß, dass es keine einfache Zeiten sind, um ein Hochhausensemble vorzustellen, das zur Hälfte mit Büros und zu mehr als zehn Prozent mit einem Hotel belegt werden soll. Reisen gibt es inmitten der Corona-Pandemie kaum noch, und zahlreiche Büros stehen immer noch leer, da viele Menschen im Home Office sind. Der Geschäftsführer von CA Immo in Deutschland betont deshalb mehrfach, dass die beiden Hochhäuser, die sein Unternehmen an der Messe plant, ja erst Ende des Jahrzehnts stehen würden. „Wir reden hier nicht über eine Entwicklung in den nächsten zwei Jahren“, sagt Schmidt. Sprich: Bis die Wolkenkratzer auf dem einstigen Gelände des Hauptgüterbahnhofs fertig sind, ist Corona hoffentlich Geschichte.

Die Entwicklung in den vergangenen Monaten ist allerdings in der Tat beunruhigend für Menschen, die mit der Vermarktung von Büroflächen ihr Geld verdienen. Laut einer Studie des Unternehmens NAI apollo könnte die gestiegene Akzeptanz von Home Office dazu führen, dass in Frankfurt zehn bis 14 Prozent des derzeitigen Bestands an Büroflächen nicht mehr benötigt werden. Im Extremfall könnte diese Quote sogar bei 20 Prozent liegen. Bis zu 68 000 der Büroarbeitsplätze, die es in Frankfurt gibt, könnten ungenutzt bleiben.

Projektentwickler Schmidt glaubt nicht an dieses Szenario. Die „direkte Kommunikation, das Eins-zu-Eins am Arbeitsplatz“ würden weiterhin benötigt. Deshalb geht er davon aus, dass die meisten Beschäftigten nach Ende der Corona-Krise wieder in die Büros zurückkehren würden. Das gelte zumindest für die Häuser in der Frankfurter Innenstadt. Wenn überhaupt, könnte es in Häusern an der Peripherie leerer werden.

Risiko Immobilienblase

Fakt ist allerdings, dass bereits jetzt knapp eine Million Quadratmeter Büroraum in Frankfurt leerstehen, wie Planungsdezernent Mike Josef vorrechnet. Davon betroffen seien aber kaum das Bankenviertel und die angrenzenden Gebiete wie die Flächen an der Messe, auf denen CA Immo nun das höchste Haus Deutschlands und einen weiteren Wolkenkratzer baut. Zudem seien vor einigen Jahren noch zwei Millionen Quadratmeter ungenutzt gewesen. Auch durch Umwandlung von Büro- in Wohnraum sei die Leerstandsquote zurückgegangen, sagt Josef.

Skeptische Töne gibt es derweil von der Großbank UBS zu hören. Nach ihrer Einschätzung liegen Frankfurt und München beim Risiko einer Immobilienblase weltweit vorne.

Die Städte zeigten unter 25 betrachteten Metropolen die deutlichsten Zeichen einer Überhitzung, teilte das Schweizer Geldhaus am Mittwoch in Frankfurt mit. Frankfurt sei mit dem Wirtschaftsboom und einer Verdoppelung der Wohnungspreise in einem Jahrzehnt „Opfer seines eigenen Erfolgs“. Die Corona-Krise werde zum Lackmustest, ob die hohen Preise gerechtfertigt seien. (mit dpa)

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