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Frankfurt: Höchste Zeit für den Artenschutz

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Von: Thomas Stillbauer

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Vögel verbreiten Samen und tragen damit zur Vielfalt bei. Danke, liebe Amsel.
Vögel verbreiten Samen und tragen damit zur Vielfalt bei. Danke, liebe Amsel. © Frank Rumpenhorst/dpa

Umweltpreisträgerin Böhning-Gaese fordert ein Umsteuern in Politik und Gesellschaft. Jede und jeder kann etwas für die Frankfurter Stadtnatur tun.

Das Aussterben der Tier- und Pflanzenarten nimmt dramatische Ausmaße an. Schaffen wir es, die Biodiversität wieder zu stärken? Katrin Böhning-Gaese ist da optimistisch: „Ja, wir schaffen das – wenn alle mitmachen.“

Die Biologin, Uni-Professorin und Direktorin des Senckenberg-Biodiversität-und-Klima-Forschungszentrums (Bik-F), Trägerin des Deutschen Umweltpreises 2021, redet ihren etwa 170 Zuhörerinnen und Zuhörern beim „Digital-Talk“ am Donnerstagabend ins Gewissen. „Der Rückgang der Biodiversität muss unbedingt gestoppt werden“, sagt sie. „Es ist dringend Zeit zu handeln.“ Und: „Wir brauchen eine Transformation.“ Hin zum Schutz der Natur – durch Verhaltensänderungen von uns Menschen.

Denn so, wie es läuft, kann es nicht weitergehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe eine exponentielle Beschleunigung eingesetzt, blickt Böhning-Gaese zurück. Bevölkerung und Bruttosozialprodukt wuchsen enorm im sogenannten Wirtschaftswunder. Zugleich wuchsen aber auch der Energieverbrauch und der Einsatz von Düngemitteln – Faktoren, die langfristig zum Klimawandel und zum Artensterben führten.

Heute, sagt die Biologin, seien etwa Baumfarne stark bedroht. Sie hätten drei Massensterben in der Erdgeschichte überlebt, aber jetzt drohe ihnen das Aus – wie Amphibien, Korallen, Haien, Rochen und 17 Prozent der Vogelarten, vor allem in der Agrarlandschaft. Dabei seien sie so wichtig für unser Wohlbefinden. „Untersuchungen zeigen, dass zehn Prozent mehr Artenvielfalt denselben Effekt auf uns haben wie zehn Prozent mehr Einkommen“, sagt Böhning-Gaese.

Ganz zu schweigen von den Ökosystemleistungen. Sie basieren auf der Artenvielfalt. Nimmt sie ab, sind Ernteausfälle die Folge. Die Biologin zeigt anhand von Bewegungsmustern, „was der Nashorntrompetervogel nachts so macht“: Er fliegt in die Gärten von KwaZulu-Natal in Südafrika, weil die Menschen dort Früchte anbauen. Die frisst er und transportiert die Samen dann über große Distanzen. Vögel, die dazu Gelegenheit haben, halten die Natur am Laufen und sorgen auch dafür, dass sich Bäume an den Klimawandel anpassen können.

Große Gebiete sichern

Ein Weg, der Biodiversität auf die Sprünge zu helfen, ist ein im Dezember 2020 gegründeter internationaler Naturerbe-Fonds namens Legacy Landscapes Fund. Das Ziel: nachhaltiger Schutz der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme in rund 30 Biodiversitäts-Hotspots auf der ganzen Welt, finanziert aus öffentlichen und privaten Mitteln.

Nötig sei aber vor allem ein gesamtgesellschaftlicher Ansatz, sagt Böhning-Gaese. Agrarsubventionen müssten künftig an Umwelt- und Klimaschutz geknüpft werden, an Leistungen fürs Gemeinwohl. Zugleich sei es die Pflicht der Verbraucherinnen und Verbraucher, ihr Konsumverhalten zu ändern: „Wer kann, sollte mehr Geld für gute Lebensmittel ausgeben, wir brauchen weniger Fleischverzehr und weniger Verschwendung.“ Es gelte, regionale Vermarktung weiter zu stärken. Von der Politik wünscht sie sich ein Bundesministerium nicht nur für Wirtschaft und Klima, wie es Robert Habeck bekleidet, sondern für Wirtschaft, Klima und Naturschutz.

„Und hier in Frankfurt und Rhein-Main“, fragt eine Teilnehmerin der Onlineveranstaltung, „was können wir tun?“ Blühende Wiesen statt Rasen, Dächer begrünen, das mache viel aus, sagt die Umweltpreisträgerin, „und es bringt die Chance, Natur im eigenen Garten zu erleben“.

Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist in den nächsten Tagen hier zu sehen: www.senckenberg-foerderverein.de

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