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Preisverdächtig: das barocke Fachwerkhaus in der Bolongarostraße.

Höchst

Wohnhaus von 1740 will Denkmalpreis ergattern

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Der 84-jährige Anton Schreibweis bewirbt sich mit einem Fachwerkbau aus dem Jahr 1740 um den Hessischen Denkmalpreis.

Schon „als Bub“ habe er im Hinterhof des Hauses gespielt, erinnert sich Anton Schreibweis. Und jetzt steht er als 84-jähriger Mann ganz stolz vor dem historischen Fachwerkhaus Bolongarostraße 166 in Höchst. Vor wenigen Jahren erst sei es ihm endlich gelungen, das Gebäude zu kaufen, lange seien die Besitzverhältnisse unklar gewesen.

Der alte Höchster hat ordentlich investiert in die Sanierung des denkmalgeschützten Bauwerks aus dem Jahr 1740. Und jetzt bewirbt er sich um den Hessischen Denkmalschutzpreis 2019. Und die Jury entsteigt am frühen Morgen in einer langen Reihe einem Bus. Noch liegt die Bolongarostraße ganz still da, nur die Schwüle ist bereits schweißtreibend.

Ganz schmuck präsentiert sich die Fassade mit ihrem braunen Fachwerk und den grün ausgefüllten Einlagen wieder. Im Erdgeschoss hat der Mieterverein Höchster Wohnen seinen Sitz, einmal in der Woche, von 16 bis 18 Uhr, bietet er Beratung an. An den Hauseingang hat die Polizei ein Flugblatt geheftet und bittet die Nachbarn um Mithilfe bei der Aufklärung eines Wohnungseinbruchs vom 19. Juni.

Doch um die Lebensverhältnisse hier am Rande der Höchster Altstadt geht es an diesem Morgen nicht. Gerrit Heidenfelder, der für den Stadtteil zuständige Konservator des Frankfurter Denkmalamtes, präsentiert das Haus.

Der Zustand vor der Sanierung war nicht gut. Im Keller gab es statische Probleme, die Fassade, der Dachstuhl und die Deckenbalken wiesen Schäden auf. Im ersten Stockwerk gibt es tatsächlich noch Originalfenster aus dem 19. Jahrhundert, sie wurden behutsam restauriert.

Um die Energiebilanz des Hauses zu verbessern, setzten die Handwerker zweite Scheiben ein. Das Zwerchhausdach wurde mit Naturschiefer neu gedeckt. Wie stets bei so alten Gebäuden mussten die Denkmalpfleger eine Entscheidung darüber treffen, welche bauhistorische Phase in der Geschichte des Hauses sie als „Leitebene“ betrachten wollen, deren Zustand federführend erhalten werden soll. Sie entschieden sich für das späte 19. Jahrhundert.

In dieser Zeit wurden in dem barocken Gebäude die beiden kleinen Läden im Erdgeschoss eingefügt. Um das Jahr 1900 herum, genauer lässt es sich nicht sagen, wurde auch das Fachwerk des Hauses wieder freigelegt, vorher war es unter Putz verborgen.

Die Jury des Hessischen Denkmalschutzpreises ist noch bis zum heutigen Abend im Bundesland unterwegs und besichtigt insgesamt zehn Quartiere oder Bauwerke, die in die engere Wahl gekommen waren. Den Preis verleiht am 20. August die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn (Grüne). Spenderin des Preises ist die Lotto Hessen GmbH. Die Auszeichnung, die es seit dem Jahr 1986 gibt, ist mit 20 000 Euro dotiert. Anton Schreibweis ist stolz darauf, dass sein altes Fachwerkhaus noch immer als Wohngebäude dient. Eine Wohnung steht gegenwärtig leer, die übrigen Einheiten sind belegt.

Die Jury steigt durch das restaurierte Treppenhaus nach oben. um den ausgebauten Spitzboden unter dem Dach zu besichtigen. Die Zeit drängt. Der eng kalkulierte Fahrplan der Reise sieht nur einen Aufenthalt von 35 Minuten vor.

Die Bewerber

Zehn Bauwerke oder Quartiere befinden sich in der engeren Auswahl für den Hessischen Denkmalschutzpreis 2019.

Das Fachwerkwohnhaus Bolongarostraße 166 in Frankfurt eröffnete die zweitägige Reise der Jury.

Es folgen das Wambolt’sche Schloss in Groß-Umstadt, die Weiße Villa in Gelnhausen, die Heidbergkapelle Sickendorf, das alte Postamt in Alsfeld, das Gustav-Hüneberg-Haus in Volkmarsen, die Jugendburg Ludwigstein, die ehemalige Dorfschule Herleshausen, der alte Schlachthof in Gießen und das Weinhaus Schultes in Limburg.

Mit dabei sind Markus Hartenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, Landesarchäologe Udo Recker und der ehemalige Diözesanbaumeister im Bistum Fulda, Burghard Preusler. 

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