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Im Sommer 2022 sollen der Palast und der Garten fertig sein. Das Dixi-Klo verschwindet dann.

Frankfurt-Höchst

In Höchst dürfen Besucher die Baustelle Bolongaropalast erkunden

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Verwaltungsstellenleiter Henning Brandt führt Besucher durch die Baustelle Bolongaropalast - und kann manche Anekdote erzählen.

Der Abend ist ganz nach dem Geschmack von Heinz Dreifürst. Der Höchster hat sich Henning Brandt geschnappt, den Leiter der Verwaltungsstelle Höchst. Und löchert ihn mit Fragen. Kein Problem für Brandt. Soeben hat er eine gut einstündige Führung durch die Baustelle Bolongaropalast geleitet. Sehr souverän, wie ein Schlossherr, der seit Jahren nichts anderes tut. Da machen ein paar Fragen mehr wirklich keine Mühe.

„Sonst fahre ich ja nur draußen vorbei“, sagt Dreifürst. Da müsse er doch die Gelegenheit nutzen, den Fortschritt der Arbeiten von innen zu begutachten. Möglich gemacht hat das die Initiative Frankfurt West, so eine Art Partei ohne Parteibuch, die einmal im Monat einen Mittwochstreff mit aktuellen Themen im Westen organisiert.

„Eigentlich wollten wir mal in den Fendel-Pavillon“, erklärt Uwe Eisenmann, der die Initiative im Ortsbeirat 6 vertritt. Also ins schmucke ehemalige Gartenhaus der Familie Bolongaro, auf der Ostseite, in dem viele Jahre lang die Schauspielerin Rosemarie Fendel gewohnt hat. Nach ihrem Tod haben die Räume leer gestanden, der Ortsbeirat hat emsig diskutiert, wie es mit dem Haus weiter gehen soll.

Nun ist wegen der Sanierung des Hauptgebäudes die Verwaltungsstelle Höchst dort untergekommen – und wird auch nach Abschluss der Arbeiten dort bleiben. Im Hauptgebäude finden sich als letzter Verwaltungsposten künftig nur noch die repräsentativen Empfangszimmer des Oberbürgermeisters. Der Bolongaropalast soll nämlich kein Behördenzentrum mehr sein, eher ein Bürgerzentrum und kultureller Leuchtturm.

Der Blick von West nach Ost reicht 117 Meter lang durchs Gebäude.

Noch lässt sich das nur erahnen, die Flure sind staubig, überall finden sich Löcher, vieles ist abgehängt, mit Pressspan geschützt. Gut 50 Besucher folgen Henning Brandt auf dem Rundgang, auch ein paar neugierige Handwerker sind dabei, die sich die Leute anschauen, nicht den Stand der Arbeiten. Beides ist recht interessant, hüben wie drüben finden sich alte und junge Elemente.

Faszinierend, was die Wände, Böden und Decken so alles verborgen halten. Wobei die Bauleute dazu nicht „faszinierend“ sagen, sondern: „Verflixt, was denn nun schon wieder?“ Mal tauchen Träger auf, die an dieser Stelle niemand vermutet hätte, mal fehlen sie, wo sie eigentlich nötig wären. Mal liegen Natursteine unter dem Putz, mal Backsteine, mal ist es Mauer, mal Fachwerk.

„Überraschungen“ nennt das Brandt an diesem Abend versöhnlich, denn: „Im Grunde ist die Bausubstanz gut, es ist kein baufälliges Gebäude.“ Die Fenster und Heizkörper aus den 80er Jahren bleiben drin. Ein neues Fenster kostet etwa 2500 Euro, 400 davon gibt es im Palast, Brandt mag die Rechnung gar nicht vollenden. „Das ist zu viel.“

Dennoch wird das Projekt am Ende wohl doch die 40-Millionen-Euro-Marke durchbrechen. Mit Vorplanung und der Sanierung des Gartenpavillons, in dem das Standesamt logiert, belaufen sich die kalkulierten Gesamtkosten auf 38,6 Millionen Euro. Die geplante Museumserweiterung für das neu konzipierte Schauhaus (die FR berichtete) ist nicht inkludiert. Mehrkosten, weil sich der Bau womöglich noch verzögert, auch nicht.

Brandt überspielt das Ungemach mit manch charmanter Anekdote. Hinter einem großen Sicherungskasten im ersten Stock haben die Bauleute ein Einbauprotokoll entdeckt. Zwei Mitarbeiter des Amts für technische Anlagen haben es am 18. Januar 1978 hinterlassen, als Zeitkapsel. Dieter Kerl und Günter Laabs haben sich wahrscheinlich ganz schön ins Fäustchen gelacht. „Die habe sich einfach verewigt“, schmunzelt Brandt.

Weniger gelacht hat die Filmcrew, die 2014 das Drama „Im Labyrinth des Schweigens“ im ersten Stock des Palasts gedreht hat. „Die Räume standen leer.“ Doch den Kameramann plagen wegen des Kontrasts die beigen Wände. Also streicht das Filmteam alles grün. Das stört wieder den Regisseur. Der Film spielt in den 50ern, so eine ordentliche Wand hat es nach dem Krieg gar nicht gegeben, ärgert er sich. Also trimmt das Team die frische Farbe wieder auf alt. „Wie in Hollywood“, freut sich Brandt.

Und Geschenke hat er auch parat. Die Bauarbeiter haben die Kellerplatten des Palasts entfernen müssen, um das Fundament mit Beton zu stabilisieren. Alte Sandsteinplatten, so 60 auf 60 Zentimeter, liegen kostenlos parat für Selbstabholer. Info unter Telefon 069/21 24 55 21 oder henning.brandt@stadt-frankfurt.de

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