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Ein Besucher mit FR-Redakteur Claus-Jürgen Göpfert.

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Frankfurt: Hochkultur im Holzgebäude

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Welchen Raum brauchen Theater und Oper im 21. Jahrhundert? Das ist eine der entscheidenden Fragen beim FR-Stadtgespräch.

Die Vorstellung, wie eine Abrissbirne die charakteristische Glasfront des Schauspiels zerdeppert, meldete sich Gerhard Müller, Gast der Podiumsdiskussion, sauer zu Wort, sei für ihn keine schöne Vorstellung. Stichwort: Ressourcenvernichtung. „Es könnte ja auch ein spannender Gedanke für Architekten sein, so günstig wie möglich zu bauen und so viel wie möglich zu erhalten“, lautete sein Vorschlag.

Torsten Becker, Stadtplaner und Vorsitzender des Städtebaubeirats in Frankfurt, stellte ökologisches und ressourcenschonendes Bauen in Aussicht, mit Recycling-Zement und ökologischen Materialien. Er schloss nicht aus, dass ein Opern- und Theatergebäude heutzutage auch aus Holz gebaut sein könnte.

Recycling hielt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) für möglich, wenn es um das „Wolken-Foyer“ geht. „Wolken-Foyer“ war neben „Interim“ gefühlt das Wort, das während der zweistündigen Veranstaltung wohl am häufigsten in den Mund genommen wurde – besonders von Gästen, denen der Bau in aktueller Form am Herzen liegt - inklusive den im gläsernen Foyer mit den unter der Decke hängenden Goldwolken des Künstlers Zoltán Kemény.

Wie die Zukunft der Oper, wie das Theater des 21. Jahrhunderts darüber hinaus aussehen könnte und wird und muss, wurde mehrfach angedeutet, blieb aber noch vage. Kulturschaffende und -nutzer müssten in diese Planung einbezogen werden, lautete der Tipp der aus Düsseldorf angereisten Podiumsteilnehmerin Alexandra Stampler-Brown, die geschäftsführende Direktorin der Deutschen Oper am Rhein ist.

Sicher war man sich: „Offen“, müsse es sein. Die Idee von Wolken und Glas beflügelten die Gedanken. Eine Steigerung dessen sei interessant, fand Dezernentin Hartwig. „Es deutet sich an, dass der Übergang zwischen öffentlichem Raum und Kulturgebäude fließender wird.“ Außerdem fand sie, sei eine Nutzung nachts und tags und eine Erweiterung der Gastronomie denkbar. Offenheit im übertragenen Sinn gelte der Mitgestaltung einer friedlichen pluralistischen Gesellschaft.

„Wie wir miteinander umgehen, wie wir miteinander kommunizieren, wird sich sehr verändern“, lautete die Prognose von Stampler-Brown. „Das wird sich auch im Theater widerspiegeln.“

Die Kulturdezernentin erwartet keine „zu utopische“ Änderung: „Auch in Zukunft wird die klassische Guckkasten-Bühne notwendig sein.“ Ein Kammerspiel aber würde wohl zu einem Werkraum werden. Man müsse erhalten und erneuern, fand Stampler-Brown, es müsse aber immer einen Opernraum geben, in dem Profis in klassischer Raumform, mit guter Akustik Verdi und Mozart spielen.

Wie dieses Luftschloss zum Anfassen aussieht, wird zu gegebener Zeit ein Wettbewerb zeigen. Gerne dürfe „das Theater für die neue Generation“ von jungen Architekten entworfen werden.

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