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Frankfurt: HIV-Testtag steht auf der Kippe

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Von: Steven Micksch

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Am Aids-Memorial im Hof der Frankfurter Peterskirche wird auch heute wieder ein Nagel im Gedenken an die an Aids Verstorbenen eingeschlagen.
Am Aids-Memorial im Hof der Frankfurter Peterskirche wird auch heute wieder ein Nagel im Gedenken an die an Aids Verstorbenen eingeschlagen. © Peter Jülich

Die Aidshilfe Frankfurt sieht die Finanzierung ihres Angebots von kostenfreien HIV-Tests gefährdet. Sie fordert die Politik zur Hilfe auf.

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen ist hessenweit weiterhin im Abwärtstrend. Das Robert-Koch-Institut schätzt die Zahl auf 140 Neuinfektionen, 2020 lag die Schätzung bei 150. Die Aidshilfe Frankfurt (AHF) spricht von 163 Neuinfektionen, sieht aber auch einen rückläufigen Trend. Genau dieser ist aber trügerisch, da es immer noch eine nicht unerhebliche Zahl von Menschen gibt, die mit einer HIV-Infektion leben, ohne es zu wissen. In Hessen sind das schätzungsweise 730, deutschlandweit bis zu 9000.

Ein großer Anteil der erkrankten Menschen lebt in Frankfurt, Hessens bevölkerungsreichster Stadt. Konkrete Zahlen gibt es nicht mehr. Schätzungen der Akteure vor Ort gehen von 25 bis 40 Neuinfektionen pro Jahr aus. Wie viele davon wirklich nachgewiesen wurden, ist nicht sicher. Die Aidshilfe Frankfurt bietet zweimal pro Woche kostenlose anonyme Tests an. Seit einigen Jahren gibt es auch Selbsttests für zu Hause. „Hier bräuchten wir aber kostenlose HIV-Tests“, sagt Carsten Gehrig, Fachbereichsleiter Psychosoziales und Prävention bei der AHF. In Nordrhein-Westfalen gebe es diese bereits, in Hessen nicht.

Wie hoch der Bedarf für Testmöglichkeiten ist, sieht die AHF bei den wöchentlichen Testungen. „Wir sind überlastet“, gibt Gehrig zu. Maximal 22 Personen schaffe man pro Tag. Die Schlangen seien viel länger. Wenn man dann Menschen wegschicken müsse, plage einen das schlechte Gewissen. „Könnte das gerade eine infizierte Person sein?“ Dass das Angebot wirke, werde daran deutlich, dass man pro Quartal mindestens eine Person mit einer Infektion dabei habe.

Doch im kommenden Jahr droht gar einer der beiden Testtage wegzufallen. Es scheitere an der Finanzierung. Ein Tag wird vom Gesundheitsamt finanziert, der andere aus Spenden. Doch die Spendenlage sei schlecht und der zweite Tag stehe auf der Kippe. „Wir sind da etwas allein gelassen“, sagt der Abteilungsleiter mit Blick auf die Stadt Frankfurt. Der unsichere Haushalt, bevorstehende Kürzungen lassen die Zukunft ungewiss erscheinen, auch wenn man mit dem Gesundheitsamt in Gesprächen sei. „Wir würden uns einen finanzierten Extra-Testtag wünschen.“ So könne man drei Mal die Woche testen – Bedarf gebe es.

Was Gehrig und die AHF etwas Sorge bereitet, ist das schwindende Bewusstsein der Menschen für das Thema HIV. Dank der Medizin ist die Lebenserwartung heute normal und auch die Prä-Expositions-Prophylaxe (Prep) verhindert eine Ansteckung mit dem Virus. „Aber es gibt keine Heilung“, mahnt Gehrig. Und die Krankheit verläuft tödlich, wenn sie nicht behandelt werde.

Zwar sei es gut, dass HIV seinen Schrecken verloren habe, doch Stigmatisierungen und Vorurteile gebe es immer noch. Daran müsse man weiter arbeiten und Aufklärungsarbeit leisten. Und – auch das zeigen die Zahlen – die Gruppe der Heterosexuellen und Menschen mit Drogengebrauch vermehrt in den Blick nehmen. Dort nahmen die Neuinfektionen im Vergleich zum Vorjahr zu.

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