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Fotos von Ernst May-Bauten, die in der Ausstellung „Wie wohnen die Leute - mit dem Stadtlabor durch die Ernst-May-Bauten“ gezeigt werden.

Historisches Museum 

Historisches Museum zeigt Bauten des „Neuen Frankfurt“

Das Historische Museum zeigt, wie Menschen in den Ernst May-Bauten des „Neuen Frankfurt“ der 1920er Jahre heute leben. 

Efate, Mefa, Zwofadolei. Was klingt wie Namen aus einer Fantasy-Kinderserie, sind in Wirklichkeit offizielle Bezeichnungen für Wohnungsgrundrisse des Stadtplanungsprogramms „Neues Frankfurt“. Im Zentrum der neuen Ausstellung des Historischen Museums Frankfurt, die gestern Abend begann, steht das städtebauliche Programm der Jahre 1925 bis 1930, das dezentral neuen Wohnraum schaffen wollte. „Wie wohnen die Leute? – Mit dem Stadtlabor durch die Ernst-May-Siedlungen“ lautet der Titel der Ausstellung.

Zwischen 1925 und 1930 entstanden in Frankfurt um die 15 000 neue Wohnungen. Kunst, Kultur, Politik und Architektur arbeiteten hier Hand in Hand. Vorn dran stand der Architekt und Stadtplaner Ernst May, der das Projekt „Neues Frankfurt“ als Siedlungsdezernent der Stadt maßgeblich prägte. Antrieb war die akute Wohnungsnot in den 1920er Jahren. „Das Projekt hat Spuren hinterlassen. Diese Spuren werden bis heute bewohnt“, sagt Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums.

Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit dem „Stadtlabor unterwegs“ entstanden. Anliegen dieses Formats ist die multiperspektivische Erkundung der Stadt und ihrer Lebenswelten. Rund 70 Stadtlaborantinnen und -laboranten, teilweise aus Kultureinrichtungen, der Universität und der Fachhochschule sowie Bewohner der Siedlungen, haben die Ausstellung aktiv mitgestaltet. „Wir wollten ein Format schaffen, wodurch die Eigenschaften einer Stadt aus Sicht der Bewohner erlebbar wird“, erklärt Susanne Gesser, Projektleiterin von „Frankfurt Jetzt!“ und dem Stadtlabor. Das Team recherchierte von Mai bis September 2018 in 19 Siedlungen und Wohnhausgruppen des „Neuen Frankfurt“. Die Ausstellung zeigt die Ergebnisse in vier Wohnungsbautypen in Kombination mit Themenschwerpunkten: Wohnen in der Siedlung, Nachbarschaft, Bezahlbares Wohnen, das neue (Um-)Bauen.

„Sie stehen jetzt im Wohnzimmer“, sagt Katharina Böttger, Kuratorin der Ausstellung. Dort, im Wohnzimmer eines Efate – Einfamilienhaus mit Dachterrasse – beginnt der Rundgang durch die vier Wohnungsbautypen, die als Installationen aus weißem Stoff den Grundriss abbilden. Die Räume bieten Besuchern eine Mischung aus Interviewaufnahmen, Fotos, Videos und Originalgegenständen aus den Wohnungen. So hängt im Mefagang – Mehrfamilienhaus, Außengangtyp – ein Mietvertrag aus dem Jahr 1951, der bis heute gilt. Mietkosten für eine solche Dreizimmerwohnung: 687,65 Euro. „Das Thema bezahlbarer Wohnraum spielt damals wie heute eine Rolle“, erklärt Böttger. Der Zweck der zum Mefa – Mehrfamilienhaus – gehörenden Kleingartenlaube hat sich verändert: „Damals stand die Selbstversorgung im Fokus. Heute dienen sie eher zur Erholung“, so Böttger. Wie es sich im Zwofadolei – Zweifamilienhaus mit Doppelleitung – heute lebt, illustriert eine Grafik sowie eine Medienstation: Ein Ehepaar hat seine Wohnung in der Siedlung Raimundstraße umgebaut und ihre serielle, standardisierte „Neues Frankfurt“-Wohnung an die eigenen, individuellen Bedürfnisse angepasst.

Autorin: Carolin Hasenauer

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