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Die Künstlerin La Rue bei der Arbeit an einem Street-Art-Kunstwerk.

Veranstaltung

Frankfurt: Hip-Hop im Gallus

Beim Blend Festival gibt es drei Tage Rapmusik und Street Art.

Gleich am Eingang, wenn man das Gelände des Günes-Theaters betritt, hat man schon alle zentralen Zutaten der Mischung beisammen. Von Ferne wummert ein basslastiger Beat, der Blick fällt auf Graffiti, es riecht nach Sprühfarbe und Zigarettenrauch. Und wer dann noch die Kappen auf den Köpfen und die Sneaker an den Füßen der Besucher sieht, der weiß: Im Gallusviertel wird ein gerade ein kleines Hip-Hop-Paradies gemixt.

Blend, also Mischung, Mixtur, heißt das nichtkommerzielle Festival für Rapmusik, Street Art und urbane Sportarten, das am Wochenende im Günes-Theater im Gallus gastierte. Und schon nach ein paar Minuten auf dem Gelände fällt die entspannte, familiäre Atmosphäre auf. Auf der Hauptbühne wird am Samstagnachmittag schon gerappt und davor mit dem Kopf genickt, Besucher fläzen am Rand mit kalten Getränken auf gepolsterten Liegeflächen, weiter hinten führen BMX- und Skateboardfahrer auf eigens gezimmerten Holzaufbauten ihre Kunststücke vor. An mehreren Bars bekommt man Getränke und etwas zu essen, an Ständen kann man T-Shirts oder Graffiti-Kunstdrucke kaufen.

Auch Nadine und Tini, die das Blend Festival zum ersten Mal besuchen, mögen vor allem die Atmosphäre. Sie haben sich in den Schatten auf eine Holzbank gesetzt und rauchen, „Wir fanden es gestern so gut hier, dass wir heute früher gekommen sind“, sagt die 34-jährige Tini. „Alle sind super entspannt drauf, da kann man nicht meckern.“ Neben den Rapkünstlern gefalle ihr auch der Ort sehr gut, sagt die 32-jährige Nadine. „Die Location ist richtig cool“, meint sie. „Fernab von der Spießigkeit der Frankfurter Gesellschaft.“

Neben der Atmosphäre ist es den Machern des Festivals, die alle ehrenamtlich arbeiten, gelungen, ein abwechslungsreiches Musikprogramm auf die Beine zu stellen. Bundesweit bekannte Rapper wie Döll, Retrogott oder Dexter treten auf, aber auch weniger bekannte Frankfurter Musiker kommen auf die Bühne.

Workshops für Siebdruck oder Graffiti-Kunst

Daneben gibt es Workshops für Siebdruck oder Graffiti-Kunst, außerdem sind jede Menge Künstler vor Ort, denen man dabei zusehen kann, wie sie große Wände in farbenfrohe Kunstwerke verwandeln. Die Künstlerin La Rue aus Kolumbien, die sich gerade länger in Europa aufhält, malt zum Beispiel den Kopf eines Mädchens in einer surrealen Weltraumumgebung. Gleich werde sie noch weitere Sterne und Blumen dazumalen, sagt die 23-Jährige auf Spanisch. Sie fühle sich sehr wohl auf dem Festival. „Es gibt hier eine richtig gute Mischung aus Hip-Hop und internationaler Kunst.“

Ein bisschen weiter weg ist Marcel Kreuzer bei der Arbeit. Mit Atemschutzmaske vorm Gesicht und einer Sprühdose in der Hand malt der Künstler, der unter dem Pseudonym Zoologne aktiv ist, an einem Graffiti. Er sei gerade erst mit dem Zug aus Köln angereist, berichtet Kreuzer, er sei vorher noch nie richtig in Frankfurt gewesen. „Man hat ja eigentlich nur Hochhäuser und Glasbauten im Kopf, wenn man an Frankfurt denkt, aber das hier ist richtig charmant“, sagt er.

Seit dem vergangenen Jahr, als das Blend zum ersten Mal stattfand, habe sich der spezielle Charakter des Festivals herumgesprochen. Er finde es beeindruckend, dass die Organisatoren auf ehrenamtlicher Basis einen solchen Ort geschaffen hätten, sagt Kreuzer. „Die haben hier ziemlich viel Schweiß und Mühe investiert.“

Nach Schweiß und Mühe sieht der Veranstalter des Festivals, Uli Zeller, derweil gar nicht aus. Der Betreiber eines Tonstudios und des Hip-Hop-Labels Oiyo, der das Blend nebenbei stemmt, wirkt entspannt und zufrieden. Er sei sehr glücklich über die Kooperation mit dem Günes-Theater, sagt Zeller. „Das hat diese urbane Aura und die vielen kleinen Bereiche, das passt wirklich gut.“ 800 Tickets habe man verkauft, die Arbeit der etwa 80 ehrenamtlichen Helfer habe sich gelohnt.

Etwas Sorgen mache er sich wegen der strengen und teuren Auflagen des Ordnungsamts, wegen denen das Festival kurz auf der Kippe gestanden habe. Aber er hoffe, dass die Stadt und Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sich auch im nächsten Jahr hinter das Festival stellen würden. Das Blend mache einfach einen Riesenspaß. „Wir würden es gerne wieder machen.“

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