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Zwei Geschwister aus einer Trauergruppe des Frankfurter Projekts Lacrima.
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Zwei Geschwister aus einer Trauergruppe des Frankfurter Projekts Lacrima.

Frankfurt

Frankfurt: Hilfe für trauernde Kinder

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Das Projekt Lacrima unterstützt Minderjährige nach dem Verlust eines Elternteils oder einer wichtigen Bezugsperson. Die Nachfrage nach den Trauergruppen ist groß.

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, hinterlässt der Tod bei den Angehörigen eine riesige Lücke. Kinder trauern dann anders als Erwachsene, aber nicht weniger intensiv. Und oft können sie Hilfe gebrauchen, um dem Schmerz erfolgreich zu begegnen. Das Projekt Lacrima bietet Kindern und Jugendlichen eine vertrauensvolle Umgebung, in der sie ihren ganz persönlichen Trauerweg finden und gehen können.

Lacrima (lat. Träne) ist bei den Johannitern in Frankfurt, Bad Nauheim und Wiesbaden angesiedelt und bietet kostenlose Hilfe. 2010 ging das Projekt an den Start. Melanie Hinze, ausgebildete Kindertrauerbegleiterin, leitet das Angebot. „Wo die Trauer in Familien Einzug hält, sind wir da und helfen“, sagt die 44-Jährige. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Familien, in denen ein Elternteil gestorben ist oder Suizid begangen hat. Aber auch junge Menschen, die andere Bezugspersonen wie etwa die Großeltern verloren haben, kommen in die Gruppen.

Zwischen eineinhalb und zweieinhalb Jahren bleiben die Kinder in der Gruppe. Bei Suizid ist es meistens länger. „Im Grunde bleiben sie, solange wir für sie wichtig sind“, erklärt Hinze. In der Regel sind acht bis zwölf Trauernde in einer Gruppe. Momentan gibt es in Frankfurt zwei Gruppen, eine dritte startet demnächst. Diese richtet sich an Jugendliche ab 13 Jahren, denn mit dem Alter verändern sich die Art der Trauerbewältigung und die Erwartungen an die Gruppe. Hinze würde gern noch eine vierte und fünfte Runde ins Leben rufen – der Bedarf sei da. Allerdings fehlten die Ehrenamtlichen dafür.

Kontakt

Wer Trauerhilfe für sich und sein Kind benötigt, kann Kontakt zu Lacrima aufnehmen: Tel. 069/366006-700, E-Mail: lacrima.rhein-main @johanniter.de

Spenden für das Projekt sind über folgendes Konto möglich: Frankfurter Sparkasse, DE88 5005 0201 0000 2487 20, Stichwort „Lacrima“. mic

Im Projekt werden die Gruppen von Freiwilligen betreut. Etwa 13 helfen zur Zeit mit. Oftmals haben die Ehrenamtlichen selbst einen Verlust als Kind erlebt und möchten den Kleinen einen begleiteten Trauerweg bieten. Voraussetzung ist solch eine Schicksalsgeschichte aber nicht, „Man braucht nur ein großes Herz und gutes Bauchgefühl“, sagt Melanie Hinze. Im Vorfeld gibt es eine Ausbildung. Im Laufe von sechs Monaten lernen die Freiwilligen alles, was sie für ihr Engagement benötigen.

Während der zurückliegenden Monate wurden die Treffen ins Internet verlegt. Eine Notwendigkeit, die aber gut funktioniert habe. Das Gruppengefühl wurde aufrechterhalten, und niemand musste allein sein mit seiner Trauer. „Ich freue mich aber, wenn ich meinen Kindern mal wieder ein richtiges Taschentuch reichen kann“, sagt die 44-Jährige. Denn durch die niedrigen Inzidenzzahlen darf es wieder analoge Treffen geben.

Die Schulung und Ausbildung der Ehrenamtlichen soll trotzdem überwiegend online erfolgen. „Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, hatten viele Gäste zugeschaltet, die nochmals mehr Input geben konnten.“

In den Gruppen für Kinder stehen häufig Kreativelemente im Vordergrund. Etwas gestalten, was am Grab des verstorbenen Elternteils bleibt oder auch einen Brief an die Person schreiben. „Erinnerungen sind sehr wichtig. Bei den jüngeren verblassen sie schneller“, sagt Hinze. Deshalb versuche man, die Erinnerungen zu konservieren.

Parallel zu den Kindergruppen trifft sich auch immer eine Elterngruppe. Immer wieder werden auch Treffen veranstaltet, an denen Groß und Klein gemeinsam teilnehmen. Denn man wolle auch die innerfamiliäre Kommunikation fördern, so die Kindertrauerbegleiterin. „Wir wollen vermitteln, dass man auch gemeinsam weinen darf.“ Oftmals nehme sich eine Seite zurück, um die andere zu schonen. Auch gehe es darum, gemeinsam Rituale zu pflegen, etwa eine Kerze für die verstorbene Person anzuzünden oder einen Augenblick an sie zu denken.

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