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Frankfurt: Hilfe für Menschen auf dem „FAZ“-Areal

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Von: Florian Leclerc

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Wohnhaus in der Günderrodestraße mit dem „FAZ“-Redaktionsgebäude links im Hintergrund. r. Oeser
Wohnhaus in der Günderrodestraße mit dem „FAZ“-Redaktionsgebäude links im Hintergrund. r. Oeser © Rolf Oeser

Vom Abriss des „FAZ“-Areals sind zahlreiche Mieterinnen und Mieter betroffen. Die Stadt sucht Wohnraum. Eine Anwohnerin klagt über die Verschlechterung ihrer Mietsituation.

Elke Ullrich-Brettel hat schon zu Studienzeiten in der Frankenallee 97 gewohnt. Sie habe ihre Tochter in der Dreizimmerwohnung großgezogen, sagt die 71-Jährige. Nun wohnt sie mit ihrer Malteser-Hündin Gloria dort. Ihr Stolz sei die geräumige Küche. Nach mehr als 40 Jahren in der Frankenallee 97, die auf dem „FAZ“-Areal liegt, muss Elke Ullrich-Brettel bald ausziehen.

Die „FAZ“ lässt die Liegenschaften rund die Hellerhofstraße, Mainzer Landstraße, Frankenallee, Gutenberg- und Günderrodestraße von Frühjahr 2023 an abreißen. Dort sollen die „Hellerhöfe“ entstehen - 500 bis 540 Wohnungen, ein Drittel davon gefördert, ein bis zu 60 Meter hoher Büroturm, zwei Kitas. Die Stadt plant eine vierzügige Grundschule mit Sporthalle.

Die „FAZ“ löste zuletzt bei 13 von 15 Mieterinnen und Mietern das Mietverhältnis einvernehmlich auf, wie eine Sprecherin mitteilte. Die Auflösung der Mietverträge sei seit zwei Jahren angekündigt.

In zwei Fällen wurde es kompliziert. Ein Fall ist der von Elke Ullrich-Brettel. Der zweite Fall betrifft eine Familie im dritten Stock der Frankenallee 97: Der Vater geht auf die 90 zu, die Mutter auf die 80, eine Tochter im mittleren Alter wohnt ebenfalls noch dort. Die Räumungsklage wird am 21. Oktober verhandelt.

Neue Wohnung ist kleiner

Über das Amt für Wohnungswesen habe sie nun eine andere Wohnung angeboten bekommen, erzählt Elke Ullrich-Brettel. Ebenfalls in der Frankenallee, im ersten Stock, mit Aufzug. Gloria darf mit. „Es ist trotzdem eine Verschlechterung: 52 Quadratmeter statt 68, zwei Zimmer statt drei Zimmer, wenig Tageslicht, keine Badewanne, eine Kochnische statt einer Küche.“

Aus „Angst vor der Obdachlosigkeit“ wolle sie den Mietvertrag unterschreiben, sagt sie. Ihre Wohnung nach Jahrzehnten zu verlassen, falle ihr aber schwer. „Es gibt so viele Erinnerungen.“

Zuvor habe ihr die „FAZ“ Wohnungsangebote übermittelt. Die Wohnungen hätten aber teilweise im dritten, vierten oder fünften Stock gelegen. Haustiere seien nicht erlaubt gewesen.

„Wir freuen uns, dass unsere langjährige Mieterin aus der Frankenallee 97 mittlerweile eine für sie passende Wohnung gefunden hat“, sagte die „FAZ“-Sprecherin Petra Hoffmann. Um die Kosten für Umzug und Renovierung abzufedern, habe die „FAZ“ ein finanzielles Unterstützungsangebot gemacht. Auch für die zweite Familie hoffe die „FAZ“, bald eine Lösung zu finden. Das Angebot, aktiv bei der Wohnungssuche zu helfen und Umzug und Renovierung zu unterstützen, bleibe bestehen.

Weitere Umzüge stehen an

Wegen des anstehenden Abrisses müssen weitere Personen auf dem Areal ihre Mietwohnungen verlassen. Die Mietverhältnisse stellen sich so dar: Die „FAZ“ hat die Gebäude in der Günderrodestraße 5 und Frankenallee 99 seit 2003 an die städtische KEG Konversions-Grundstücksentwicklungsgesellschaft vermietet. Die KEG hat daraufhin einen Untermietvertrag mit dem evangelischen Verein für Wohnraumhilfe Frankfurt geschlossen.

Der evangelische Verein für Wohnraumhilfe stellt im Auftrag des Sozialamts Wohnraum für Menschen zur Verfügung, die sonst von Obdachlosigkeit bedroht wären. Den Angaben zufolge sind derzeit 600 Menschen in etwa 300 vorübergehend angemieteten Wohnungen untergebracht. Die Verträge von KEG mit der „FAZ“ und dem Verein für Wohnraumhilfe und der KEG enden am 31. Dezember 2022.

Der evangelische Verein sei derzeit dabei, die Gebäude zu leeren. „Stand Ende August waren zehn Wohnungen leer und 18 Wohnungen noch bezogen“, sagte KEG-Geschäftsführer Klaus-Peter Kemper auf Anfrage. Dass die Untervermietung zeitlich befristet sei, sei stets Grundlage der Vereinbarung mit der FAZ gewesen.

„Niemand wird auf der Straße landen“

Wie Heinz Gonther, Geschäftsführer des evangelischen Vereins für Wohnraumhilfe, berichtete, würden Ersatzwohnungen für die verbleibenden Mieterinnen und Mieter in Günderrodestraße 5 und Frankenallee 99 gesucht. „Niemand wird auf der Straße landen“, sagte er. Die Stadt arbeite bereits daran, Wohnraum zu suchen, der den Mietparteien dann angeboten werde.

Im Planungsausschuss des Römers hatten sich drei Mietparteien über den anstehenden Verlust ihrer Mietwohnungen beklagt. Planungsdezernent Mike Josef und Bildungsdezernentin Sylvia Weber (beide SPD) hatten daraufhin ihre Unterstützung zugesagt, um neuen Wohnraum für die Betroffenen zu finden. Mike Josef und Sylvia Weber sitzen beide im Aufsichtsrat der KEG.

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