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Die Mitarbeiterinnen von Babylotse unterstützen junge Eltern schon im Krankenhaus.
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Die Mitarbeiterinnen von Babylotse unterstützen junge Eltern schon im Krankenhaus.

Studie

Frankfurt: Hilfe für Eltern von Neugeborenen

  • Stefan Simon
    vonStefan Simon
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Die Ergebnisse einer Studie zeigen: Beratungsprojekt Babylotse entlastet Mütter und Väter. Aber auch knappe Ressourcen werden sichtbar.

Nach der Geburt ihres Kindes – vor allem, wenn es das erste ist – stellen sich die Eltern viele Fragen: Wo muss ich Kindergeld beantragen? Wie komme ich an die Geburtsurkunde? All das raubt den „neuen“ Müttern und Vätern viel Zeit und Kraft. Deshalb erhalten sie Hilfe von Babylotse, einem Beratungsangebot für Eltern von Neugeborenen direkt auf der Geburtsstation.

Aber wie wirkt Babylotse? Welche Strukturen haben sich bewährt? Wie beeinflusst Babylotse das System in der Geburtsklinik? Um diese Fragen zu beantworten, beauftragten die Crespo Foundation, die Stiftung Polytechnische Gesellschaft und die Aqtivator GmbH 2018 Sabine Andresen, Professorin für Sozialpädagogik und Familienforschung an der Goethe-Universität, und ihr Team, eine Studie zu erstellen. Die Ergebnisse der Studie stellte Andresen am Donnerstag vor.

Die wohl wichtigste Erkenntnis der Forscherinnen und für alle, die hinter dem Programm stehen: Babylotse wirkt. Für viele Mütter und Väter käme das Angebot im genau richtigen Moment, sagt Andresen. „Die Erfahrungen waren sehr positiv. Die Mütter schilderten Situationen, in denen ihnen empathisch zugehört und in der neuen, teilweise individuell überfordernden Situation die Hand gereicht wurde.“ Dies sei wichtig, da viele Mütter einen sehr hohen Anspruch an sich selbst in ihrer neuen Rolle stellten.

babylotse

In Frankfurt begann die Arbeit von Babylotse 2014. Seit 2017 ist der Lotsendienst in allen Frankfurter Geburtskliniken aktiv.

Rund 13 000 Kinder jährlich kommen in der Mainmetropole auf die Welt. Bundesweite Forschunge n zeigen, dass rund 30 Prozent der Familien zusätzlichen Informations- und Unterstützungsbedarf haben.
Babylotse ist in allen sieben Frankfurter Geburtskliniken verankert. Es wird von der Crespo Foundation, der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, der Aqtivator GmbH, der BHF Bank Stiftung und der Stadt Frankfurt gefördert. Babylotse ist in der Trägerschaft des Kinderschutzbundes Frankfurt.

Das Angebot gibt es aktuell in elf weiteren hessischen Geburtskliniken. stn

Im Hinblick darauf hebt Andresen die anspruchsvolle Tätigkeit der Babylotsinnen hervor. „Sie benötigen einen schnellen Überblick, Auffassungsvermögen, Besonnenheit und sie müssen unter Zeitdruck verbindlich und klar kommunizieren“, sagt sie. Auch beim Klinikpersonal hätten die Babylotsen eine „äußerst hohe Akzeptanz“. Darüber hinaus seien sie eine Entlastung. „Sie wissen, da ist jemand, der alle Informationen in der Hand hat und die Eltern beraten kann. Sie ziehen mit dem Klinikpersonal gemeinsam an einem Strang“, sagt Andresen.

Für Stefan Schäfer, Geschäftsführer vom Kinderschutzbund Frankfurt, sei es gerade in den schwierigen Zeiten der Pandemie gut zu wissen, dass das Hilfsangebot die Familien erreicht. „Die Studie bestätigt uns, dass wir an der richtigen Stelle ansetzen.“

Aber nicht alle Eltern nehmen das Angebot an. Oft begründeten sie ihre Absage dadurch, dass sie ein sehr gutes, familiäres und soziales Netzwerk hätten, sagt Andresen.

Trotz der vielen positiven Seiten zeige die Studie aber auch, dass es im Gesundheitsbetrieb Engpässe und knappe Ressourcen gebe. Aus Sicht von Andresen sollte der Lotsendienst in Kinderarztpraxen und bei Gynäkolog:innen besser beworben werden. „Wir müssen davon ausgehen, dass der Unterstützungsbedarf für Familien zunehmen wird.“ Als problematisch stelle sich auch die Situation von Hebammen in der Vor- und Nachsorge dar. Auch seien in allen Bereichen der Geburtshilfe die Arbeitsbedingungen durch Zeitdruck und eine hohe Belastung geprägt.

Für Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) ist es wichtig zu schauen, wie man mit den Hinweisen aus der Studie in Zukunft umgehe. Klar ist für sie jedoch: „Wir müssen so viele Familien wie möglich mit dem Programm erreichen.“ Die Erkenntnisse aus der Studie zeigten auch, was eine gute Zusammenarbeit mit den verschiedenen Kooperationspartnern bräuchte, um erfolgreich zu sein. Auch hier betont Andresen, dass Babylotse in Frankfurt so gut funktioniere, weil es als Basis ein „starkes Netzwerk aller Beteiligten der Stadt Frankfurt und der Stadtgesellschaft“ habe.

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