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Chefarzt Ralf Jung erklärt, welche Wirkungen die einzelnen Pflanzen haben.
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Chefarzt Ralf Jung erklärt, welche Wirkungen die einzelnen Pflanzen haben.

Frankfurt

Frankfurt: Hilfe aus dem Garten bei Diabetes

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Am Sachsenhäuser Krankenhaus in Frankfurt gibt es einen speziellen Garten. Dessen Pflanzen bieten Linderung gegen Beschwerden bei Diabetes.Von Steven Micksch (Text) und Christoph Boeckheler (Fotos)

Etwas abseits des Weges, der hinter dem Medizinische Versorgungszentrum Sachsenhausen in der Frankfurter Schifferstraße entlang führt, liegen fünf besondere Beete. Wer weiß, wonach er Ausschau halten muss, erahnt die Pflanzen in ihren Einfassungen bereits von weitem. Aus der vorderen rankt eine Hopfenrebe in die Höhe und führt zu einem nahen Baum. In den danebenliegenden blüht es in den Farben Weiß, Lila, Rosa, Gelb.

Doch die Beete sollen nicht unbedingt eine Zier für die Augen sein, sondern Menschen mit Diabetes Anregungen geben, welche Pflanzen eine positive Wirkung auf die Gesundheit und das Wohlbefinden haben, und den Diabetes – wenn auch nicht heilen – so doch positiv beeinflussen können.

Zu seiner Eröffnung im Jahre 2012 war der Frankfurter Diabetesgarten der erste und einzige in Deutschland. Kristian Rett, damaliger Chefarzt der Endokrinologie und Diabetologie, und Diabetesexperte Hans Lauber, der selbst erkrankt ist, brachten das Projekt auf den Weg. Mittlerweile gibt es auch in Lübeck einen Diabetesgarten, den Ursprung der Idee bilden Beete im schweizerischen Riehen bei Basel.

An einem sonnigen Junitag im Jahr 2021 steht Ralf Jung, der aktuelle Chefarzt der diabetologischen Abteilung in Sachsenhausen, an den fünf Einfassungen mit den Gewächsen. Er erzählt von den Wirkungen der Pflanzen, der Geschichte der Klinik und dem Stand der Medizin. „Ein Mal im Jahr veranstalten wir einen Gartentag, an dem wir die einzelnen Pflanzen erklären“, sagt der 54-jährige Chefarzt. Die Zuhörerinnen und Zuhörer würden dann oftmals Neues über Pflanzen wie Ingwer, Kümmel oder Topinambur erfahren. Ralf Jung und Hans Lauber beantworten dann geduldig die Fragen der Anwesenden. Denn viele Beschwerden, unter denen an Typ-2-Diabetes Erkrankte leiden, können durch die rund 50 Pflanzen in den fünf Beeten gelindert werden.

Aber der Chefarzt macht auch deutlich, dass man die Anwendung einiger Pflanzen durchaus vorher mit seiner Hausärztin oder seinem Hausarzt abklären sollte. Manche, wie das Johanniskraut, haben Auswirkungen auf Medikamente – sorgen etwa dafür, dass Mittel stärker oder schwächer wirken. „Die Pflanzen selbst sind nicht in die Behandlung bei uns eingebunden“, sagt der Chefarzt. Allerdings würden viele Medikamente auf Inhaltsstoffen basieren.

Anreise

Der Zugang zum Diabetesgarten erfolgt über die Schifferstraße 59. Er befindet sich auf einer Wiese, wenn man einige Meter dem Fußweg folgt.

Der Garten gehört zur Abteilung Diabetologie und Endokrinologie des DGD-Krankenhauses Sachsenhausen (Deutscher Gemeinschafts-Diakonieverband). Das Krankenhaus hat 211 Betten.

Der Mitbegründer des Gartens, Hans Lauber, hat auch ein Buch zu dem Thema geschrieben. mic

Die fünf Beete stehen für fünf Grundprobleme von Typ-2-Diabetikern. Deshalb gibt es an der Kopfseite jeder Einfassung ein Namensschild: Seelen-Balancierer, Wundenheiler, Insulin-Intensivierer, Entzündungshemmer und Schlankmacher. Dementsprechend sind auch die Pflanzen unterteilt.

Salbei, Lavendel, Johanniskraut oder auch Rosmarin helfen der Psyche. Häufig können seelische Belastungen die Krankheit verschlimmern beziehungsweise werden durch sie hervorgerufen – beides steht im Zusammenhang.

Bei Wunden, etwa offenen Füßen, können Ringelblume, Kamille oder Arnika helfen. Doch, so der 54-jährige Mediziner, auch hier helfen die Pflanzen nicht alleine. Die ärztliche Konsultation sollte gesucht werden.

Unter den Insulin-Intensivierern findet man Bockshornklee, Aloe Vera oder auch Kakao. Gegen Entzündungen haben sich Brennnesseln, Kümmel, Ingwer oder auch Thymian bewährt. Fenchel, Schwarzwurzel, Topinambur oder Austernkraut helfen hingegen bei der Gewichtsreduzierung. „70 bis 80 Prozent der Typ-2-Diabetiker sind übergewichtig“, sagt Jung.

Dass die Pflanzen auch im kommenden Jahr wieder prächtig gedeihten, dafür sorge ein ehrenamtlicher Gärtner. Er schneide die Pflanzen entsprechend zurück oder pflanze sie neu, wenn es erforderlich sei.

Der Diabetesgarten zeige die Verbindung der Pflanzenkunde mit der Schulmedizin. Ein Merkmal, dass im Krankenhaus Sachsenhausen durchaus Tradition hat. 1895 gründete der Arzt Carl von Norden die dortige Diabetesklinik. „Wir sind somit die älteste deutsche Diabetesklinik“, sagt Chefarzt Jung. Von Norden behandelte damals die Menschen mit Haferkuren, die dafür sorgten, dass der Insulinbedarf im Körper heruntergefahren wurde. Zum Teil werden diese Haferkuren in der Sachsenhäuser Klinik immer noch angewendet.

Carl von Nordens Bedeutung geht aber noch weiter. So erfand er beispielsweise die Broteinheit, die in der Kohlenhydrateberechnung genutzt wird und hilft, die benötigte Menge Insulin auszurechnen. Er nutzte auch Apfelbaumrinde, um den Blutzucker zu senken. Heute weiß man, dass der darin enthaltene Stoff Phlorizin diese Wirkung hatte. Er gilt als Vorläufer für die modernen SGLT2-Hemmer, die zur Behandlung eines Typ-2-Diabetes eingesetzt werden.

Arzneimittel mit Arnika helfen bei Wunden.
Oft leiden Typ-2-Diabetiker:innen an Übergewicht.

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