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Die integrierte Gesamtschule 15 wartet seit einem Jahr auf eine digitale Austattung Der Ortsbeirat in Sossenheim macht nun Druck.

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"Es fehlt am Nötigsten" - Integrierte Gesamtschule 15 wartet seit einem Jahr auf eine digitale Ausstattung

Die integrierte Gesamtschule 15 wartet seit einem Jahr auf eine digitale Austattung Der Ortsbeirat in Sossenheim macht nun Druck.

Frankfurt - Mit vielen Vorschusslorbeeren und Hoffnungen war die Integrierte Gesamtschule 15 (IGS 15) im Sommer vergangenen Jahres an den Start gegangen - als dringend benötigte Alternative zur IGS West, bei der längst die Zahl der jährlichen Anmeldungen die der zur Verfügung stehenden Plätze überschreitet. Eine "lebensweltorientierte" Integrierte Gesamtschule solle die neue IGS sein, hatte der Planungsgruppenleiter und kommissarische Schulleiter Jens Volcksdorff bei einem Informationsabend des Stadtelternbeirates Anfang 2018 angekündigt. Fächerübergreifende Projekte sollten mit Lernangeboten verzahnt werden. Stärkeorientierung, individuelle Förderung und Wertschätzung habe sich die IGS 15 auf ihre Fahnen geschrieben.

Unterrichtet wird derzeit noch in den Räumen der Karl-Oppermann-Schule in der Unterliederbacher Gotenstraße, nach den Sommerferien steht der Umzug in die Containeranlage an der Palleskestraße in Höchst bevor. Dort weilt derzeit noch das Adorno-Gymnasium (ehemals Gymnasium Nied), das nach den Sommerferien auf den Campus Westend umsiedelt.

Doch nun stellt sich heraus, dass es der IGS offenbar am Nötigsten fehlt. Hinweise darauf lieferte ein Hilferuf des Musiklehrers Michael Weber, der von der CDU als Tischvorlage eingebracht wurde. Was Weber, der während der Bürgerfragestunde zum Mikrofon griff, zu berichten hatte, ließ manchem der Anwesenden die Kinnlade herunterfallen. "Uns fehlt es bei der technischen Ausstattung am Nötigsten", klagte er. So habe es von Anfang an weder Tageslichtprojektoren, Beamer noch Smartboards gegeben, die sonst an Schulen Standard sind.

IGS 15 in Untergliederbach: Stellvertretende Schulleiterin hat keinen PC

"Unsere stellvertretende Schulleiterin hat am Anfang den Stundenplan auf Zetteln geschrieben, weil sie keinen PC hatte." Ausrangierte Computer gab es dann immerhin nach ein paar Wochen - zwei Schüler lernen nun an einem PC. Ansonsten aber habe das Schulamt das mit der Ausrüstung einfach nicht organisiert bekommen, stellte Weber fest: "Da fragt man sich schon, in welchem Zeitalter wir eigentlich leben." Derart vom Schulamt allein gelassen, griffen die Lehrer zur Selbsthilfe: Ein Kollege, der gute Kontakte in die Wirtschaft hat, organisierte drei ausrangierte Smartboards von einer Firma.

Eins davon sei schon seit acht Monaten kaputt, die anderen beiden "auch schon auf dem absteigenden Ast". Wiederholte Bitten von Schulleiter Jens Volcksdorff an die IT-Abteilung des Stadtschulamtes , die Geräte zu reparieren, blieben unbeantwortet. "Wir waren lange Zeit sehr geduldig", fasste Michael Weber zusammen. Aber nun sei dringender Handlungsbedarf geboten, schließlich stehe das nächste Schuljahr schon vor der Tür. Die Sommerferien und der bevorstehende Umzug in die Containeranlage an der Palleskestraße seien nun auch eine Chance, die technische Ausstattung auf einen angemessenen Stand zu bringen.

Für ihn als Musiklehrer hieße das beispielsweise, den Schülern auch mal ein Musikvideo vorspielen oder Bilder an die Wand werfen zu können. "Ich muss multimedial arbeiten können, so funktioniert Musikunterricht heutzutage nun mal", stellte Weber klar und fügte mit einem Anflug Sarkasmus hinzu: "Mit der Triangel alleine lockt man heute keine Schüler mehr hinterm Busch hervor."

IGS 15: Ortsbeirat nimmt sich der Sache an

Sein Appell, dem Stadtschulamt Druck zu machen, fiel bei den Ortsbeiratsmitgliedern auf fruchtbaren Boden. "Erschütternd" nannte etwa Linke-Fraktionsvorsitzende Dominike Pauli die Schilderungen des Lehrers. Der Antrag sei "klasse", sie werde sich aber darüber hinaus mit dem Anliegen direkt an Schuldezernentin Sylvia Weber (SPD) wenden. "Eigentlich habe ich immer gedacht, eine neue Schule wird von Anfang an auch angemessen ausgerüstet", wunderte sich Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU). "Aber das war wohl eine naive Annahme von mir". CDU-Fraktionsvorsitzender Markus Wagner zeigte sich zuversichtlich, dass sein Antrag noch rechtzeitig komme, "so dass am ersten Schultag alles da ist, was für den Unterricht nötig ist."

Nach kurzer Diskussion schlossen sich auch alle anderen Abgeordneten dem Antrag als Unterzeichner an. Konkret wird darin der Magistrat um die Anschaffung und Installation von vier neuen Smartboards, den dazugehörigen Dokumentenkameras, Tablets oder Laptops sowie eines Beamers gebeten. Auch sollen alle Computer rechtzeitig installiert und ans pädagogische Netz angeschlossen werden.

Wer dem Musiklehrer Michael Weber bei der Bürgeranhörung der Ortsbeiratssitzung zuhörte, erlebte einen engagierten Pädagogen in berechtigter Sorge um das Wohl seiner Schüler. Dazu gehört nun mal eine zeitgemäße Ausstattung.

Moderner Unterricht ist in der IGS 15 nicht möglich

Wie Weber sind auch seine Kolleginnen und Kollegen vor einem Jahr mit viel Elan gestartet, um das Angebot ihrer IGS 15 so attraktiv wie möglich zu gestalten. Doch ihr Engagement und ihre Motivation wird nun dadurch ausgebremst, dass es an elementaren Dingen fehlt, um einen modernen Unterricht zu gewährleisten. Es hätte zu den Hausaufgaben des Schulamtes gehört, die benötigte Ausrüstung rechtzeitig zum Start der Schule vor einem Jahr zur Verfügung zu stellen.

Doch dass nun, ein Jahr später, trotz der Hilferufe des Schulleiters, nichts passiert ist und die IT des Schulamtes zudem bei ihrer Aufgabe versagt, defekte Geräte zu warten, ist schlicht ein Armutszeugnis. Um das vielbeschworene digitale Lernen möglich und die Pädagogik zukunftsfähig zu machen, sind Smartboard, Laptop, Tablet und Co. an Schulen nämlich längst kein Luxus mehr, sondern eine Notwendigkeit.

Von Michael Forst

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