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Weil sie im Putzplan mit „Fräulein“ angeredet wurde, hat eine Mieterin gegen ihre Vermieter geklagt. 

„nicht ehrverletzend“ 

Mieterin scheitert mit „Fräulein“-Klage am Amtsgericht 

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Eine Mieterin muss die altmodische Bezeichnung „Fräulein“ im Putzplan dulden, urteilt das Amtsgericht.

Frauen, die sich gegen die altmodische Bezeichnung „Fräulein“ wehren, dürfen nicht auf die Hilfe vom Amtsgericht hoffen. Zwar sei der Begriff „Fräulein“ schon 1972 aus öffentlichen Registern verbannt worden, international sei jedoch „keine einheitliche Bewertung der Anredeform als herabsetzend festzustellen“, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Urteil des Amtsgerichts Frankfurt.

„Fräulein“: Amtsgericht Frankfurt weist Klage ab

Geklagt hatte eine Frau in den mittleren Jahren, die seit 1984 Mieterin einer Wohnung im Gallus ist. Im selben Haus wohnt auch das 92- und 89-jährige Vermieterehepaar. Im handschriftlich erstellten Putzplan für das Haus war die Klägerin mit dem Zusatz „Frl.“ oder „Fräulein“ aufgeführt. 

Auch das Türschild der Klägerin enthielt den Zusatz Fräulein. Die Frau hatte die Vermieter mehrfach gebeten, die Zusatzbezeichnung nicht mehr zu verwenden. Dem kamen die Vermieter nicht nach, worauf die Frau beim Amtsgericht auf Unterlassung klagte.

Das Gericht wertet das Gebaren der Vermieter als „nicht ehrverletzend“, sondern in der Gesamtschau der Umstände sei das Verhalten „allenfalls unfreundlich und von mangelnder Kompromissbereitschaft geprägt“, so das Gericht.

Datenschutz gilt hier nicht 

Die Klägerin müsse sich hingegen ankreiden lassen, dass sie die Verwendung der Bezeichnung bei der Unterzeichnung des Mietvertrags 1984 nicht beanstandet habe. Allerdings war die Frau da auch noch 35 Jahre jünger gewesen. 

Zu berücksichtigen sei auch das hohe Alter der Beklagten, die 1972, bei der offiziellen Abschaffung des Namenszusatzes, bereits in den mittleren Jahren gewesen seien und den Begriff des Fräuleins als regulären Namenszusatz erlernt und beibehalten hätten.

Auch ins Leere lief die Argumentation des Datenschutzes. Dieser gelte nur für die automatisierte Verarbeitung personenbezogener Daten, beziehungsweise deren Speicherung. Ein handschriftlich erstellter Putzplan, der im eigenen Treppenhaus aushängt, werde von den betagten Vermietern jedoch „weder ganz noch teilweise automatisiert verarbeitet“, heißt es in dem Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist und angefochten werden kann.  Von Oliver Teutsch 

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