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Im Gallus entstehen derzeit zahlreiche Wohnungen. Künftig will die Stadt den Investoren weitere Auflagen machen.

Stadt will Spekulanten ausbremsen

Wohnungsentwickler sollen zukünftig für Straßen, Kitas und Schulen zahlen

Spekulanten müssen wohl bald 70 Prozent ihres Projekts nach städtischen Vorgaben gestalten und mehr von ihrem Gewinn abzwacken, um Straßen, Kitas und Schulen zu bauen.

Frankfurt - Dass die explodierenden Mieten gebremst werden müssen, hat die Politik in Frankfurt erkannt. Sie hält unter anderem mit dem Mietendeckel für die Wohnungen bei der städtischen ABG Holding dagegen. Nun will die Römer-Koalition auch die rapide steigenden Preise auf dem Markt der Eigentumswohnungen bremsen.

Zum einen praktiziert die Stadt das bereits, indem sie Projekte an Wohnungsbauinvestoren in Konzeptverfahren vergibt. Nicht derjenige, der am meisten für ein Grundstück bietet, bekommt den Zuschlag, sondern derjenige mit dem aus Sicht der Stadt besten Konzept. Zum zweiten will die Römer-Koalition nun mit dem Baulandbeschluss an einer weiteren Stellschraube drehen, um die Spekulationen auf dem überhitzten Markt herunterzuregeln.

Frankfurt: Spekulanten ausbremsen

CDU, SPD und Grüne haben einen Magistratsbeschluss dazu angekündigt, bis Anfang des neuen Jahres sollen die Stadtverordneten abstimmen. Ziel: Wohnungsbauinvestoren sollen mehr günstigen Wohnraum schaffen und sich stärker an den Investitionen in die öffentliche Infrastruktur beteiligen, also etwa Straßen, Parks, Schulen und Kitas.

Wenn Ackerland zu Baugrundstücken wird, dann schnellt der Wert des Bodens immens empor. Von diesem Wertgewinn will die Stadt künftig mehr abbekommen als bisher: Zwei Drittel der Wertsteigerung sollen in klimagerechte Infrastruktur-Investitionen fließen, nur ein Drittel der Wertsteigerung beim Grundeigner verbleiben, erklärt Marcus Gwechenberger, Referent von Planungsdezernent Mike Josef (SPD).

Frankfurt: Noch höhere Mieten sollen gestoppt werden

Damit übernehme Frankfurt das Münchner Modell der "Sozialgerechten Bodenleistung", erläutert Gwechenberger. Bundesweit hatte sich Josefs Ressort zuvor umgeschaut, welche Lösungen Kommunen anwenden. In der bayerischen Landeshauptstadt wurden über dieses Modell von 1994 bis 2018 insgesamt 163 Bebauungspläne erstellt. Dabei entstanden 53 150 Wohnungen, davon 14 530 geförderte. Es wurden auch Plätze für 15 316 Kinder in Krippen, Kindergärten, Horten und Grundschulen finanziert.

Wie in München soll auch in Frankfurt Investoren eine Quote von 30 Prozent geförderten Wohnungen vorgegeben werden. Diese Vorgabe gebe es zwar schon seit 2014, und sie werde auch seit 2016 "konsequent durchgesetzt", räumt Josefs Referent ein. V

Besserer Wohnungsmix

Mit dem Baulandbeschluss will Frankfurt die Quote für den vorgegebenen Wohnungsmix noch weiter steigern - sogar auf 70 Prozent. So sollen Bauherrn 15 Prozent für gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen vorsehen. Eigentümer sollen die Flächen für diesen Anteil zum Verkehrswert herausgeben und auf Basis einer Vergabe im Konzeptverfahren.

Neu ist die Vorgabe, dass zusätzlich mindestens 15 Prozent frei finanzierte und weitere zehn Prozent preisgedämpfte Eigentumswohnungen werden sollen. Damit steuert die Römer-Koalition dem lukrativen Bau von Luxus-Eigentumswohnungen entgegen. Lediglich auf den restlichen 30 Prozent der Flächen können die Eigentümer in Zukunft noch selbst entscheiden, welche Wohnungen sie bauen.

"Der Beschluss ist ein Meilenstein in der Stadtentwicklung und wird die Preise für Grund und Boden auf ein realistisches Maß zurückholen", sagt Planungsdezernent Mike Josef.

Das sieht die Opposition anders: Die erheblich stärkeren Vorgaben ließen "keinen Spielraum mehr für Investoren zu" und führten zu Überreglementierung, warnt die planungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Elke Tafel-Stein, in einer ersten Reaktion. "Das wird Investoren abschrecken und den Druck auf den Wohnungsmarkt deutlich verschärfen."

Wer im neuen Omniturm in Frankfurt wohnen will, muss einiges auf den Tisch liegen. So viel kostet die Miete.

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