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Die Demonstrierenden traten für Geflüchtete und die zivile Seenotrettung ein.

Mahnwache in Frankfurt

Solidarität mit Kapitänin Rackete

Rund 300 Menschen kommen zur Mahnwache vor dem italienischem Generalkonsulat in Frankfurt.

Frankfurt - Anita Balidemaj und Regine Trenkle-Freund stehen vor dem italienischen Generalkonsulat in Frankfurt und pusten Rettungsringe auf. Ein Symbol der Solidarität mit jenen Menschen, die im Mittelmeer andere vor dem Ertrinken bewahren. Und ein Zeichen des Protests gegen die Verhaftung der „Sea-Watch 3“-Kapitänin Carola Rackete auf der Insel Lampedusa am Wochenende.

„Ich bin hier aus absolutem Entsetzen darüber, dass Menschen strafrechtlich verfolgt werden, die anderen Menschen das Leben retten“, sagt Balidemaj, Mitarbeiterin des Hessischen Flüchtlingsrats, der gemeinsam mit Pro Asyl zu der Mahnwache aufgerufen hat. Und Trenkle-Freund vom Arbeitskreis Asyl in Friedrichsdorf ergänzt: „Die Wurzel des Problems ist, dass Europa nicht bereit ist, die Geflüchteten aufzunehmen. Das ist ein Geschachere auf dem Rücken der Betroffenen, und ich fordere Europa auf, endlich dieses unsägliche Dublin-System abzuschaffen.“

Solidarität mit Seenotrettung und den Geflüchteten

So wie Regine Trenkle-Freund und Anita Balidemaj zeigen am Montagvormittag rund 250 bis 300 Menschen im Kettenhofweg nahe der Alten Oper ihre Solidarität mit den Freiwilligen der zivilen Seenotrettung und den Geflüchteten, für die sie sich einsetzen. „Seenotrettung ist Pflicht“ steht auf ihren Bannern, „Stoppt das Sterben an den Außengrenzen“ und „diese EU tötet“. Initiativen wie die Seebrücke oder die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes sind ebenso vor Ort wie Politikerinnen und Politiker von SPD, Grünen und Linkspartei.

„Wir sind nicht das erste Mal hier und sicher nicht das letzte Mal, denn so wie es aussieht, verbessert sich die Situation im Mittelmeer nicht“, sagt Flüchtlingsratsgeschäftsführer Timmo Scherenberg. Die Todesrate derjenigen, die versuchten auf dem Seeweg nach Europa zu gelangen, sei auf mittlerweile acht Prozent angestiegen. „Deshalb ist es so wichtig, dass es Organisationen wie Sea-Watch gibt“ so Scherenberg.

Zeichen des Nicht-Einverstanden-Seins

Als Organisatoren hätten sie nach der Verhaftung Racketes in der Nacht zu Samstag „ein relativ schnelles Zeichen des Nicht-Einverstanden-Seins“ setzen wollen, sagt Bernd Mesovic von Pro Asyl. „Die Boote, die jetzt noch auf See sind, müssen in einen sicheren Hafen einkehren können – und das kann nicht Libyen sein.“ An die italienischen Diplomatinnen und Diplomaten gewandt, die sich hinter den Fenstern des Generalkonsulats erahnen ließen, sagte er: „Diplomaten müssen nicht nur Vollstrecker des Regierungswillens sein, sie können auch Diplomaten der Menschenrechte sein.“

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Selbst regelmäßig für die Seenotrettung im Mittelmeer im Einsatz ist der 30-jährige Manos Radisoglou. Der hauptberufliche Fluglotse fliegt seit zweieinhalb Jahren etwa einmal monatlich das Aufklärungsflugzeug „Moonbird“ der schweizerischen Humanitären Piloteninitiative, die eng mit der Sea-Watch-Crew kooperiert und diese aus der Luft über gesichtete Flüchtlingsboote informiert. „Wir haben unseren Flieger zurückgezogen, um zu vermeiden, dass die italienischen Behörden ihn auch konfiszieren – sonst wäre ich jetzt gerade auch auf Lampedusa“, sagt Radisoglou. Aktuell versuchten er und die anderen freiwilligen Seenotretterinnen und -retter möglichst wenige Angriffspunkte zu bieten, „dabei kann man uns eigentlich nicht vorwerfen, dass wir Beihilfe zur illegalen Migration leisten, weil wir immer mit den Behörden kooperiert haben“.

Unter viel Beifall der Umstehenden schließt Radisoglou seine Rede mit einem Appell an die Bevölkerung, noch stärker und klarer Position dafür zu beziehen, „dass es nicht okay ist, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken und Menschen wie Carola im Gefängnis sind. Wir müssen unsere Arbeit leisten können, ohne befürchten zu müssen, im Gefängnis zu landen. Wir müssen Menschen retten.“

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