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„Ey, Brudi“: Sahin Eryilmaz und Murathan Muslu. 45 Drehtage sind in Frankfurt angesetzt, einige Szenen kommen aus Offenbach.

Erste Produktion aus der Mainmetropole

„Skylines“: Deutsche Rapgrößen bei neuer Netflix-Serie dabei

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Die neue Netflix-Produktion „Skylines“ widmet sich der Frankfurter Hip-Hop- und Drogenszene und startet im September 2019. Nun ist bekannt, welche Rapgrößen mitspielen.

Update, 7. Juli, 14.40 Uhr: Echte deutsche Rapgrößen sind bei der neuen Netflix-Serie Skylines dabei. Unter den Darstellern sind Azzi Memo, Nimo und auch der Frankfurter Rapper Olexesh. Sie alle werden Rapper mimen. Das gab Netflix am Sonntag bekannt. Der erste Trailer wurde am Wochenende auf dem Wireless Festival in Frankfurt gezeigt. Außerdem spielen Azad, Nura, Miss Platnum, Celo & Abdi und MC Bogy sich selbst.

Die erste Staffel der neuen Netflix-Serie „Skylines“ wird wie der Streaming-Dienst nun bekannt gab ab 27. September weltweit zu sehen sein. Die Crime-Drama-Serie handelt von der HipHop-, Drogen und Immobilienszene. Es ist die erste Netflix-Serie, die in Frankfurt spielt und gedreht wurde. Im Mittelpunkt steht der junge, talentierte Hip-Hop-Produzent Jinn (Edin Hasanovic). Er erhält die vermeintliche Chance seines Lebens erhält, als er bei Skyline Records unterschreibt. Mit zum Hauptcast gehört auch der Stuttgarter „Tatort“-Kommissar Richy Müller, der einen Immobilien-Investmanager mimt.

Erstmeldung: Frankfurt – Und jetzt gute Laune bitte“, ruft eine Stimme aus dem Dunkeln des Raums. Kamera A und B laufen. Rapper in Jogginganzügen und Wollmützen und Girls in Federjacken posieren mit ihren Drinks rund um den Billardtisch und an der Bar. Sie feiern das neue Album eines bekannten Rappers. In den im Alltag leerstehenden Büroräumen zwischen Innenstadt und Bahnhofsviertel auf der Mainzer Landstraße wird in dieser Nacht die Partyszene inszeniert. Und zwar für die erste Staffel der neuen Netflix-Serie „Skylines“. Die Crime-Drama-Serie wird gerade in Frankfurt gedreht. Es ist die erste deutsche Netflix-Serie, die in Frankfurt spielt.

Blickt man aus einem der vielen Fenster im achten Stock des Bürogebäudes, sieht man Autolichter, die leicht verwischen, weil die Wagen so schnell vorbeifahren. Von der Dachterrasse schaut man auf die Wolkenkratzer und etwas entfernt erkennt man die beleuchtete Alte Oper. Mittendrin in der Drehszenerie steht mit schnieken Hosenträgern Kalifa (Murathan Muslu) – in dieser fiktiven Welt der berühmteste Rapper Deutschlands und der Gründer von Skyline Records, dem erfolgreichen Plattenlabel mit Sitz in Frankfurt. Kalifa wirft lässig eine Mandarine hoch in die Luft, umarmt Rapper Aziz. Kalifa beginnt seinen Satz mit „Ey, Brudi“. Und hat dann einen kleinen Hänger.

Erste deutsche Netflix-Serie aus Frankfurt

„Ich habe meinen Text für heute erst gestern Abend bekommen. Eigentlich brauche ich eine Woche, um ihn zu lernen. Ich bin da etwas langsam“, erzählt Murathan Muslu in einer kurzen Drehpause. Er lacht. Zwischendrin bewegt er ein paar Hanteln, die in einem der Büroräume stehen. „Ich hatte nicht geplant, dass ich für die Rolle trainiere. Aber ich bekomme so ein besseres Gefühl dafür. Kalifa ist ein mächtiger Typ. Und da passt es, auch etwas breiter zu sein“, sagt Muslu und lacht.

Der 37-Jährige hat 2015 den österreichischen Filmpreis als bester männlicher Darsteller für das Drama „Risse im Beton“ erhalten. Bevor er Schauspieler wurde, war er Rapper. „Wahrscheinlich war ich auch deswegen ein guter Anwärter für die Rolle“, sagt er. Der Österreicher gehört zum Hauptcast. „Das ist aber keine Story über einen Rapper“, erläutert Muslu. „Kalifa versucht, seine Show abzuliefern, ist super erfolgreich, aber die Musik bedeutet ihm nichts mehr. Auch zu seinen Kindern hat er keinen Bezug mehr. Innerlich ist er leer.“ Und dann taucht sein älterer, krimineller Bruder Ardan (Erdal Yildiz) nach 16 Jahren plötzlich wieder in seinem Leben auf. Eben auf dieser Party. „Und Ardan bringt einen richtigen Orkan in die Stadt.“ Die Szene des Wiedersehens spielen sie an diesem Tag noch. „Das ist keine einfache Szene“, sagt Yildiz.

Der 53-Jährige hat bereits an der Seite von Hollywoodlegende Anthony Hopkins im Thriller „Collide“ agiert. „Ich spiele eigentlich immer einen Brutalo, einen Psychopathen“, erzählt Yildiz. „Jemand Normales, Nettes zu spielen, wäre mir zu langweilig.“

„Skylines“ voraussichtlich ab Herbst auf Netflix

Wenn „Skylines“ voraussichtlich ab Herbst ausgestrahlt wird, wird die Serie weltweit zu sehen sein. 139 Millionen Abonnenten hat der Streamingdienst Netflix bereits. Seit Ende November und noch bis Mitte März werden die ersten sechs Folgen gedreht: am Frankfurter Osthafen, in der Innenstadt, im Bahnhofsviertel, aber auch im Westend. In größeren Hotels, aber auch im Tanzhaus West ist die Crew unterwegs. Hinzu kommen Szenen im Offenbacher Einkaufszentrum und in einer Wiesbadener Villa.

45 Drehtage sind es in Frankfurt, 21 in Berlin. „Aber in Berlin machen wir nur ein paar Innenaufnahmen. In der Serie selbst wird man nur Frankfurt sehen“, sagt David Keitsch, einer der drei Produzenten. 250 Menschen seien an der Serie beteiligt, an diesem Abend sind allein 80 Komparsen am Set. „Berlin ist überdreht“, sagt Produzent Jonas Dornbach. „Frankfurt ist eine Weltstadt auf kleinem Raum.“

Aber bei „Skylines“ wird nicht nur Kalifas Geschichte erzählt. Im Mittelpunkt steht der junge, talentierte Hip-Hop-Produzent Jinn (Edin Hasanovic). Der die vermeintliche Chance seines Lebens erhält, als er bei Skyline Records unterschreibt. Hauptdarsteller Hasanovic muss in dieser Nacht bis ein Uhr nachts vor der Kamera stehen, er schafft es nicht mehr zu den Interviews. Produzent Luis Singer erklärt dessen Rolle: „Jinn muss seine Moral aufgeben, um erfolgreich zu sein.“ Frankfurt als Stadt stehe als Symbol für eine geldorientierte Gesellschaft. „Arm und Reich treffen nirgends so krass aufeinander in Deutschland.“

Die Crew dreht am Frankfurter Osthafen, in der Innenstadt, im Bahnhofsviertel und im Westend.

Mit zum Hauptcast der Serie gehört auch der Stuttgarter „Tatort“-Kommissar Richy Müller, der einen Immobilienmanager mimt. In dieser Nacht hat er frei, dafür stehen einige bekannte Rapper vor der Kamera. Manche von ihnen haben Cameo-Auftritte, andere sogar echte Nebenrollen. Die Namen der bekannten Frankfurter Rapper will Netflix allerdings erst in den nächsten Wochen veröffentlichen. „Rapper haben auch meist ein Schauspielergen“, erklärt Produzent Keitsch.

Bazzazian für Musik zuständig - er kennt Offenbacher Rapper Haftbefehl

Der Berliner Autor und Showrunner, also der ausführende Produzent, Dennis Schanz, hört Hip-Hop, seit er denken kann. „Oft bleibt man aber bei Hip-Hop-Serien oder Filmen unbefriedigt zurück“, sagt er. „Da kann man viel falsch machen, und das wollte ich vermeiden.“ Er habe sich deshalb sofort darum gekümmert, sich „an die Besten zu wenden“. Für die Musik und musikalische Stimme von Jinn arbeitete er beispielsweise mit Benjamin Bazzazian zusammen. „Bazzazian ist für mich der Hip-Hop-Produzent in Deutschland. Er hat auch viel mit dem Offenbacher Rapper Haftbefehl gearbeitet.“

Das Tor zur Hip-Hop-Szene in Frankfurt öffnete Schanz aber nicht Haftbefehl, sondern das hier ansässige Label 385idéal. Rapstars wie Olexesh und Nimo sind dort unter Vertrag. „Eine Woche durfte ich beim Label Mäuschen spielen“, erzählt Schanz. Mit am Set ist auch Schauspielerin Peri Baumeister, die 33-jährige Berlinerin, unter anderem bekannt als Grete Trakl aus dem Inzestdrama „Tabu“ an der Seite von Lars Eidinger oder aus der BBC-Serie „The Last Kingdom“. Bei „Skylines“ spielt sie Sara, die Vertrauenspersonführerin des Landeskriminalamts.

„Sara ist aufgewachsen in der Offenbacher Plattenbausiedlung“, erzählt Baumeister. Und sie habe eben eine Vergangenheit auf der Straße, von der sie nicht loskomme. Es mache Sara Spaß nachzutreten, auch wenn jemand schon am Boden liege. „Was mich an Sara gereizt hat, ist ihr Aggressionspotenzial“, sagt Baumeister. Für die Rolle habe sie sogar Kickboxen gelernt. „Ich wollte einen Zugang finde, der ein rein körperlicher ist. So ein Gefühl von ,immer bereit sein zum Kampf‘.“

Sie sei mit Hip-Hop großgeworden: von Tupac bis Tic Tac Toe. Und dann erzählt sie, wie vor ein paar Tagen die Kostümbildnerin in die Garderobe gekommen sei und gesagt habe: „Ey, weißt du noch: Sabrina Setlur und ihr Song ,Du liebst mich nicht‘?“ Dann hätten sie den Titel abgespielt. „Und wir standen in Frankfurt und ich konnte den ganzen Text noch auswendig“, sagt Baumeister und lacht. „Warum ich mir das merken konnte, aber Kurvendiskussionen nicht, weiß ich auch nicht.“

Von Kathrin Rosendorff

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