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Skandal bei der Awo Frankfurt

Gab es ein Sportprogramm für Flüchtlinge?

Schwere Vorwürfe gegen Awo in Frankfurt – Geschäftsführer vor dem Rücktritt

Ein Skandal erschüttert die Frankfurter Awo. Gab es wirklich das Sportprogramm für das die AWO von der Stadt Frankfurt Geld bekommen hat? Der AWO Geschäftsführer tritt jetzt jedenfalls zurück

Frankfurt - Interne Verträge zwischen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Frankfurt und einer zu ihr gehörenden Stiftung bringen den Sozialverband in Erklärungsnot. In den Kooperationsvereinbarungen wurde „das Angebot physiotherapeutischer Betreuung und Sportangebote für Geflüchtete“ geregelt. Profitieren sollten davon die Bewohner der beiden bis Ende 2018 vom Awo-Kreisverband Frankfurt betriebenen Asylbewerberunterkünfte in der Innenstadt und im Stadtteil Niederrad. Die Stadt Frankfurt zahlte der Awo dafür insgesamt 201.461 Euro. Doch Recherchen unserer Zeitung wecken Zweifel daran, ob die Fitness- und Entspannungsangebote so stattgefunden haben, wie behauptet. 

Skandal bei der Awo Frankfurt: Gab es wirklich ein Sportprogramm für Flüchtlinge?

Eine Ehrenamtliche, die in einem der Awo-Heime tätig war, sagte, von einem professionell organisierten Sportprogramm oder einem physiotherapeutischen Angebot für Flüchtlinge habe ich in all der Zeit nichts mitbekommen. Aus einem anderen Asylbewerberheim liegen unserer Zeitung verschiedene Versionen eines "Monitoring"-Berichts an die städtische Stabstelle Flüchtlingsmanagement vor, in dem alle stattgefunden Angebote aufgelistet werden sollten. Die Ursprungsfassung, die von Awo-Mitarbeitern in der Unterkunft ausgefüllt wurde, enthält deutlich weniger Einträge und deutlich geringere Teilnehmerzahlen als die Fassung, die von der Awo-Geschäftsstelle dann an die Stadt geschickt wurde. Außerdem haben sich Mitarbeiter in dieser Flüchtlingsunterkunft laut eines Besprechungsprotokolls darüber ausgetauscht, „dass es nur sehr wenig interne Angebote gibt, insbesondere im Bereich Sport.“ 

Massage und Meditation : Es gab Kooperationsvereinbarungen

Die Awo Frankfurt weist alle Vorwürfe zurück. „Die für die Durchführung der Sportangebote vorgesehene Vergütung, in den Budgetverhandlungen mit der Stadt berücksichtigt, wurde vollumfänglich für die Umsetzung der Sportangebote verwandt und an das Therapeutikum der Johanna-Kirchner-Stiftung gezahlt“, teilte ein Sprecher des Kreisverbands mit. „Alle Angebote fanden, wie auch der Stadt gegenüber nachgewiesen, statt.“ Das Therapeutikum ist die Therapie-Abteilung der Awo-eigenen Kirchner-Stiftung, die eigentlich in der Altenhilfe tätig ist. Laut den Kooperationsvereinbarungen sollten sich deren Mitarbeiter um die in den Awo-Heimen untergebrachten Asylbewerber kümmern. 

Neben sportlichen Aktivitäten sollten sie auch „Entspannungsmaßnahmen“ wie Massagen, Meditation und Autogenes Training anbieten. „Das Team für beide Einrichtungen bestand aus insgesamt vier Mitarbeitern darunter Physiotherapeuten, Fitnesstrainer und Gymnastiklehrer“, erklärte der Awo-Sprecher. 

Inzwischen hat sich die Awo Frankfurt vollständig aus der Flüchtlingsbetreuung zurückgezogen. Für die beiden Heime sind seit Jahresbeginn Caritas und Diakonie zuständig. Offiziell heißt es, man habe sich im Einvernehmen mit der Stadt „aus dem Geschäftsbereich der Arbeit mit Geflüchteten“ zurückgezogen. Doch bereits Anfang März machte unsere Zeitung öffentlich, dass es zuvor zum Streit mit der Stadt kam. So hatte man sich im Sozialdezernat etwa darüber gewundert, dass die Awo entgegen der ursprünglichen Absprachen einen externen Essenslieferanten beauftragt hatte, die dadurch eingesparten Kosten aber behalten wollte. Auch die Beauftragung eines eigens gegründeten Sicherheitsdienstes, der Awo Protect gGmbH, stieß auf Stirnrunzeln. 

Security-Chef als Nachfolger 

Nach unserem Bericht hat Awo-Geschäftsführer Jürgen Richter seinen vorzeitigen Wechsel in den Ruhestand angekündigt. Als sein Nachfolger stünde unter anderem Klaus Roth bereit, heißt es in einem Schreiben an Awo-Mitglieder. Roth leitet die Abteilung Kindertagesstätten und ist Geschäftsführer der Firma Awo Protect.

Daniel Gräber

In Hessen könnte sich nun ein weiterer Polizei-Skandal ereignet haben. In Bischofsheim (Kreis Groß-Gerau) sind Alkohol und Kosmetika aus der Aservatenkammer verschwunden.

Zudem hat ein Betrüger in Frankfurt die hohen Mieten und die Wohnungsnot schamlos ausgenutzt. Die Polizei konnte ihn nun bei einer Besichtigung entlarven und festnehmen.

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