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Spurenermittler sichern den Tatort Ende Mai an der Großen Friedberger Straße. 

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Schüsse an Konstablerwache: Woher hatten die Männer die Waffe - ohne Waffenschein?

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Keiner der Männer, die an der Schießerei an der Frankfurter Konstablerwache beteiligt waren, hatte einen Waffenschein - woher hatten sie die Waffen?

Frankfurt - Etwa ein halbes Dutzend Schüsse fielen Ende Mai in der Frankfurter Innenstadt. Ein Projektil schlug in Kopfhöhe in eine Schaufensterscheibe in der Großen Friedberger Straße ein. Die zahlreichen unbeteiligten Passanten, die am frühen Abend des 28. Mai rund um die Konstablerwache unterwegs waren, blieben unverletzt, lediglich einer der vier beteiligten Streithähne erlitt einen Streifschuss am Bein. Ein weiterer wurde durch ein Messer verletzt, das auch im Spiel war. 

Bei der Auseinandersetzung zwischen den Männern soll es um Geldstreitigkeiten gegangen sein. Die Hintergründe der Schießerei sind noch unklar und auch, welcher der beiden derzeit in Haft sitzenden Männer, ein 40-Jähriger aus Kelsterbach und ein 32-Jähriger aus Rüsselsheim, geschossen hat. Fest steht aber: Keiner der beiden Tatverdächtigen hat eine Waffenbesitzkarte oder gar einen Waffenschein, wie es aus Ermittlerkreisen heißt.

Kaum ein Frankfurter hat einen Waffenschein

Glaubt man den Ordnungsämtern, die für die Erteilung einer Waffenbesitzkarte oder eines Waffenscheins lokal zuständig sind, ist es auch nicht ganz so einfach, legal eine Waffe besitzen oder gar in der Öffentlichkeit tragen zu dürfen.

Die Voraussetzungen für einen Waffenschein oder eine Waffenbesitzkarte sind im Waffengesetz geregelt. Wer einen Waffenschein erhält, darf eine scharfe Schusswaffe in der Öffentlichkeit führen, das heißt, permanent im Alltag dabeihaben. Die Zahl derer, denen das erlaubt wird, ist vergleichsweise überschaubar, wie Michael Jenisch vom Ordnungsamt in Frankfurt verdeutlicht: „In Frankfurt haben Waffenscheine lediglich Firmen, die Aufträge im Bereich des Objekt- und Personenschutzes sowie im Geld- und Werttransport wahrnehmen und besonders gefährdete Personen.“ Ähnlich wird es auch in anderen Großstädten wie Wiesbaden gehandhabt.

Wer sich als besonders gefährdet ansieht und eine Schussfeuerwaffe samt Munition legal führen will, muss laut Paragraf 19 Waffengesetz glaubhaft machen, „wesentlich mehr als die Allgemeinheit durch Angriffe auf Leib und Leben gefährdet zu sein“. Ein fehlendes derartiges Bedürfnis ist laut Angaben der Ordnungsämter in Frankfurt und Wiesbaden auch der häufigste Grund, warum die Anträge abgelehnt werden. Wie viele Anträge scheitern, ist nicht bekannt. „Das wird nicht dokumentiert, aber die Zahl ist tendenziell eher gering, da den Antragstellern die Voraussetzungen weitgehend bekannt sind und beim Fehlen von Voraussetzungen Anträge auch zurückgezogen werden“, so Jenisch vom Ordnungsamt Frankfurt.

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Schießerei an der Konstabler Wache

Bei Waffenbesitzkarten sind die Vorschriften nicht ganz so streng. Wer eine Waffenbesitzkarte hat, darf eine Waffe in der Öffentlichkeit nur transportieren, etwa von zu Hause zum Schützenverein oder zu einer Waffenbörse. Die relativ hohe Zahl von fast 167 000 Waffenbesitzkarten in Hessen erklärt sich dadurch, dass viele Sportschützen und Waffensammler mehrere Waffen zu Hause haben und für jede einzelne eine eigene Waffenbesitzkarte brauchen.

Ungeachtet der strengen Reglementierung von Seiten des Gesetzgebers, kommt es immer wieder zu Schießereien in der Öffentlichkeit, zuletzt auch im April in Rüsselsheim nach dem Streit zwischen zwei Großfamilien. Besonders viel Aufruhr erregte eine Schießerei zwischen verfeindeten Rockern im Mai 2016, mitten in der Frankfurter Innenstadt auf dem voll besetzten Friedrich-Stoltze-Platz. Anders als zuletzt nahe der Konstablerwache, ging es dort nicht so glimpflich ab. Ein Rocker konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden, ein weiterer wurde schwer verletzt, zwei Passanten, die sich in Sicherheit bringen wollten, verletzten sich leicht, eine Frau erlitt durch die Ballerei einen Schock. Bei einer weiteren Schießerei unter Rockern im Juli 2014 vor dem Katana Club am Frankfurter Taunustor waren vier Hells Angels verletzt worden.

Die Polizei unternimmt nach Schießereien in der Öffentlichkeit besondere Anstrengungen, die Täter zu fassen. Zuletzt bei den Schüssen in der östlichen Frankfurter Innenstadt gelang es schon nach einigen Minuten, vier Beteiligte noch unweit des Tatorts festzunehmen.

Woher die Tatwaffen stammen, erfährt die Öffentlichkeit in den seltensten Fällen. Entweder, weil es die Ermittler selbst nicht in Erfahrung bringen können, oder weil die Information aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst zurückgehalten wird und bei möglichen Strafrechtsprozessen dann für die Verhandlung nicht relevant ist. Auch im Fall der Schießerei im Mai machte die Staatsanwaltschaft Frankfurt auf eine entsprechende FR-Anfrage keine Angaben zur Herkunft der Waffe.

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