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Bauarbeiten an der Bahntrasse in Berkersheim. Der Lkw-Verkehr nervt die Anwohner und macht die Politiker ratlos. Foto: Pfeiffer-Goldmann

Berkesheimer am Limit

S-Bahn-Ausbau treibt Anwohner in den Wahnsinn - Ortsvorsteher handelt

Die Bürger ärgern sich, der Ortsbeirat fühlt sich machtlos: Seit Monaten rollen schwere Laster durch Berkersheim zur Bahn-Baustelle. Ein Anwalt soll den Politikern nun erklären, welche Einflussmöglichkeit sie haben.

Frankfurt - Robert Lange, Vorsteher des Ortsbezirks 10, fühlt sich hilflos. Seit Anfang des Jahres rollen schwere Baulaster durch den Berkersheimer Ortskern, die schmale Obergasse und die Bahnstraße hinunter: Die heiße Phase des Ausbaus der Main-Weser-Bahn auf vier Gleise hat begonnen.

Fast täglich bekomme er von Anwohnern Beschwerdebriefe und -E-Mails, viele Berkersheimer finden die Situation unerträglich, sagt Lange. Er und der Ortsbeirat 10 hatten schon mehrere Treffen mit der Bahn, das ein oder andere hätten sie erreicht. Das Hauptproblem aber, dass die zurzeit einzige Zufahrt ins Baufeld durch Berkersheim führt, bestehe weiter.

Orstversteher überlegt, ob er Stadt oder Deutsche Bahn (DB) verklagt

Weil der Ortsbeirat bei Bahn und Stadt nicht weiterkomme, sucht der Ortsvorsteher nun juristische Beratung. Die Bahn oder gar die Stadt verklagen, will Lange dabei nicht.. "Aber wir wissen doch gar nicht, was die Bahn darf und was nicht." Etwa wenn sie von im Planfeststellungsbeschluss vorgegebenen Routen abweicht. Oder wenn die Stadt wie unlängst erlaubt, schwere Metallplatten auf Feldwege östlich von Berkersheim zu legen, damit schwere Laster dort fahren können. "Wir schlagen ständig Alternativen vor, schreiben Anträge, sprechen mit der Bahn, dass das so nicht geht, dass der kleine Stadtteil den Baustellenverkehr nicht mehr verkraftet", sagt Lange. Aber es helfe alles nichts.

Berkersheimer leiden massiv unter dem Verkehr

Unterstützung erhält Lange von Teilen des Ortsbeirats, andere hingegen sind skeptisch. "Wir würden das unterstützen", sagt Lothar Kramer, Fraktionsvorsitzender der Linken im Ortsbeirat. Er verstehe gut, dass "die Berkersheimer die Nase voll haben". Für die vielen Laster seien die schmalen Straßen nicht gemacht. "Die Berkersheimer leiden unter dem Verkehr", sagt auch Grünen-Fraktionssprecherin Wera Eiselt. Das Problem müsse dringend gelöst werden. Eiselt ist aber skeptisch, ob der Ortsbeirat für eine juristische Beratung städtische Mittel in Anspruch nehmen kann.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Bartram-Sitzius wird noch deutlicher: So wichtig es sei, die Probleme endlich zu lösen und so bewundernswert der große persönliche Einsatz des Ortsvorstehers sei: Der Versuch, Geld von der Stadt für eine juristische Beratung zu bekommen, sei "heiße Luft". Könne der Ortsbeirat doch nichts beschließen und nichts fordern, sondern nur Empfehlungen an Stadtverordnete und Magistrat formulieren.

Ortsbeirat ist Sprachrohr der Bürger

So sieht es auch Martin Grobba, Jurist des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, der deutschlandweit Kommunen juristisch berät. Der Ortsbeirat sei keine "juristische Person", sondern ein "Sprachrohr für die Bürger gegenüber der Verwaltung". Auch wäre es merkwürdig, wenn er sich auf Kosten der Stadt juristisch beraten lassen würde, denn die könne sich ja auch gegen Entscheidung der Stadt richten.

Keine Chance also für den Ortsbeirat, auf diesem Weg etwas gegen den Baustellenverkehr auszurichten? Man müsse es "wenigstens versuchen", findet Eiselt. Zumal es auch für den Ortsbeirat gut wäre, wenigstens zu wissen, ob das Vorgehen der Bahn in Ordnung sei, wer was dürfe und wer was genehmigen könne. Lothar Kramer stimmt ihr zu: "Wir müssen doch da mal irgendwie weiterkommen."

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

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