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Stromtrasse im Planungsbereich des neuen Stadtteils Frankfurt östlich der A5 (etwa Höhe Raststätte Taunusblick), zwischen Steinbach und Praunheim/Nordweststadt.

Neuer Stadtteil im Norden

Ein neuer Frankfurter Stadtteil in mehreren Teilen

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Das 550 Hektar große Untersuchungsgebiet beidseits der Autobahn A5 für bis zu 12 000 Wohnungen wird in mehrere Teile in Frankfurt zerlegt. 

Frankfurt - Im Konflikt um das geplante große Siedlungsgebiet im Frankfurter Norden hat die Stadt jetzt deutliche Signale für eine Versöhnung in Richtung der Region gesandt. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) sprach am Freitag vor Journalisten von einem „Stadtteil der Quartiere“. Das heißt: Das 550 Hektar große Untersuchungsgebiet beidseits der Autobahn A5 für bis zu 12 000 Wohnungen wird in mehrere Teile zerlegt.

Josef machte deutlich, dass die Stadt zunächst die Flächen östlich der Autobahn, also auf eigener Gemarkung, entwickeln möchte. „Wir fangen östlich der A5 an, das wird ein paar Jahre dauern.“ Die Bebauung westlich der Autobahn auf Frankfurter Gemarkung begreife die Stadt dann als „regionales Projekt“. Wann diese Flächen angegangen werden, wollte der Stadtrat nicht sagen.

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„Wir brauchen auch Schubladen-Planung“, erklärte er und sprach zugleich vom „Respekt vor den Umland-Gemeinden“. Es zeichnet sich also ab, dass östlich der Autobahn die heutigen Frankfurter Stadtteile Praunheim, Niederursel und Nordweststadt erweitert werden. Der Hintergrund ist, dass durch den Widerstand des Umlandes die Stadt Frankfurt zurzeit in der Regionalen Planungsversammlung keine politische Mehrheit für das gesamte Milliarden-Projekt hat.

So sieht der neue Stadtteil in der Planung aus

Martin Hunscher, der Leiter des Stadtplanungsamtes, stellte die Ergebnisse der Untersuchungen zur ökologischen Verträglichkeit des geplanten Siedlungsgebietes für bis zu 30 000 Menschen vor. Demzufolge gibt es „grundsätzlich keine unüberwindlichen Hürden“ für die Bebauung.

Josef will den Anteil des öffentlichen Nahverkehrs bei der Erschließung des neuen Stadtteils aus ökologischen Gründen erheblich erhöhen. Bisher sollten 30 Prozent des Verkehrs auf öffentliche Verkehrsmittel entfallen, künftig sollen es 50 Prozent sein. Am 30. Oktober hatte das Consilium zum neuen Stadtteil getagt, also das Gremium von Fachleuten, das die Kommune berät. Der Stadtplaner Uli Hellweg als Vorsitzender nannte die Empfehlungen. Demnach sollte der neue Stadtteil „urban“ und „dicht bebaut“ werden. Auf Nachfrage der FR empfahl Hellweg überwiegend eine „vier- bis fünfgeschossige Bebauung“, Hochhäuser solle es keine geben und Ein-Familien Häuser sollten die Ausnahme bleiben.

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„Hochhäuser sind extrem teuer heute und nicht mehr wirtschaftlich darstellbar“, sagte der frühere Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung (IBA) in Hamburg.

Dass das große Siedlungsgebiet in einzelne Quartiere zerlegt wird, besitzt auch in Hellwegs Augen den Vorteil, „dass es nach Bedarf entwickelt werden kann, über Jahrzehnte“.

Der erfahrene Planer empfahl der Stadt Frankfurt, „auf die Umlandgemeinden zuzugehen“. Die Bürgermeister der Region wiederum warnte er vor „Isolationismus“. Wenn auf Frankfurter Gemarkung jetzt nicht gebaut werde, „dann wird woanders gebaut“.

Der Siedlungsdruck durch viele Menschen, die in das Rhein-Main-Gebiet zuziehen, erzwinge dann aber eine Bebauung „im dritten Ring“ um Frankfurt – dann treffe es „dörfliche Strukturen“.

Teams aus Stadt- und Landschaftsplanern sollen jetzt bis November 2020 „räumliche Studien und Planungsvorschläge zu Städtebau und Landschaft“ für die künftigen Wohnquartiere erarbeiten. Das Planungsdezernat will nach einem vorgeschalteten Auswahlverfahren voraussichtlich sechs Teams beauftragen.

Umland war frühzeitig eingebunden

Am 28. November stellt Dezernent Josef die Ergebnisse der ökologischen Untersuchungen in einer öffentlichen Informationsveranstaltung ab 18 Uhr im Dezernat, Kurt-Schumacher-Straße 10, in Frankfurt vor.

Der Planungsdezernent wehrte sich auf Nachfrage der FR vehement gegen den Vorwurf, er habe über die Pläne für den neuen Stadtteil die Gemeinden der Region zu wenig informiert. Er legte den Journalisten eine Liste von mehr als 30 Terminen mit Vertretern der Region vor. Aus dieser Übersicht geht hervor, das Josef bereits im Mai 2017 vertrauliche Gespräche mit den Bürgermeistern von Steinbach und Oberursel, Stefan Naas und Hans-Georg Brum, geführt hatte – also bevor die Stadt Frankfurt ihre Pläne am 9. Juni 2017 in einer Pressekonferenz öffentlich machte.

Josef beklagte sich darüber, dass der Direktor des Planungsverbandes Frankfurt-Rhein-Main, Thomas Horn (CDU), hinter dem Rücken der Stadt Frankfurt einen städtebaulichen Entwurf für ein neues Wohnquartier rund um das Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach habe erstellen lassen. „Eigentlich müsste ich sagen: Ich lehne das ab – das tue ich aber nicht, weil mir die Sache zu wichtig ist.“

Unterdessen hat CDU-Fraktionsvorsitzender Nils Kößler die SPD Frankfurt kritisiert und als "schlicht arrogant" bezeichnet.

In Hessen ist die Zahl der sogenannten Sozialbestattungen gestiegen. Viele Menschen können sich ein Begräbnis nicht mehr leisten.

Der neue Stadtteil Josefstadt steht vor dem Aus. 

Weil die Mieten in Frankfurt auch für Geschäfte immer weiter ansteigen und somit vor allem kleinere Lokale und Läden vor dem Aus stehen, fordert nun Planungsdezernent Mike Josef (SPD) einen Mietendeckel.

Zudem muss die Kleinmarkthalle in Frankfurt einen Schock verkraften: Die Metzgerei Dey schließt dort nach 85 Jahren den Stand.

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