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Land- und Amtsgericht Frankfurt am Main.

Prozess in Frankfurt

Mord im Niddapark: „Partygirl“ im Zeugenstand

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Im Prozess um den Mord im Niddapark erfährt das Gericht viel über das Frankfurter Nachtleben. 

Frankfurt - Es ist der 10. Mai 2018, morgens um kurz nach sechs, als Stanislava T. im Frankfurter Polizeipräsidium vorstellig wird und eine Aussage zu der Leiche im Niddapark machen möchte. Kurz zuvor hat sie einen Link mit der Beschreibung einer unbekannten Frauenleiche geschickt bekommen und bemerkt: Das sind ja meine Klamotten, die da beschrieben werden. 16 Monate später sitzt die 32-Jährige im Landgericht und gilt als Hauptbelastungszeugin im Prozess um den Mord im Niddapark.

Mord im Niddapark: Zeugin sagt aus 

Ihre Aussage an diesem Donnerstag wird schon mit Spannung erwartet, denn die Verteidigung von Jan M. hat schon am ersten Verhandlungstag versucht, T. als wenig glaubwürdig einzustufen. Der Vorsitzende Richter Volker Kaiser-Klan beginnt die Befragung vorsichtig und will wissen, wie gut T. Irina A. kannte. „Sie war ein Teil meines Lebens und wird es auch immer bleiben“, sagt die gelernte Visagistin. Sie hätten sich aber auch mal geschlagen und manchmal sei auch Kokain im Spiel gewesen. Auch am Tattag, dem 8. Mai, war Kokain im Spiel, aber so weit ist die gut dreistündige Befragung noch lange nicht gediehen.

„Sie mögen den Angeklagten nicht besonders“, nähert sich Kaiser-Klan weiter an. „Ich mag ihn als Person einfach nicht. Es gab Zeiten, da saßen wir zusammen an einem Tisch, aber das ist lange her.“ Der Angeklagte habe einst für den Lebensgefährten der Mutter gearbeitet. Vor etwa zehn Jahren habe sie M. und die Ermordete einander vorgestellt. Von einer Geschäftsbeziehung mit M. habe sie Irina aber abgeraten. Im Nachtleben zu arbeiten, sei nichts für sie. „Drogenkonsum und Gastronomie passt nicht zusammen.“

Kokain und „Party“ in Frankfurt 

T. steht mit beiden Beinen im Leben, aber es ist nicht das Leben, das die übrigen Prozessbeteiligten führen. Es geht in der Befragung um Partys, Drogen, Alkohol und um zwielichtige Bekannte. Der Auftritt der 32-Jährigen ist mehr von Selbstbewusstsein als von Erinnerungsvermögen geprägt. Immer wieder muss ihr vorgehalten werden, was sie damals bei der Polizei gesagt hat.

Ganz sicher ist sich T., dass Irina an jenem Abend mit Jan M. verabredet war. Tagsüber waren die Freundinnen gemeinsam unterwegs. Zunächst in der Innenstadt etwas essen, dann seien sie zu ihrem Drogenlieferanten nach Bornheim gefahren, um sich mit Kokain einzudecken. In T.’s Wohnung in der Schützenstraße hätten sie dann „Party gemacht“. „Was heißt das“, will Kaiser-Klan wissen. „Wir haben Kokain konsumiert und getrunken.“ Ein Widerspruch zu dem wichtigen Treffen, das für Irina angestanden haben soll, schien das nicht zu sein. Bei dem Treffen sollte noch eine dritte Person dabei sein und Jan habe Irina an dem Abend 20 000 Euro zurückzahlen wollen. 

Dann habe Irina sich noch umgezogen, sie wollte von T. schwarze Klamotten haben, weil auch Jan Schwarz tragen würde. „Wenn ihr einen Überfall macht, nehmt mich mit“, scherzte T. noch. Dass das Treffen im Niddapark stattfand, habe sie nicht gewusst und kann es sich auch nicht erklären. „Sie ist nicht mal mit ihren Kindern auf den Spielplatz gegangen.“

Nachdem Irina an jenem Dienstag weg war, hat T. „weiter konsumiert“, dann Schlaftabletten genommen und den ganzen Mittwoch durchgeschlafen. Geweckt worden sei sie dann in der Nacht auf Donnerstag, den 10., und bekam den Link mit der Personenbeschreibung geschickt.

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Beim Prozess um den Niddapark-Mord geben die Eltern der getöteten Irina A. vor Gericht Einblick in die finanziellen Verhältnisse ihrer Tochter.

Transparenzhinweis: In einer früheren Version des Artikels stand, der Angeklagte sei einst der Lebensgefährte der Mutter gewesen. Vielmehr gab die Zeugin an, der Angeklagte habe einst für den Lebensgefährten der Mutter gearbeitet. Die entsprechende Stelle im Text wurde geändert.

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