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Köln in einer Seifenblase

Prozess am Amtsgericht

Lärmbelästigung und Seifenblasen

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Am Amtsgericht Frankfurt lief ein Prozess gegen einen Mann, der Abtreibungsgegner beim Beten belästigte.

Frankfurt - Thorsten H. steht wegen Störung einer nichtverbotenen Versammlung vor dem Amtsgericht. Laut Staatsanwaltschaft soll er die Demonstranten, die Anfang 2018 vor der Pro-Familia-Beratungsstelle in der Palmengartenstraße für „Lebensschutz für ungeborene Kinder“ gemahnwacht hatten, empfindlich beim Beten des Rosenkranzes gestört haben – durch „Unterschreitung der gebotenen Distanz“, durch das Auskippen von Rote-Bete-Saft in frisch gefallenen Schnee und durch die Nutzung eines krachmachenden „Taschen-Alarms“, den er erst in einen Busch gehängt und dann dem Mahnwächter Tomislav I. ans Ohr gedrückt haben soll. 

Frankfurt: Kein gewaltbereiter Linksextremist

Gegen einen Strafbefehl über 30 Tagessätze à 20 Euro hatte H. Einspruch eingelegt. Er sei „kein gewaltbereiter Linksextremist“, beteuert der 45 Jahre alte H., auch wenn das die Polizei offenbar anders sehe. Ihm gingen aber die frömmelnden „Lebensschützer“ so furchtbar auf den Wecker, dass er es ihnen mit seinem Taschen-Alarm in gleicher Münze habe heimzahlen wollen. Er habe die Höllenmaschine aber an niemandes Ohr gedrückt. Protest müssten sich die Mahnwächter schließlich gefallen lassen. 

Frankfurt: Im Hasenkostüm um die Mahnwache gehopst

Ob sie sich auch gefallen lassen müssten, dass Thorsten H. „im Hasenkostüm“ um sie herumhoppele, will der Staatsanwalt wissen und zeigt H. ein belastendes Foto. Das sei kein Hasen- , sondern ein Schafskostüm, verbessert ihn H. Er verkleide sich mitunter gerne, um seinem Gegenprotest Farbe zu verleihen. Hin und wieder verkleide er sich auch als Kardinal. Dabei fällt dem Richter auf, dass im rappelvollen Zuschauersaal auch ein Mann in Kardinalsklamotten sitzt. Bei allem Verständnis für Possenreißer bitte er ihn doch, wenigstens den Hut abzusetzen, sagt der Richter, das sei „eine Frage des Respekts“. „Ich vertrete hier den Vatikan!“, protestiert der Mann, nimmt dann aber doch seinen Kardinalshut in die Hand. Tomislav I., 71 Jahre alter Rentner und am Taschen-AlarmTag einer von drei Mahnwächtern, erinnert sich mit Grausen daran, wie Thorsten H. sie immer wieder beim Rosenkranzbeten belästigt habe. 

Verfahren wird eingestellt

Nicht nur mit dem Taschen-Alarm, der so einen Heidenlärm gemacht habe, dass eine echte Zwiesprache mit Gott nicht mehr möglich gewesen sei. Er habe noch zu weit brutaleren Mitteln gegriffen. Etwa zu Seifenblasen, die er gezielt in Richtung Mahnwache gepustet habe. „Die sind dann geplatzt und haben auf uns gespritzt, da mussten wir die Polizei rufen!“ Die Seifenblaserei ist allerdings nicht angeklagt. Das Verfahren gegen Thorsten H. wird schließlich gegen eine Zahlung von 200 Euro an eine Frauenhilfsorganisation eingestellt.

In einem anderen Prozess wurde ein filmreifer Mafia-Mord verhandelt.

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