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In Frankfurt ist nun ein Mitglied eines internationalen Diebes-Trios verurteilt worden. (Symbolbild)

Kriminalität

Internationales Trio hat Flugreisende bestohlen

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Das Amtsgericht hat ein Mitglied eines internationalen Trios, das in Frankfurt Flugreisende bestahl, zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Frankfurt – Mit seinen langen, leicht schütter werdenden Haaren und einer Mine, die zwischen listig und lustig chargiert, würde Dariusz G. optisch auch als Bassist einer Status-Quo-Coverband oder als Bremser der Dippemess-Schiffsschaukel durchgehen. Er passt aber auch ganz gut auf die Anklagebank des Amtsgerichts, auch wenn dort bei einer Anklage wegen schweren und bandenmäßigen Diebstahls in der Regel weit sinistere Typen hocken.

Der 47 Jahre alte gebürtige Pole mit Wohnsitz in Spanien war Teil einer dreiköpfigen Bande, die sich darauf spezialisiert hatte, ausländische Flugreisende am Fernbahnhof zu beklauen. Die Arbeitsverteilung hatte sich das Trio von anderen Banden abgeschaut, die dieser Profession nachgehen: Der „Blocker“ stellt sich den Reisenden meist bei Besteigen des Zuges in den Weg, der „Zieher“ nutzt die Gunst des Augenblickes, indem er die Koffer und Taschen nach Stehlenswertem durchsucht. Oft bietet er den genervten Blockierten gar seine Hilfe beim Wuchten des Gepäcks an. Das ist danach meistens leichter als vorher, denn die Beute reicht der „Zieher“ dann an den Dritten in Bunde weiter, der wohl deswegen keine eigene Berufsbezeichnung hat, weil „Verdufter“ eher lächerlich klingt.

Diebesbande: Mehr als 27.000 Euro gestohlen

Es ist zumindest ein einträgliches Geschäft. Sechs Fälle nennt die Anklage. Von Oktober 2017 bis April 2018 hatte das Trio auf diese Weise mehr als 27.000 Euro ergaunert. Tatort war meist Gleis 6 des Fernbahnhofs. Ein Mann aus Myanmar ging so seines Laptops und 2500 Euro verlustig. Aus der Reisetasche eines marokkanischen Geschäftsmanns verschwanden 10.000 Euro. Eine Familie aus Libyen musste sich nicht nur von ihren Geldbörsen, sondern auch von etlichen Familienfotos verabschieden. Eine Schülerin aus Costa Rica büßte nicht nur 1400 Euro, sondern auch den Glauben an ein sicheres Urlaubsland ein. Und niemand hatte dem arabischen Handlungsreisenden gesagt, dass man, wenn man schon 8000 Euro in die Hosentasche steckt, diese nicht herauslugen lassen sollte.

Es tue ihm leid, sagt G., auf den in Spanien seine Ehefrau und zwei erwachsene, aber studierende Söhne warten. Die Sache sei die: Seit nunmehr 16 Jahren lebe er in Spanien und habe dort lange versucht, sich redlich vom Baugewerbe zu nähren. Das sei aber nur bedingt gelungen, die Schulden seien immer höher geworden. Da habe er in Spanien Artur N. getroffen, der aus demselben polnischen Dorf stamme wie er. Zusammen mit N. und Mariusz D., den es gleichfalls aus dem Dörfchen auf die iberische Halbinsel verschlagen habe, hätte man dann den kargen Lohn aufgebessert, indem man an Wochenenden nach Frankfurt geflogen sei, Autos gekauft und die nach Polen gefahren und weiterverkauft habe. Es waren oft lange Wochenenden. „In Spanien arbeitetet man freitags nur bis 14 Uhr – wenn überhaupt“, sagt G. Aber auch der Autohandel brachte nicht den finanziellen Durchbruch. Da sei Artur N. auf eine Idee gekommen.

Internationales Trio: „Sie hatten Geld, ich brauchte es.“

„Es war alles meine Idee“, bestätigt der aus dem Gefängnis von Darmstadt (zwei Jahre und vier Monate) vorgeführte N. Er habe seine sich anfangs sträubenden Jugendfreunde überredet. Er habe mit geschultem Blick die zu Bestehlenden ausgesucht. „Sie hatten Geld, ich brauchte es.“ Dann fragt N., ob er denn zu der demnächst anstehenden Verhandlung gegen Mariusz D. nochmal kommen müsse. Vermutlich schon, antwortet der Richter. N. war bei einem Einreiseversuch nach Deutschland festgenommen worden. G., gegen den ein internationaler Haftbefehl vorlag, wurde im November 2018 in Spanien festgenommen und im Februar dieses Jahres nach Deutschland ausgeliefert. D. hatte danach wohl die Faxen dicke und stellte sich den Behörden.

Nach nur einem Verhandlungstag verurteilt das Amtsgericht den voll geständigen Dariusz G. zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Der Haftbefehl wird aufgehoben. G. gelobt, fortan nur noch auf dem rechten Pfad zu wandeln. Im Gefängnis sei er mit etwas in Kontakt gekommen, das derzeit vornehmlich bei polnischen Untersuchungsgefangenen zu grassieren scheint: „Ich habe angefangen, in der Bibel zu lesen und mich Gott zugewandt.“ Und der lässt sich bekanntlich nicht so leicht in die Koffer gucken.

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