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Claire Cruchon und Sebastian Sonntag mit dem Filter. 2800 Euro kostet das Projekt. Die Stadtreinigung leert auf ihrer Tour.

Kippenproblem

Für die Umwelt: Frankfurter sollen mit der Kippe abstimmen

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Der neue „Meinungsfilter“ soll Zigarettenraucher behutsam zu Umweltfreunden erziehen. Nach dem letzten Zug haben sie eine Entscheidung zu treffen.

Frankfurt - Ein letzter Zug an der Zigarettenkippe und dann ... auf den Boden und austreten? Oder wohin? Das Umweltdezernat, die Kampagne „Cleanffm“ und der Müllentsorger FES haben eine bessere Idee: In den sogenannten Recigs-Meinungsfilter mit dem Zigarettenstummel. Dann klappt’s auch mit der Umwelt.

Es handelt sich um briefkastenförmige Behälter in Grün, auf denen Fragen stehen wie: „Wo ist abends mehr los? Hibbdebach oder dribbdebach?“ Wer gerade eine Zigarettenkippe zur Hand hat, kann abstimmen. Jeweils rund 500 Kippen pro Anwortvariante passen rein. In Sachsenhausen und nördlich des Mains hält man vor Spannung aufs Ergebnis schon den Atem an.

Umweltfeindlichkeit in der Bevölkerung

„Wir stellen eine zunehmende Umweltfeindlichkeit in der Bevölkerung fest“, sagt Dezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). „Umweltfreundlich verhält sich nur, wer seinen Abfall in einen entsprechenden Behälter wirft oder mitnimmt.“ Besonders umweltfeindlich sind demnach Raucher: „Die Zigarettenkippe ist das weltweit am häufigsten weggeworfene Abfallprodukt“, informiert die Stadträtin. Weggeworfen bedeutet hier: in die Landschaft, in die Botanik. Acht von zehn Kippen landeten nicht im Müll. Dabei seien sie in der Natur „Zeitbomben“ voller Gift und Schwermetall.

Was kann man da machen? Claire Cruchon und Sebastian Sonntag sind Teil der Lösung, neben ihrem Wirtschaftsstudium engagieren sie sich an der Enactus-Universität Frankfurt. Der Verein erfand den Recigs-Meinungsfilter, der das Kippenproblem beheben soll. Recig steht für Recycling und Cigarette. „Bei 18 Millionen Rauchern in Deutschland gibt es eine ganze Menge Kippen, die auf dem Boden landen“, sagt Cruchon am Montag bei der Präsentation auf dem Matthias-Beltz-Platz im Nordend. Die seien besser im Meinungsfilter aufgehoben, ergänzt Sonntag und verweist auf gute Erfahrungen mit dem ersten dieser Kästen in Frankfurt, der seit gut einem Jahr auf demUnicampus hängt.*

"Sind Raucher unfähig zu kapieren?"

Den Kontakt zwischen der Stadt und den pfiffigen Studierenden vermittelte der ebenfalls pfiffige Paul Heinke, der ein Freiwilliges Soziales Jahr im Umweltamt verbringt und von allen Beteiligten Schulterklopfen erhält, auch von FES-Sprecher Michael Werner. Er erzählt von der Mühe, die seine Kollegen beim Aufsammeln von durchschnittlich 50 bis 60 Kippen pro Quadratmeter in der Innenstadt haben, besonders auf Kiesböden oder Kopfsteinpflaster. „Sind Raucher unfähig zu kapieren, dass man die Stummel in den Müll wirft?“, fragt Werner.

Eine gute Frage für den Recigs-Meinungsfilter, denn die Aufgaben sollen öfter mal wechseln. Denkbar sind Fragen zur Fußball-WM, zur Beilage der Grie Soß oder auch, ob Donald Trump des Amtes enthoben werden soll: Ja/Nein? Die grünen Kästen hängen demnächst auch in Höchst, Sachsenhausen, Bockenheim, Bornheim und im Bahnhofsviertel. Offenbach hat schon einen. Sie sollen aber, darauf legt die saubere Gemeinschaft Wert, bloß nicht zum Rauchen verführen.

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