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Die Mieten zu hoch, die Welttemperatur auch: Protest zu Rade.

Fahrraddemo

„Stadt für Alle“ - Fahrraddemo zieht durch die Frankfurter Innenstadt

Am Samstag zieht eine Fahrraddemo durch die Frankfurter Innenstadt. Das Credo der Demonstrierenden: „Make love not CO2“.

Frankfurt - Das ist dann doch mal was Neues. Auf einem Transparent informiert die Initiative „Ende Gelände“: „There is no planet B, ihr Politlachsnacken!“ Der Ausdruck „Politlachsnacken“ ist neu. Nicht neu ist hingegen, dass in Frankfurt seit Jahren fast ausschließlich Wohnraum für Bestensverdienende gebaut wird, und das ist auch eines der beiden Hauptanliegen der Fahrraddemo gegen „Klimakollaps und Mietenwahnsinn“, zu denen einige Initiativen am Samstagmittag gebeten hatten.

Fahrraddemo gegen Mietwucher und Umweltverschmutzung

Freundlich geschätzt sind es etwa 100 Radlerinnen und Radler, die dem Aufruf gefolgt und um 13 Uhr zum Kaisersack gekommen sind, um von dort zum Glauburgbunker und zum ehemaligen Marienkrankenhaus zu radeln, wo etwas ihrer Meinung nach Ungutes entstehen soll.

„Diese Stadt, in der ich aufgewachsen bin, ist keine Stadt für alle mehr“, stellt eine junge Frau mit Megaphon fest, bevor die Demo startet. Sie sei zudem „als junger Mensch besonders vom Klimawandel befallen“, sagt sie.

Die meisten Mitradelnden sehen das wohl ähnlich. „Make love not CO2“ fordert ein Demonstrant im fast ärmellosen T-Shirt auf einem Transparent. Ein auf dem bloßen Bizeps befestigtes Tape weist ihn handschriftlich als „Ordner*in“ aus und erteilt damit auch dem binären Geschlechtercode eine klare Abfuhr. Welcher Veranstalterfraktion er angehört, ist nicht auszumachen, „Fridays for Future“ gehören ebenso dazu wie „Extinction Rebellion“, „Climate Justice“ und die „Gemüsehelden“. Kleiner Tipp am Rande: Die klimapolitische Komponente solcher Demonstrationen käme noch glaubwürdiger rüber, wenn zehn Minuten vor Demo-Beginn nicht mindestens die gefühlte Hälfte der Teilnehmer*innen mit Kaffee-Wegwerfbechern aus der benachbarten „Back Factory“ rumstünde.

Kein SUV verparkt den Fahrradweg

Das Klima am Kaisersack ist friedlich, mitunter aber auch kritisch. „Scheiße Politik!“ brüllt ein Passant mitten in eine der vielen kleinen Grußworte, schiebt dann aber sofort erklärend hinterher, er sei gerade „auf Meth“ und nicht so gut drauf.

Dann startet die Demo durch die Innenstadt, und dank des Einsatzes der Polizei parkt ausnahmsweise mal kein einziger SUV auf dem Fahrradstreifen oder nimmt den Radlern die Vorfahrt. Es könnte so entspannt sein, wenn nicht seit alters her vor allem auf linken Demos der Irrglaube herrschte, pausenlose musikalische Beschallung aus einem Bollerwagen mit klirrenden Boxen sei Menschenrecht. Und selbst wenn es das wäre: Habt ihre keine Kassette B,, ihr Politlachsnacken?

(Stefan Behr)

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