+
Diese Teilnehmer*innen erinnern an die Unruhen rund um das Stonewall Inn vor 50 Jahren in New York.

LGBTIQ

Christopher Street Day 2019 in Frankfurt - Gute Laune unterm Regenbogen

  • schließen

Der Umzug zum Christopher Street Day zieht vor allen Dingen das Partyvolk an.  

Frankfurt - So viel Regenbogenfarben gab es wohl noch nie in Frankfurt. Mehrere Tausend Menschen haben am Samstag beim Umzug zum Christopher Street Day (CSD) ein beeindruckendes Statement für Vielfalt gesetzt. Bunt, laut und schrill ging es am Samstagnachmittag in der Frankfurter Innenstadt zu. Zu dieser Zeit sollten Junggesellinnenabschiede die Innenstadt besser meiden, wenn sie auffallen möchten. Gewagte Outfits, eine Dragqueen mit High Heels auf dem E-Scooter - für das Auge wurde einiges geboten. Mancher brauchte dafür nicht mal Klamotten, sondern präsentierte seinen bunt tätowierten Körper einfach nur im weißen Tanga. Natürlich gab es zwischen schrillen Outfits und lauter Partymusik auch immer wieder politische Statements. „Meine Identität ist nicht verhandelbar“, hat eine junge Frau auf ihr Schild geschrieben.

Gute Laune und politische Statements 

Doch die meiste Zeit geht es um gute Laune. Ein Stimmungsnest ist dabei traditionell die Stiftstraße, wo eine Feiergesellschaft vom Balkon aus Umzugsteilnehmer und Schaulustige aus einem Schlauch mit Wasser nass spritzt oder begleitet von schrillen Schreien eine Konfettikanone zündet.

Auch die Schaulustigen an der Strecke haben Spaß und Seifenblasen.

Zum 50. Jahrestag der Unruhen in New York, die die Bewegung um den CSD in Gang gesetzt hatten, wollten die Veranstalter eigentlich wieder ein bisschen mehr zurück zu den Ursprüngen. Doch vielleicht ist diese Protestbewegung dafür mittlerweile schon ein bisschen zu sehr in der Mitte der Gesellschaft angekommen. So stimmt schon nachdenklich, dass viele Motivwagen von großen Unternehmen gesponsert werden. „Liebe ist grenzenlos“, warb eine Fluglinie und eine andere „Wish you were queer“. Auch die Deutsche Bahn und eine ausländische Bank mischten mit hippen Sprüchen im Getümmel mit. Vor der Hauptbühne auf der Konstablerwache waren zumindest am Nachmittag die besten Plätze vor der Bühne für die Europäische Zentralbank und eine Fluggesellschaft reserviert.

Viele junge Leute 

Während ein paar Meter weiter der Umzug tobt, geht es in der Großen Friedberger Straße eher sachlich zu. Der Basar der Vielfalt ist zu dieser Zeit nur spärlich besucht. Am Stand der Aids-Hilfe Frankfurt hält Mathias Mankus die Stellung. Er ist als Ansprechpartner da, wenn es Redebedarf gibt. Am Freitag habe er auch ein paar richtig gute Gespräche gehabt. „Aber für die meisten Leute ist das primär Party“, räumt er ein. Auch am Stand von „Schlau Hessen“, einem Antidiskriminierungsprojekt für geschlechtliche Identitäten und sexuelle Orientierung, räumt der junge Mitarbeiter ein, dass „die positive Stimmung“ im Vordergrund stehe.

Aber rund um einen Umzug dürfen wohl auch keine tiefschürfenden Gespräche erwartet werden. Immerhin ist die Beteiligung an dem Protestmarsch vor allem unter jungen Leuten enorm. Ein Nachwuchsproblem dürfte das Regenbogenfestival CSD nicht bekommen.

von Oliver Teutsch

Das könnte Sie auch interessieren: 

CSD Frankfurt: Tausende feiern friedlich - Alle Infos zum Christopher Street Day 2019

CSD 2019 Frankfurt: Bis 21. Juli findet derChristopher Street Day Frankfurt statt. Tausenden feiern friedlich. Wir haben alle Infos.

CSD Frankfurt: Besinnung auf die Ursprünge

Der Christopher Street Day erinnert in diesem Jahr an die Aufstände vor 50 Jahren in New York. Es soll gefeiert, aber in Diskussionen auch Verbesserungen angestrebt werden.

Regenbogenflagge an der EZB

Beim CSD laufen auch viele Unternehmen mit, um für Diversität am Arbeitsplatz einzutreten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare