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In der Nähe eines Spielplatzes hat der Angeklagte sein Opfer bestohlen. 

"Schnell ins Auto und nix wie weg" 

Frankfurt: 22-Jähriger wegen Nötigung vor Gericht - seine Freunde feiern ihn

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Vor dem Amtsgericht trifft ein rabiater Praunheimer auf sein Mobbingopfer. 

Frankfurt - Rabah M. steht wegen Amtsanmaßung, räuberischen Diebstahls und versuchter Nötigung vor dem Amtsgericht. Nicht alle dieser Anklagepunkte werden am Ende der Verhandlung noch Bestand haben, aber dennoch dürfte allein die Verlesung der Anklage einen Höhepunkt im Leben des 22-Jährigen darstellen: Ein paar seiner Praunheimer Freunde sitzen im Publikum und feiern ihren Kumpel, denn so etwas Spaßiges hört man nicht alle Tage.

Frankfurt: Mann aus Praunheim vor Gericht 

Die Anklage geht so: Am 19. Oktober 2018 trifft der leidlich besoffene M. gegen 6 Uhr in der Früh nahe einem Spielplatz in Praunheim auf den 21 Jahre alten Daniel G, den er schon seit Kindertagen leidenschaftlich hänselt. So auch an diesem Tag. Er sei jetzt V-Mann der Polizei, lügt Rabah M. Daniel G. an, und als solcher sei er leider gezwungen, dessen Jacke (Neupreis 500 Euro) an sich zu nehmen und auf Anhaftungen von Kokain zu untersuchen.

G. lässt das aus Angst vor Schlägen mit sich machen, obwohl in der Jacke sein Handy steckt. Der Spaß hört für ihn aber auf, als M. auch noch seine Plastiktüte haben will, denn in der befindet sich eine Rolex, eine Maserati-Uhr und edle Herrenarmbänder. Doch auch die Tüte nimmt der körperlich deutlich überlegene M. an sich. Mittlerweile aber sind Zeugen auf das Geschehen aufmerksam geworden und fordern M. auf, den Quatsch zu lassen. 

Anklage wegen Nötigung und Diebstahl

Er sei V-Mann der Polizei, blafft M. sie an, und zum Beweis schmeißt er die Uhrenboxen auf den Boden und trampelt darauf herum, bis sie entzwei sind. Dann macht er sich mit seiner Beute aus dem Staub. Die Rolex und die Maserati-Uhr wirft er in den nächsten Mülleimer, wo echte Polizisten sie kurz darauf herausfischen.

Das alles klingt albern genug, aber G. verhaspelt sich bei seiner Aussage in so viele Widersprüche, dass am Ende von den Tatvorwürfen nur noch Diebstahl und versuchte Nötigung bleiben und das Verfahren gegen Rabah M. nach kurzem Prozess wegen geringfügiger Schuld eingestellt wird – er muss 1000 Euro an einen gemeinnützigen Verein zahlen.

Rolex und Maserati-Uhr in Praunheim gestohlen

Sehr glaubhaft hingegen ist die Aussage von G., dass er sich gar nicht als richtiger Praunheimer fühle. „Ich verstehe mich mit keinem dort“, sagt der schmächtige junge Mann, seit seiner Kindheit werde er verdroschen und gemobbt und „wenn ich einmal das Haus verlasse, dann ganz schnell ins Auto und nix wie weg. Mit den Jungs aus der Gegend will ich nichts zu tun haben.“

Einige Jungs aus der Gegend sitzen im Publikum. In den Verhandlungspausen feixen sie mit dem Angeklagten und klatschen ihn ab, für Daniel G. haben sie wenig freundliche Worte übrig.

Die geraubten und weggeworfenen Luxusuhren wurden übrigens von der Polizei als billige Plagiate enttarnt. Daniel G. ist aber bis heute von ihrer Echtheit überzeugt.

Schon oft beschäftigt hat das Amtsgericht in Frankfurt Lorenz K.* Sein Zentralregister weist bereits 19 Eintragungen auf. Im aktuellsten Fall ist er wegen drei Delikten angeklagt worden. Das Landgericht in Frankfurt musste wegen einer Bombendrohung geräumt werden*. Bei einem anderen Fall in Frankfurt soll ein Paar einen Mann vom Rad geschubst und ihn mit Waffen bedroht haben. Doch der Prozess wird eingestellt. 

*fr.de ist Teil der Ippen-Digital-Zentralredaktion 

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