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Anika Pilger fuchst sich rein, und dann organisiert sie mal eben so den Lauf für mehr Zeit, um die Aidshilfe zu unterstützen. 

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Lauf für mehr Zeit in Frankfurt: Projektleiterin im FR-Interview

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Am Sonntag starten Tausende Teilnehmer beim Lauf für mehr Zeit. Anika Pilger ist die Projektleiterin und muss stets mit einer Überraschung rechnen.

Wenn am Sonntag der Lauf für mehr Zeit in Frankfurt beginnt, wird Anika Pilger das Ganze aus der Zuschauerperspektive verfolgen. Zuvor hat sie bestimmt noch einige Dinge geradegerückt, umgeplant oder einfach in die Hand genommen. Die 37-Jährige ist die ehrenamtliche Projektleiterin des Benefizlaufes. Selbst mitgelaufen ist sie aber noch nie. „Ich bin eher der Walking-Typ“, sagt Pilger. Ausschließen würde sich das aber nicht, denn auch beim Lauf für mehr Zeit wird gewalkt.

Anika Pilger hat die Verantwortung für den Lauf 2016 übernommen. „Damals war ich bei Audi in Bayern im Handelmarketing tätig.“ Die gebürtige Hanauerin habe sowieso Sehnsucht nach Hessen gehabt. Das Angebot sei dann das i-Tüpfelchen gewesen. „Ich habe aber eine Woche nachgedacht, bevor ich zugesagt habe“, gibt Pilger zu. So ging es für die 37-Jährige zurück in die Heimat. Aktuell wohnt sie in Langenselbold, wo sie auch aufgewachsen ist. Die Eventmanagerin gründete mit einem Kollegen eine Agentur und übernahm die Organisation des Laufs für mehr Zeit. Zusätzlich wurde sie noch Spendensammlerin für die Aidshilfe Frankfurt.

„Die Arbeit für die Aidshilfe nimmt die Hälfte meiner Zeit ein.“, sagt sie. Zwar sehe der Lauf gar nicht so komplex aus, doch die Arbeit im Hintergrund ist enorm. Immer wieder gebe es Absprachen zu führen, Spender zu akquirieren und ehrenamtliche Helfer zu finden und zu koordinieren. „200 Ehrenamtliche sind am Sonntag vor Ort. Sie müssen vorab wissen was ihre Aufgabe ist, am Tag selbst kann ich nicht mit allen reden.“ Deswegen gibt es aktuell für jeden Tag feste Ablaufpläne. Wer holt die Brötchen für die Ehrenamtlichen, wer das Trinken für die Läufer, woher bekommt man das Absperrband? Alles Fragen über die sich Anika Pilger Gedanken macht und Antworten findet. „Am Veranstaltungstag selbst passiert aber immer was.“ Wie vor zwei Jahren, als die Strecke einen Tag vorm Rennen wegen einer Sperrung geändert werden musste. „Natürlich bin ich Vorfeld nervös und angespannt, man hat ja auch eine riesige Verantwortung“, sagt Pilger.

Die Erlöse des Benefizlaufes kommen am Ende der Aidshilfe Frankfurt zugute. Etwa 300 000 Euro, wie die Projektleiterin sagt. „Das Geld wird benötigt, um das letzte Quartal zu überbrücken. Das Geld aus öffentlicher Hand reicht nicht mehr.“ Auch generell sei das Thema Aids in der Bevölkerung nicht mehr so präsent. „Früher hat man das Leid gesehen.“ Heute hingegen haben Erkrankte meist ein normales Leben mit einer normalen Lebenserwartung. Dadurch seien sie aber auch länger im Betreuungsprogramm der Aidshilfe, wofür sie Geld braucht.

Anika Pilger ist Eventmanagerin und Projektleiterin des Laufs für mehr Zeit.

Der Lauf ist am 8. September und startet auf dem Opernplatz. Ab 13 Uhr gibt es dort ein Fest. Die ersten Läufer gehen um 15.20 Uhr auf die Strecke.

Wer spontan noch mitlaufen möchte, kann sich Samstag von 12 bis 16 Uhr oder Sonntag vor dem Lauf auf dem Opernplatz anmelden.

Die Startgebühr beträgt 13 Euro, für Kinder 5 Euro. mic

Dass die Aidshilfe und der Lauf für mehr Zeit eine Herzensangelegenheit für Pilger ist, hat auch mit ihrer Vergangenheit zu tun. „Rainer Gütlich hat mir die Eventorganisation beigebracht – und mir dabei wohl auch gleich das Verantwortungsgefühl für die Aidshilfe eingeimpft.“ Gütlich hatte bis zu seinem Tod jahrelang den Christopher Street Day in Frankfurt auf die Beine gestellt. Anika Pilger half ihm dabei. „Wir zwei haben sogar mal in einer WG zusammen gewohnt“, erinnert sie sich.

Bei Pilger geht das Veranstaltungen organisieren in Fleisch und Blut über. „Ich mache mir die Veranstaltung zu eigen und fuchse mich rein.“ Als sie die Verantwortung für den Lauf übernahm habe sie zunächst eine 50-seitige Marketingarbeit geschrieben. Was ist der Kern des Laufs, worauf kommt es an und woher kommen die Spenden?

Der Erlös setzt sich zum einen aus den Startgebühren, zum anderen aus erlaufenen Spenden zusammen. 2018 liefen 4579 Teilnehmer auf den verschiedenen Strecken mit, etwa 50 davon waren Spendenläufer. Diese brauchen keine Teilnahmegebühr bezahlen und bekommen von ihren organisierten Sponsoren Geld für den Lauf. „Im vergangenen Jahr hat ein Läufer allein etwa 14 000 Euro gesammelt.“

Und wer einmal mitgelaufen ist, komme in der Regel immer wieder. „Die Atmosphäre auf dem Opernplatz ist einfach nett“, sagt Pilger. Doch besonders die großen Teams und die Schulen, die mitlaufen, haben immer wieder neue Läufer im Schlepptau. Auf der Strecke erleben die Zuschauer eine gute Mischung. Da steht am Start die Drag Queen mit Highheels neben dem Sportler in Laufmontur.

Wenn der Lauf vorbei ist, hört die Arbeit für die Eventmanagerin nicht auf. Am Tag danach müssen Brotkisten wieder zurück und die übriggebliebenen Getränke weiter verteilt werden. „Nach dem Lauf ist vor dem Lauf. Wir fragen jetzt schon wieder nach Hilfen für den Lauf im kommenden Jahr.

Doch am Dienstag, zwei Tage nach dem Lauf für mehr Zeit, da gönnt sich auch Anika Pilger einen freien Tag. „Dann schalte ich das Handy aus und man findet mich einen Tag lang auf der Couch“, sagt sie und lacht.

www.lauf-fuer-mehr-zeit.de

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