1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Heizen wird noch teurer – Mainova erhöht die Preise

Erstellt:

Von: Christoph Manus

Kommentare

Der Frankfurter Energieversorger Mainova erhöht erneut die Preise. Der Tarif Erdgas Classic und Fernwärme werden deutlich teurer. Die Linke fordert ein sozialeres Handeln

Frankfurt – Die Wohnung zu heizen und warm zu duschen, wird für immer mehr Menschen in Hessen sehr teuer. Der Frankfurter Energieversorger Mainova erhöht, wie er am Mittwoch mitteilte, zum 1. Oktober die Preise für Erdgas und Fernwärme stark, für manche Haushalte sogar schon zum zweiten Mal binnen weniger Monate. Das Unternehmen, das zu gut 75 Prozent den Frankfurter Stadtwerken gehört, begründet dies mit gestiegenen Einkaufspreisen und verweist auf Zahlen des Bundesamts für Statistik, nach denen die Beschaffungskosten von Mai 2021 bis Mai 2022 um rund 230 Prozent gestiegen seien.

Erst im Juli hatte die Mainova den Arbeitspreis im Grundversorgungstarif „Mainova Erdgas Classic“ von 8,94 Cent auf 11,30 Cent pro Kilowattstunde erhöht. Von Oktober an verlangt sie nun 15,44 Cent pro Kilowattstunde. Nach einer Beispielrechnung des Energieversorgers zahlen Kundinnen und Kunden mit einem Jahresverbrauch von 12.000 Kilowattstunden künftig 41,50 Euro mehr im Monat. Die staatlich regulierte Gasumlage in Höhe von gut 2,4 Cent pro Kilowattstunde, die ebenfalls von Oktober an zu zahlen ist, ist dabei noch nicht berücksichtigt. Den Umgang mit der Gasumlage kalkuliere das Unternehmen derzeit, hatte Mainova am Dienstag auf FR-Anfrage mitgeteilt. Rechnet man diese hinzu, müssen Haushalte im Grundversorgungstarif bald mehr als doppelt so viel für die Kilowattstunde Gas zahlen wie noch im Juni.

Ein Frankfurter Vermieter dreht seinem Mietshaus das warme Wasser ab. Er sieht sich im Recht, weil der Gaspreis so stark gestiegen sei, dass er seine Mieterinnen und Mieter vor höheren Abschlägen schützen müsse.
Gas wird immer teurer. Nun steigt in Frankfurt auch der Preis für Fernwärme stark. © dpa

Energiekrise in Frankfurt: Nun steigt auch der Preis für Fernwärme stark

Viel teurer wird es auch für Fernwärmekunden der Mainova. Haushalte mit einem Wärmeverbrauch von 12.000 Kilowattstunden und einer angeschlossenen Leistung von zehn Kilowatt zahlen nach einer Beispielrechnung vom 1. Oktober an monatlich 112,24 Euro mehr. Den starken Anstieg begründet das Unternehmen mit der Kopplung des Fernwärmepreises an Notierungen und Indizes, die für die Wärmeproduktion relevant sind. Um Fernwärme zu erzeugen, würden auch Erdgas und Kohle benötigt. Für beides seien die Preise an den Börsen stark gestiegen.

Nicht von den Erhöhungen betroffen sind offenbar Tarife wie „Mainova Erdgas Direkt“. Dieser Preis war allerdings erst im August gestiegen, für einige Haushalte sogar um bis zu 100 Prozent.

Frankfurter Energieversorger Mainova erhöht die Abschlagszahlungen für Gas

Mainova kündigte am Mittwoch an, jetzt schon die Abschlagszahlungen für die von Preiserhöhungen betroffenen Haushalte zu erhöhen. So komme es nicht zu hohen Nachzahlungen in der nächsten Jahresabrechnung. Das Unternehmen verweist zudem auf Stundungs- und Ratenzahlungsmodelle für Kundinnen und Kunden in Zahlungsschwierigkeiten sowie auf Beratungsangebote zu finanziellen Hilfen und zum Energiesparen. Dieses sei nun „das Gebot der Stunde“.

Das Wiesbadener Unternehmen Eswe-Versorgung hatte bereits am Montag angekündigt, den Gaspreis im Oktober für viele Kund:innen um mehr als 100 Prozent zu erhöhen. Der Frankfurter Energieversorger Süwag und das Darmstädter Versorgungsunternehmen Entega wollen zunächst nur die Gasumlage an ihre Kundschaft weitergeben.

Mainova erhöht Preise: Linke in Frankfurt fordert Konzept gegen Energiearmut

Die Linke im Frankfurter Römer nennt die Preissteigerungen der Mainova einen „Schlag ins Kontor für viele Frankfurterinnen und Frankfurter“ und befürchtet, dass weitere Erhöhungen bei Strom, Gas und Fernwärme folgen. Die Fraktion fordert seit Monaten, der Energieversorger solle in der Krise sozial agieren. Sie schlägt etwa vor, dass ein Grundkontingent von Energie pro Haushalt von den Preissteigerungen ausgenommen wird. Die Koalition im Römer müsse die Bekämpfung der Energiearmut nun in den Mittelpunkt rücken, fordert Fraktionschef Michael Müller. Bislang lasse diese die Menschen im Regen stehen.

Mieterschützer:innen warnen bereits davor, dass Heizen und Warmwasser zu einem Luxusgut werden. Mieterhaushalte, aber auch ärmere Eigentümer:innen benötigten dringend ein drittes Hilfspaket, sagt der Landesverband des Deutschen Mieterbunds. Die Energiepreispauschale und der Wohngeldzuschuss reichten nicht aus. Der Eigentümerverband Haus & Grund Hessen sieht viele seiner Mitglieder vor der Zahlungsunfähigkeit, weil diese Gefahr liefen, dass die Mieter:innen die von ihnen vorgestreckten Energiekosten nicht zahlen können. (Christoph Manus)

Auch interessant

Kommentare