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Frankfurt: Heimatreise mit Atlas

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Von: Meike Kolodziejczyk

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„Schlüfter. Annäherung an eine Heimat“ heißt Jens Kleins Serie mit Fotos von Ingo Wrzalik.
„Schlüfter. Annäherung an eine Heimat“ heißt Jens Kleins Serie mit Fotos von Ingo Wrzalik. © Jens Klein/Ingo Wrzalik

Die DZ Bank Kunststiftung stellt die Werke der Preisträgerinnen und Preisträger ihres Förderstipendiums aus. Sie beschäftigen sich mit Archiven, Fundstücken oder Sammlungen.

Die Installation, die Jens Klein mit Aufnahmen aus dem Fundus eines passionierten Amateurfotografen geschaffen hat, erinnert an eine Zeit- und Heimatreise. Anja Manfredis Werkschau rankt sich um den Mythos des Titanen und Himmelsträgers Atlas. Valter Ventura hat ein Panoptikum von Objekten und Bildern zusammengesucht, das den Begriff des „Schießens“ zum Inhalt hat. Interviews mit Frauen aus dem London der 1940er Jahre stellt Karina Nimmerfall zeitgenössischer Architekturfotografie gegenüber. Und Lilly Lulay kombiniert die auf Flohmärkten erstandenen Fotoalben und Postkarten mit Attributen und Kennzeichen digitaler Kommunikationsformen.

Was auf den ersten Blick wenig miteinander gemein zu haben scheint, durchzieht tatsächlich ein roter Faden: Alle fünf Künstlerinnen und Künstler beschäftigen sich mit Archiven, Fundstücken oder Sammlungen. Diese haben sie so sortiert und neu geordnet, dass eigene künstlerische Fragestellungen und Perspektiven daraus erwachsen sind. Zugleich nähern sich die ausgestellten Werke historischen Themen an, die bis in die Gegenwart hineinwirken. All das kann von heute an bis Ende Januar 2023 in der Ausstellung zum „Förderstipendium 2021/2022“ der DZ Bank Kunststiftung erlebt und bestaunt werden. Wer sich auf die Werke einlasse, lerne „einmal mehr neue künstlerische Ausdrucksformen kennen, die sich im weitesten Sinne mit Fotografie auseinandersetzen“, formuliert es Christina Leber, Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin der Stiftung, in der Publikation zur Schau.

Alle zwei Jahre vergibt die DZ Bank Kunststiftung ein Förderstipendium, das sich an Künstlerinnen und Künstler aller Altersstufen richtet, die sich mit fotografischen Ausdrucksformen befassen. Eine siebenköpfige Jury ermittelt zwei Preisträger:innen, die eine Fördersumme von je 12 000 Euro erhalten. Außerdem werden die geförderten Projekte für die Kunstsammlung der Stiftung erworben. Darüber hinaus bestimmt die Jury drei weitere Bewerberinnen und Bewerber, von denen ausgewählte Kunstwerke ebenfalls in der Stipendiatenausstellung präsentiert werden.

Förderstipendium

Die Ausstellung zum „Förderstipendium 2021/2022“ ist vom heutigen Donnerstag an bis zum 28. Januar 2023 in der Ausstellungshalle der DZ Bank Kunststiftung am Platz der Republik in Frankfurt zu sehen. Geöffnet ist die Schau dienstags bis samstags von 11 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Eine Führung gibt es jeden Donnerstag um 18 Uhr sowie an jedem letzten Freitag im Monat um 17.30 Uhr. Um Anmeldung wird gebeten. myk

www.kunststiftungdzbank.de

Im Juli 2021 wurden im ersten Wahlgang Jens Klein und Anja Manfredi gekürt. Innerhalb eines einjährigen Arbeitsstipendiums konnten sie jeweils ein Projekt umsetzen, das nun in der Ausstellung erstmals gezeigt wird. In zweiter Runde entschied sich die Jury für die 1985 in Frankfurt geborene Lilly Lulay sowie für Karina Nimmerfall und Valter Ventura, deren Werke ebenfalls Teil der Schau sind.

Jens Klein, Jahrgang 1970, wuchs in einem Dorf in Thüringen auf und beschäftigt sich in seinen Arbeiten immer wieder mit der DDR-Vergangenheit, auch mit seiner ganz persönlichen. Auf der Suche nach Fotografien von seiner Einschulung stieß der Künstler auf das riesige Konvolut von rund 15000 Negativen seines Nachbarn Ingo Wrzalik.

Von Globen über die Felsenlandschaft des Atlasgebirges bis hin zur Adaption der tragischen Figur des Titanen als architektonisches Stilmittel reichen hingegen die Motive von Anja Manfredis Präsentation, die Bezüge zwischen „Atlas und Bilderatlas“ herstellt – in teils begehbaren, labyrinthischen Konstellationen.

Der Titan auf dem Dach des Frankfurter Hauptbahnhofs aus der Serie „Atlas und Bilderatlas“ (Ausschnitt).
Der Titan auf dem Dach des Frankfurter Hauptbahnhofs aus der Serie „Atlas und Bilderatlas“ (Ausschnitt). © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

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