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Kritik an Abrissplänen: Aktivisten besetzen Haus im Gallus

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Von: Christoph Manus

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Polizei war am Samstag vor dem besetzten Haus im Frankfurter Gallus präsent. Die Einsatzkräfte unternahmen aber keinen Räumungsversuch.
Polizei war am Samstag vor dem besetzten Haus im Frankfurter Gallus präsent. Die Einsatzkräfte unternahmen aber keinen Räumungsversuch. © Michael Schick

Eine linke Initiative hat am Samstag ein Wohnhaus an der Galluswarte in Frankfurt besetzt. Sie fordert dessen Nutzung für Menschen ohne Wohnraum und kritisiert Neubaupläne im Areal.

Frankfurt - Ein linkes Bündnis namens „Freiräume statt Glaspaläste“ hat am Samstagnachmittag ein leerstehendes Wohnhaus an der Günderrodestraße im Frankfurter Stadtteil Gallus besetzt. Die Polizei umstellte das Gebäude mehrere Stunden lang und nahm Personalien auf, versuchte aber nicht, das Gebäude zu räumen. Bislang liegt nach Angaben der Initiative auch kein Räumungsbeschluss vor. Ruppig wurde es offenbar, als die Polizei einen Pavillon auf dem Gehweg, in dem es Essen und Getränke gab, beanstandete.

Sonst lief zumindest nach Angaben der Polizei alles friedlich und ohne Vorkommnisse. Nachdem sie den zuständigen Vermieter des Hauses, den evangelischen Verein für Wohnraumhilfe, nicht erreicht habe, habe die Polizei ihre Maßnahmen beendet, hieß es am Sonntag. Am Sonntag kam es bis in den Abend zu keinem Einsatz am Haus.

Initiative in Frankfurt will, dass Menschen ohne Wohnraum das Haus im Gallus nutzen dürfen

Die Gruppe, die in dem Gebäude mit zehn Wohnungen, das direkt an der S-Bahn-Station Galluswarte steht, eine Ausstellung zum Thema Gentrifizierung präsentiert und Diskussionen und Workshops anbieten will, fordert, dass das Haus bis zu dessen Abriss kostenlos von wohnungslosen Menschen genutzt werden darf. Es sei in einem guten Zustand, sagte eine Sprecherin am Sonntag und es gebe keinen baulichen Grund, das Haus abzureißen.

Die etwa 35 Aktiven dringen zudem auf eine viel höhere Sozialquote für das im Areal zwischen den S-Bahn-Gleisen, der Gutenbergstraße, der Frankenallee und der Mainzer Landstraße geplante Neubauquartier „Hellerhöfe“, das die bisherigen Zeitungsgebäude der „FAZ“ und der Frankfurter Societät sowie Wohnhäuser ersetzen soll. Bisher ist dort eine Quote an gefördertem Wohnungsbau von 30 Prozent geplant, je zur Hälfte Sozial- und Mittelstandswohnungen. Nach Ansicht der Initiative ist das viel zu wenig. Sie fordert, dass zu 60 Prozent Sozialwohnungen entstehen.

Frankfurt: Das besetzte Haus soll abgerissen werden und einem Neubauquartier weichen

Die Linke im Römer solidarisierte sich am Samstag mit der Initiative. Der Stadtverordnete Eyup Yilmaz nannte die Hausbesetzung ein Signal an die Stadtregierung, die seit Jahren eine „spekulative investorenfreundliche Wohnungspolitik“ betreibe.

Das besetzte Haus gehört der „FAZ“. Es ist an die mehrheitlich städtische Konversionsgesellschaft KEG vermietet, die wiederum einen Untermietvertrag mit dem evangelischen Verein für Wohnraumhilfe abgeschlossen hat. Die Verträge laufen, wie die FR berichtete, zum Jahresende aus. Alle Bewohner:innen mussten bereits ausziehen. Nach Information der Initiative steht es seit Ende November leer. Die Gruppe fordert, dass diese nun günstige Wohnungen im Neubauprojekt zugesichert bekommen.

Ein Joint Venture der „FAZ“ mit der Frankfurter Societät, dem Kölner Immobilienunternehmen Bauwens und dem Family Office Daniel Hopp will in dem Areal Neubauten mit Platz für 500 bis 540 Wohnungen, ein Bürohochhaus mit bis zu 60 Metern Höhe und zwei Kitas errichten. An der Günderrodestraße soll nach Willen der Stadt Frankfurt eine vierzügige Grundschule mit Sporthalle entstehen. Die bestehenden Gebäude im Areal sollen schon bald abgerissen werden. Die „FAZ“ zieht gerade in ein Hochhaus an der Europa-Allee um, die Frankfurter Rundschau und Teile der „FNP“ beziehen neue Räume in Sachsenhausen. (Christoph Manus)

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