Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Frankfurt Hauptbahnhof: Wie jetzt weiterkommen? Der Bahnstreik hat viele kalt erwischt, der Informationsbedarf ist hoch.
+
Frankfurt Hauptbahnhof: Wie jetzt weiterkommen? Der Bahnstreik hat viele kalt erwischt, der Informationsbedarf ist hoch.

GDL streikt

Bahnstreik: Viele Fragen und wenig Verständnis am Hauptbahnhof in Frankfurt

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
    schließen

Der Bahnstreik der GDL legt auch den Verkehr am Hauptbahnhof Frankfurt lahm. Die Menschen sind enttäuscht – und nicht alle zeigen Verständnis.

Frankfurt – Das wohlbekannte emsige Gewusel im Frankfurter Hauptbahnhof lässt am Mittwochmorgen noch nicht auf einen besonderen Tag schließen. Erst beim Blick auf die Anzeigentafel mit den abfahrenden Zügen und die langen Schlangen vor dem DB-Reisezentrum wird deutlich, dass dies kein gewöhnlicher Mittwoch ist. Der Streik der Lokführergewerkschaft GDL hat viele Reisende kalt erwischt und sorgt für eine erhebliche Anzahl ausfallender Züge.

Seit 2 Uhr stehen die meisten Züge der Deutschen Bahn still. Auch der Güterverkehr wird bestreikt. Die Arbeitsniederlegungen sollen noch bis Freitag um 2 Uhr dauern. Hintergrund ist, dass die GDL die monatelangen Tarifgespräche im Juni für gescheitert erklärte hat. Die angebotenen Lohnerhöhungen auf eine Laufzeit von 40 Monaten seien nicht akzeptabel. Auch eine Corona-Prämie für das laufende Jahr ist ein dringende Forderung der Gewerkschaft.

Hauptbahnhof Frankfurt: Bahnstreik sorgt für Verärgerung

Die Reisende Barbara Simon hat für den Streik kein Verständnis. Das Ganze sei nur ein Machtkampf zwischen den beiden Gewerkschaften. Neben der GDL gibt es noch die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Wegen des Tarifeinheitsgesetzes muss in den DB-Betrieben, in denen beide Gewerkschaften dieselben Berufsgruppen vertreten, der Tarif der vor Ort größeren Gewerkschaft gelten. Oftmals ist dies die EVG. Die GDL möchte nun einen besseren Tarifvertrag aushandeln, als es die EVG getan hat.

Hotlines und Infos

Auch am Donnerstag kommt es zu zahlreichen Ausfällen auf den Linien S1, S2, S3, S4, S5, S6, S7, S8, S9, RE2, RE4, RE5, RE14, RE20, RB22, RB23, RE25, RE30, RB34, RB40, RB41, RB48 (von/nach Frankfurt), RB49, RE50, RB51, RE60, RB61, RB67, RB68 sowie RE70.

Der Ersatzfahrplan für den Fern- und Regionalverkehr ist in der Fahrplanauskunft auf bahn.de und in der App DB Navigator abrufbar. Alternativ gibt es auch Infos auf rmv.de im Internet.

Informationen dazu gibt es auch bei der kostenlosen Streikhotline unter Telefon 08000 / 996 633.

Alle gebuchten Fahrkarten des Fernverkehrs für Strecken, die vom 11. bis einschließlich 13. August vom GDL-Streik betroffen sind, behalten ihre Gültigkeit und können bis einschließlich 20. August flexibel genutzt werden. Die Zugbindung bei Sparpreisen und Super-Sparpreisen ist aufgehoben. Zudem können Fahrkarten kostenfrei erstattet werden. Weitere Informationen dazu unter bahn.de/sonderkulanz im Internet. Zudem gelten die allgemeinen Fahrgastrechte bei Verspätung oder Zugausfall. mic

Was Barbara Simon besonders ärgert, ist der Zeitpunkt des Streiks. „Heute drängt sich alles in den Zügen, die noch fahren, und die Abstände sind kaum einzuhalten.“ Sie wollte eigentlich nach Hamburg fahren, um dort Urlaub zu machen. Doch der ICE nach Hamburg-Altona ist ausgefallen. „Jetzt schauen wir, ob ein anderer Zug fährt“, sagt sie und rückt in der Schlange vor dem DB-Reisezentrum weiter auf.

Dort steht auch Irene Schreiber und ist traurig über die Situation. „Wir wollten nach Bad Hersfeld und uns die Ruine anschauen. Abends sollte es zurückgehen.“ Doch auch ihre Bahn fährt nicht zum geplanten Zeitpunkt. „Dabei ist doch das Wetter so schön, perfekt für einen Ausflug.“ Zum Teil könne sie den Streik verstehen und hofft auf eine schnelle Einigung. „Aber wir haben momentan so viele Probleme zu lösen. Muss das da auch noch sein?“

Bahnstreik am Hauptbahnhof Frankfurt: Die GDL steht vor dem Bahnhofsgebäude

Vor dem Bahnhofsgebäude haben sich einige GDL-Mitglieder versammelt und halten eine Kundgebung ab. Bernd Steindorf, Lokführer bei Regio Frankfurt, freut sich über die gute Streikbeteiligung in allen Bereichen. Sogar Fahrdienstleiter seien dabei. Er verdeutlicht, dass der geforderte Corona-Bonus durchaus verdient sei. Man habe den Betrieb unter schwierigen Bedingungen aufrechterhalten. „Einige unserer Mitglieder wurden angepöbelt und bespuckt. Es war hart.“

Im Hauptbahnhof geht das Treiben unvermindert weiter. Ständig tönen Ansagen aus den Lautsprechern: „Dieser Zug fällt heute aus.“ Ab und zu fahren aber Regionalbahnen, wie etwa die RB 61 nach Bamberg.

Informieren über ihre Ziele: Streikende vor dem Hauptbahnhof.

Auch Dominik Zisch und seine sechs Begleiter vom Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus Frankfurt hoffen, dass ihr Zug fährt. Sie stehen an Gleis 9 und wollen für zehn Tage zum Landeslager nach Hameln. „Der Zug soll fahren, zwar eine Stunde später, als wir geplant haben, aber ich bin guter Dinge“, sagt Zisch. In einer Krisensitzung am Dienstag hatten sie beschlossen, dass sie es mit dem Zug versuchen wollen. „Wir können alternativ mit dem Auto fahren, aber das wäre nicht gut für die Umwelt.“ Die Streikankündigung sei zu kurzfristig gewesen, um vielleicht schon einen Tag eher mit der Bahn zu fahren.

Bahnstreik behindert Reisende am Hauptbahnhof Frankfurt

Karl-Heinz Fischer und seine Frau Elisabeth eilen von der DB-Auskunft zu Gleis 7. „Wir wollen zurück nach Hause, nach München“, verrät er. Die beiden kommen von einer mehrtägigen Schiffsfahrt, die sie unter anderem auf der Mosel gemacht haben. Verständnis für den Streik hat er nicht. „So eine kurze Vorbereitungszeit ist unmöglich. Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir anders geplant.“ Seine Frau berichtet, sie hätten gestern heute schon mehrmals umgebucht, um nach Hause zu kommen. Nun soll sie ein ICE zum Flughafen bringen, von da aus soll es weiter per Zug in die bayrische Landeshauptstadt gehen. Als sie sich verabschieden, ist ungewiss, ob das klappt.

An und in den Zügen, die noch fuhren, herrschte Gedränge.

Auch die S-Bahnen sind von den Arbeitsniederlegungen betroffen. Viele von ihnen fallen aus. Wer beispielsweise an die Anzeigentafel an Gleis 101 schaut, sieht, dass zum Beispiel die nächste Bahn der Linie S4 erst in 70 Minuten kommt. Ungewohnte Eindrücke, sonst verkehren die S-Bahnen im Fünfminutentakt.

Nicht betroffen vom Streik sind Straßenbahnen und U-Bahnen. Die VGF und Traffiq haben für Mittwoch und Donnerstag entschieden, die Kapazitäten auf Frankfurts U-Bahn-Linien zu maximieren. Viele Linien bieten mehr Wagen als üblich.

Laut Deutscher Bahn fallen deutschlandweit 75 Prozent der Fernfahrten aus, bei DB Regio seien es 40 Prozent. Durch einen Notfallfahrplan sollen Metropolen zumindest im Zweistundentakt miteinander verbunden werden. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund erklärt, dass die Linien der S7 und S9 komplett ausfielen. Die S1 bis S6 sowie die S8 sollten im 60-Minuten-Takt fahren. (Steven Micksch)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare