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„Geht’s bald wieder los?“ Auch Hobbit muss in den sauren Apfel beißen und auf bessere Zeiten warten.

Zoo Frankfurt

Zoo Frankfurt: „Hat er eine Rüsselnase?“

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FR-Patenvogel Hobbit im Gespräch über Einsamkeit, Bücher und sein neues Mit-Patentier.

Der Frankfurter Zoo bereitet sich auf die Wiedereröffnung vor. Und was sagt der Hobbit dazu?

Lieber Hobbit, zunächst einmal: Wie geht es dir?
Oooorrr … ich kann’s nicht mehr hören. Wie geht’s dir hier, wie geht’s dir da – habt ihr keine anderen Fragen mehr drauf?

Aber – wirst du etwa ständig gefragt, wie es dir …
Nee, war nur Spaß. Es kam ja in letzter Zeit niemand mehr in den Zoo. Und die, die kommen, wissen, wie es mir geht.

Aha. Na. Und wie geht’s dir also?
Muss. Insgesamt ganz okay. Bisschen Vogelgrippe, aber sonst …

Hobbit! Lass die Scherze.
Schon gut. Und selbst so?

Danke. Büro daheim, du weißt schon. Wie verbringst du die Zeit?
Eigentlich wie immer.

Ich habe gehört, dir fehlen die Zoobesucher ganz besonders.
Schon. Ist halt echt mehr Spaß in der Bude, wenn man neue Leute kennenlernt, mit Menschen aus vielen verschiedenen Ländern in Kontakt kommt, die extra meinetwegen von überallher in den Frankfurter Zoo reisen … Und weißt du noch, wie ihr von der Rundschau uns früher Oster- und Weihnachtsgeschenke gebracht habt? Das war schön.

Mein Ohr tut heute noch weh. Wen beißt du zurzeit?
Üch? Üch beiße doch nücht! Ich klaue höchstens meinen Pflegern den Schlüssel, baue das Zoogesellschaftshaus um, solche Sachen. (leiser:)Aber lass das nicht die Nele hören.

Deine Partnerin? Ist die immer noch so …
Psssssssst!!!

Der Zoo, wegen der Corona-Pandemie geschlossen, wird in den nächsten Tagen wieder öffnen – wann genau, war am Wochenende noch unklar. Auf der Website www.zoo-frankfurt.de soll es dazu bald Details geben.

Maximal 250 Besucher mit Mund-Nasen-Bedeckung werden in drei Zeitfenstern zu je drei Stunden eingelassen: 9 bis 12 Uhr, 12.30 bis 15.30 und 16 bis 19 Uhr. Es gelten die Abstands- und Kontaktregeln: Hinein darf man maximal zu zweit oder als Familie bzw. häusliche Gemeinschaft. Zu sehen sind nur die Außenanlagen. Alle Tierhäuser, Spiel- und Picknickplätze sowie die Bereiche etwa um den Katzendschungel und die Affenhäuser bleiben gesperrt. Es gibt keine Tierfütterungen. Imbiss- und Eisstände sowie der Zooshop sind aber geöffnet.

Eintrittskarten (reduziert auf fünf Euro) gibt es nur online, ebenfalls unter www.zoo-frankfurt.de, voraussichtlich ab Mitte der Woche. Die Kartenschalter sind geschlossen. Jahreskarten werden um zwei Monate verlängert.

Der Kea Hobbit, seit 1994 Patentier der Redaktion der Frankfurter Rundschau, freut sich auf Gäste: „Ihm fehlen die Besucher wirklich“, sagt Zoo-Sprecherin Caroline Liefke. Voriges Jahr kam der Humboldtpinguin Sams-Mischa als FR-Patentier dazu; beide Patenschaften wurden gerade verlängert.

Tierpaten helfen dem Zoo. Zwischen 1. März und Ende April übernahmen 133 neue Paten 212 Patenschaften. Damit hat der Tierpark jetzt gut 2500 Paten mit fast 3000 Patenschaften. Liefke: „Die Leute sind ganz großartig.“ 

Dann sprechen wir über was anderes. Du bist ja nun weiterhin der Patenvogel der Frankfurter Rundschau.
Zu Recht. Ich bin ja auch grün. Anders als diese Typen da hinten bei den Robben.

Die Humboldtpinguine. Die sind doch aber auch prima Tiere. Deshalb ist einer von ihnen seit vorigem Jahr ebenfalls unser Patenvogel. Gemeinsam mit dir.
Jaja. Schon in Ordnung.

Hattet ihr schon miteinander zu tun?
Nein. Die treten ja nur im Rudel auf.

Soll ich euch mal einander vorstellen?
Bist du verrückt? Die Pandemie! Die Abstandsregel!

Beim nächsten Mal, meine ich. Dann führen wir das Interview zu dritt, ja? Wenn alles wieder in Ordnung ist.
Gut. Kann ich deinen Kugelschreiber haben?

Wie denn – durchs Telefon?
Ihr Menschen könnt doch sonst alles. Schick ihn mir mit der Post.

Damit du wieder die gesamte Kea-Anlage auseinandernehmen kannst, Kumpel?
Nein. Nur so. Wie heißt denn der Neue?

Unser Patenpinguin? Sams. Oder Sams-Mischa.
Sams? Hat er eine Rüsselnase? Ein Pinguin mit einem Rüssel?

Nein, er hat Punkte auf dem Bauch, wie die Kinderbuchfigur Sams. Aber bei Sams-Mischa verschwindet keiner der Punkte, wenn er sich was wünscht.
Und wieso Mischa?

Nach dem Buch von Andrej Kurkow: „Pinguine frieren nicht“. Da heißt der Pinguin nämlich Mischa.
Keas frieren auch nicht. Warte mal kurz …

Hm?
Hier: Dieser Mischa liegt rund 47 000 Plätze hinter mir.

Wo?
Bei den Bücherverkäufen.

Inwiefern hinter dir?
Na, hinter „Der kleine Hobbit“. Wurde nach mir benannt.

Sicher. Übrigens haben Patentiere eigentlich generell keine Namen. Man übernimmt die Patenschaft für „einen Kea“ oder „einen Pinguin“, so ist das im Zoo geregelt. Das Geld kommt dann allen Tieren eurer Art zugute. Ihr zwei seid also Ausnahmen.
Lass mich raten: Vor sechs Jahren, als ich FR-Patenvogel wurde, da reichte mein Ruf weit über die Landesgrenzen hinaus – Hobbit, der tapfere Kea, nur er kann das Wappentier der tapferen Frankfurter Rundschau sein, denn beide sind stolze Kämpfer für Demokratie und Gerechtigkeit!

Äh, ja, genau. Du warst noch ein Küken, mein Lieber. Und du bist als einziger aus der Kea-Crew von damals noch hier. So sieht’s aus. Aber vor allem haben wir dich natürlich lieb und vermissen dich.
Ich muss jetzt mal weiterarbeiten.

Nur noch eine Frage: Woher wusstest du das mit den Bücherverkaufsrängen?
Internet. Gegenfrage: Wo ist eigentlich dein Smartphone?

Hier in meiner … Hobbit! Wie hast du das …?
Tschühüs!

Interview: Thomas Stillbauer

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