Justiz

Frankfurt: Mit Hanteln nach Mutter geworfen

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Das Landgericht Frankfurt eröffnet das Verfahren gegen einen paranoiden Mann, der versucht haben soll, seine Mutter zu töten. Seine Schuldunfähigkeit steht außer Frage.

Es sind nicht immer nur Verbrechen, die vor dem Landgericht landen. Nicht allzu selten sind es auch Tragödien.

Seit Montag muss sich ein 47 Jahre alter Mann dort wegen des versuchten Mordes an seiner Mutter verantworten – als Beschuldigter, nicht als Angeklagter. Denn seine Schuldunfähigkeit steht außer Frage; der Mann leidet seit Jahren unter einer paranoiden Schizophrenie. Es handelt sich um eine Antragsschrift im Sicherungsverfahren, es geht um die dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie.

Im September 2019 hatte die 77 Jahre alte Mutter ihren Sohn in dessen Wohnung im Ben-Gurion-Ring besucht, angesichts des auf dem Herd kokelnden Essens Unheil gewittert und ihren Sohn gefragt, ob er noch seine Tabletten nehme. Erbost über diese Frage nahm der Sohn die Brille der Mutter und warf sie vom Balkon seiner im vierten Stock befindlichen Wohnung. Als die Mutter, die nach unten gegangen war, die Brille aufhob, schlugen direkt neben ihr zwei siebeneinhalb Kilo schwere Hanteln in den Rasen ein.

Mutter nutzt Aussageverweigerungsrecht

Die 77-Jährige macht in dem Prozess von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Sie hat wohl wenig Interesse daran, ihren Sohn nur noch in der Psychiatrie besuchen zu können. Ein als Zeuge geladener Polizist erzählt, sie sei damals aufgelöst bei der Polizei aufgetaucht und habe um Hilfe gebeten – nicht für sich, sondern für ihren Sohn, der offenbar seine Tabletten nicht mehr nehme.

Der Sohn, so der Polizist, habe keinen Widerstand geleistet, sondern sie mit offener Tür und ausgestreckten Händen empfangen. Er sei psychisch krank, habe er den Beamten gestanden, und er habe zwei Hanteln nach seiner Mutter geworfen, weil die ihn mit ihrer Fürsorge „wahnsinnig mache“. Dann habe er voller Zorn seinen Fernseher angeschrien. Auf dem Weg zur Wache habe er ausführlich mit einem Polizisten auf dem Beifahrersitz gesprochen, der nur in seiner Fantasie existierte – der Beifahrersitz war leer.

Ob er erschossen werde, weil er doch „das Hauptquartier der Cosa Nostra verraten“ habe, habe er den imaginären Polizisten gefragt. Mitunter habe er sich aber auch an die real existierenden Beamten gewandt – mit der Frage, ob Menschen, die er gerade sehe, wirklich da seien. Manchmal seien da Menschen gewesen, manchmal nicht, erinnert sich der Polizist, und bei einer Bejahung habe der Mann beruhigt, bei einer Verneinung beunruhigt gewirkt.

Nur einmal habe es für einen kurzen Moment „irgendwie ,klick‘“ und der Mann einen völlig normalen Eindruck gemacht. „Habe ich jemanden umgebracht?“, habe er voller Furcht gefragt, und die Antwort, dass dies nicht der Fall und auch seine Mutter wohlauf sei, habe ihn sichtbar erleichtert. Danach habe sich wieder mental an einen Ort verabschiedet, an den ihm keiner folgen kann.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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