Der Osthafen 2017.
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Osthafen

Frankfurt: Hafenanlieger geschockt von Osthafen-Plänen

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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  • Christoph Manus
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Die Pläne für Wohnraum im Frankfurter Osthafen stoßen bei den Hafenanliegern auf heftige Kritik. Sie machen der Stadt schwere Vorwürfe.

Der Vorstoß von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), den Osthafen auch für Wohnen zu öffnen, stößt auf heftige Reaktionen. Die Hafenanlieger zeigen sich von den Plänen schockiert und enttäuscht. „Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Stadt mit einer Zermürbungstaktik die Unternehmen dauerhaft verunsichern und den Osthafen als Industrie- und Gewerbestandort unattraktiv machen will“, sagt Thorsten Hölser, Geschäftsführer der Gemeinschaft Frankfurter Hafenanlieger (GFH). Diese vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von mehr als 30 Unternehmen.

Schon jetzt führe die Nähe zu Wohnungen zu Problemen. Eine Ausweitung der Wohnbebauung im Osthafen hätte die Abwanderung von Arbeitsplätzen, den Verlust von Gewerbesteuereinnahmen und eine Zunahme des Verkehrs zur Folge, warnt die GFH.

Vorstandschef Christian Eichmeier fordert ein klares und unwiderrufliches Bekenntnis der Stadt zu Industrie-, Gewerbe- und Logistikstandort Osthafen. Die Unternehmen benötigten Planungssicherheit, um Investitionen teilweise in Millionenhöhe zum Erhalt und Ausbau ihrer Standorte tätigen zu können, sagt der Geschäftsführer des Containerterminals im Osthafen.

Die Pläne für den Frankfurter Osthafen sind umstritten.

Deutlich positiver äußert sich der Vorsitzende des Städtebaubeirats, Torsten Becker, zu Josefs Vorstoß. Das Gremium, in dem Architekten und Planer die Stadtregierung beraten, wird sich, wie der Stadtplaner im Gespräch mit der FR ankündigt, jetzt mit diesem Thema beschäftigen. Becker selbst befürwortet „eine urbane Mischung von Wohnen, Handel und Gewerbe“ im Osthafen.

In einem ersten Schritt müsse untersucht werden, welche Unternehmen im Hafen tatsächlich noch auf die Verbindung zum Fluss angewiesen seien, sagte Becker. Nach seiner Meinung wird sich herausstellen, dass etliche Firmen diese Nähe zum Wasser nicht brauchten. So könne etwa das große Containerterminal auch an einem anderen Standort angesiedelt werden. Es brauche „eine regionale Hafenkonzeption“ und eine Zusammenarbeit Frankfurts mit anderen Städten des Rhein-Main-Gebiets, wie beispielsweise Hanau mit seinem Hafen.

Becker sieht insgesamt eine „Unwucht der Stadtentwicklung“ in Frankfurt, die sich lange nur nach Westen ausgerichtet habe. Dies ändere sich bereits etwa durch die Bebauung des Kaiserlei an der Nahtstelle zwischen Offenbach und Frankfurt. „Ich glaube, dass ein neues Osthafenviertel ein Bindeglied zwischen Frankfurt und Offenbach werden wird“, erklärte der Planer, der im Osthafen neben Wohnen und Gewerbe auch die Entwicklung von „Handwerkerhöfen“ für notwendig hält. In keinem Fall dürfe der Osthafen aber ein abgehobenes Luxuswohnquartier wie der Westhafen werden.

Linke gegen Luxuswohnen

Genau das befürchtet allerdings die Linke im Römer. Das Bauen am Wasser führe meist dazu, dass Architekten, Investoren und Dezernenten alle sozialen Vorsätze über Bord würfen und nur noch an Luxuswohnen und Profite dächten, sagt ihr wohnungspolitischer Sprecher Eyup Yilmaz.

Bereits vor mehr als einem Vierteljahrhundert hatte die Stadt Frankfurt den Wandel des Osthafens zum Wohnviertel in die Wege geleitet. Der damalige Planungsdezernent Martin Wentz (SPD) hatte das renommierte Frankfurter Planungsbüro Albert Speer und Partner (AS&P) mit einer städtebaulichen Untersuchung beauftragt. Die Büros AS&P und Dornier legten 1991 ein Konzept vor, demzufolge die Unternehmen des Osthafens rund um die beiden Becken des Oberhafens in einem Kompakthafen konzentriert werden sollten. Die Becken des Unterhafens hätten für Wohnbebauung geöffnet werden sollen. Zwischen dem Schwedlersee und der Autobahn 661 wäre ein Güterverteilzentrum entstanden.

Für die Untersuchung und andere Vorbereitungen des städtebaulichen Wandels hatte die Stadt damals bereits sieben Millionen Mark ausgegeben. 1992 gründete die Kommune eine Entwicklungsgesellschaft Frankfurt Ost GmbH, die den Osthafen umgestalten sollte. Der damalige Bürgermeister Hans-Jürgen Moog (CDU) und Planungsdezernent Wentz fuhren gemeinsam nach London, um den Wandel dortiger Hafengebiete zu Wohnquartieren in Augenschein zu nehmen. Dieser Wandel galt damals als städtebaulich weltweit beispielhaft.

Dann brach 1993 plötzlich in Frankfurt die politische Unterstützung weg. Die Grünen, die in einer rot-grünen Koalition mit der SPD zusammenarbeiteten, schlugen sich auf die Seite der CDU, der Industrie- und Handelskammer und der Hafenanlieger, die für den Wirtschaftsstandort Osthafen kämpften. Dieser Kurswechsel trug zum endgültigen Auseinanderbrechen des rot-grünen Bündnisses bei. Am 15. März 1995 kündigten die Grünen es endgültig auf. Zwei Tage zuvor war die Wiederwahl der Dezernentin für Frauen und Gesundheit, Margarethe Nimsch (Grüne), an vier fehlenden Stimmen der Koalition gescheitert. Die Grünen wandten sich mehr und mehr der CDU zu, mit der sie von 2006 bis 2016 eine feste Koalition eingingen.

Der seinerzeitige Planungsdezernent Martin Wentz ist heute selbstständiger Projektentwickler. Im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau zeigte er sich zufrieden, dass die Diskussion über einen Wandel des Osthafens wieder auflebt. Wentz ist überzeugt, dass die CDU durch ihr Projekt eines Neubaus der Städtischen Bühnen im Osthafen die Debatte wieder belebt hat.

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