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Am Donnerstag gibt es auch in Frankfurt Aktionen am Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und Maedchen.
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Am Donnerstag gibt es auch in Frankfurt Aktionen am Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und Maedchen.

Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

Frankfurt: „Häusliche Gewalt betrifft immer noch alle Schichten“

  • Helen Schindler
    VonHelen Schindler
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Claudia Santilli (48) ist Mitarbeiterin der Caritas Frankfurt in der Migrationsberatung im Team Höchst. Im Interview spricht sie wie sie Frauen und Mädchen aktiv helfen, aber auch präventiv arbeiten.

Mit zahlreichen Aktionen begeht auch die Stadt Frankfurt an diesem Donnerstag den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. In den westlichen Stadtteilen gibt es jetzt seit zehn Jahren den Arbeitskreis gegen Häusliche Gewalt Frankfurt West. Weil Höchst der Stadtteil mit der höchsten Zahl an Kinderschutzmeldungen und Anzeigen wegen häuslicher Gewalt war und ist, ging das Sozialrathaus Höchst vor zehn Jahren auf Institutionen und Akteure im Stadtteil zu, um eine Vernetzung zu erreichen und in der Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. Als zentrale Anlaufstelle wurde das Team Höchst der Fachdienste für Migration des Caritasverbands Frankfurt mit der Koordinierung des Arbeitskreises beauftragt.

Frau Santilli, wie setzt sich der Arbeitskreis zusammen?

Der Arbeitskreis setzt sich aus unterschiedlichen Einrichtungen und Institutionen aus den westlichen Stadtteilen zusammen. Zum festen Kern gehören unter anderem das Sozialrathaus Höchst, das Jugend- und Sozialamt, der Caritasverband, Beratungsstellen wie Frauen helfen Frauen, das Polizeipräsidium, das Klinikum Frankfurt Höchst, der Evangelische Regionalverband und der Präventionsrat Frankfurt. Die Zusammenarbeit fördert das gegenseitige Verständnis, und wir lernen gegenseitig die unterschiedlichen Arbeitsfelder kennen, die Rollen, Aufträge und Grenzen der einzelnen Professionen, sehen aber auch Schnittstellen. Das fördert die schnelle Weiterleitung an die richtigen Stellen und die Begleitung der Hilfesuchenden.

Welche Tätigkeiten übernimmt der Arbeitskreis?

Allgemein sind unsere Ziele, auf das Thema häusliche Gewalt aufmerksam zu machen und es aus der Tabuzone zu holen, dafür zu sensibilisieren und Betroffenen Hilfsmöglichkeiten zukommen zu lassen, uns zu vernetzen und präventiv zu wirken.

Wie setzen Sie das konkret um?

Wir organisieren Wanderausstellungen wie die „Rosenstraße 76“ oder „Gewaltige Liebe“. Damit wollen wir in erster Linie Betroffene von häuslicher Gewalt erreichen und ihnen aufzeigen, dass es Hilfemöglichkeiten gibt. Zum V-Day, dem weltweiten Aktionstag gegen Gewalt an Mädchen und Frauen am 14. Februar, rufen wir jährlich zu einer Tanzdemo in Höchst auf. Außerdem organisieren wir Brötchentütenaktionen, zuletzt in Sindlingen. Da kooperieren wir mit Bäckereien und dem Quartiersmanagement vor Ort und designen eine Brötchentüte, auf denen die Telefonnummern der wichtigen Beratungsstellen abgedruckt werden. Die Tüten geben die Bäckereien dann kostenlos ab. Auch veranstalten wir den „Markt der Möglichkeiten“, was wegen Corona zuletzt schwierig war. Aber dort sind normalerweise alle Einrichtungen des Arbeitskreises präsent. Vorgestellt wird ein fiktiver Fall von häuslicher Gewalt, zu dem dann rund herum Fragen beantwortet werden. Was passiert, wenn ein Fall von häuslicher Gewalt gemeldet wird, welche Möglichkeiten gibt es? Zu guter Letzt veranstalten wir Informations- und Fortbildungsangebote für Fachkräfte und Interessierte. Am 19. November startet unsere erste digitale Fortbildungsreihe zum Thema „Häusliche Gewalt und Kinderschutz“.

Kürzlich haben Sie die Aktion „Gewalt kommt uns nicht ins Netz“ ins Leben gerufen. Worum handelt es sich da, und was soll die Aktion bewirken?

Zur Person

Claudia Santilli (48) ist Mitarbeiterin der Caritas Frankfurt in der Migrationsberatung im Team Höchst. Seit 2011, von Beginn an, koordiniert sie den Arbeitskreis gegen Häusliche Gewalt Frankfurt West.

Kontakte zu Beratungsstellen gegen häusliche Gewalt in Frankfurt:
Hilfetelefon 08000 / 116 016
Frauenreferat 069 / 212 353 19
Beratungsstelle Frauennotruf 069 /709 494
Frauen helfen Frauen 069 / 489 865 51
Frankfurter Verein 069 / 430 547 66
Kinder- und Jugendschutztelefon 0800 / 201 011 1 FR

Wegen der Pandemie konnten wir nichts in Präsenz anbieten, weswegen wir uns überlegen mussten, wie wir Hilfsangebote trotzdem verteilen und Frauen erreichen können. Deshalb war unsere Überlegung, das digital in Form einer Rundmail zu machen. Wir haben einen Flyer erstellt, auf dem die Beratungsstellen mit ihren Notrufnummern gebündelt wurden, und diesen an unsere Verteiler verschickt. Der Flyer kann direkt an Frauen gegeben oder in Wartezimmern und Ähnlichem ausgelegt werden.

Welche Formen kann häusliche Gewalt haben, und wem widerfährt sie?

Häusliche Gewalt betrifft immer noch alle Schichten, unabhängig von Alter, Herkunft und Bildungsstand. Es gibt unterschiedliche Formen der häuslichen Gewalt, es kann mit Beleidigungen anfangen und sich dann steigern. Häusliche Gewalt hat immer mit Macht und Kontrolle zu tun. Das kann sich auch darin zeigen, dass kontrolliert wird, mit wem man sich trifft oder für was man Geld ausgibt – das ist psychische Gewalt. Die verschiedenen Formen der Gewalt können auch in Kombination miteinander auftreten. Physische Gewalt geht bis hin zur Tötung.

Was hat sich in Hinblick auf das Thema häusliche Gewalt in den vergangenen zehn Jahren getan?

Eine Evaluation des Arbeitskreises hat gezeigt, dass Fachkräfte, Lehrerinnen und Lehrer und auch Kinder und Jugendliche sensibler geworden sind und sich häufiger melden. Betroffene Frauen trauen sich stärker, Gewalttäter anzuzeigen, und Nachbarinnen und Nachbarn sowie Freundinnen und Freunde melden sich häufiger bei der Polizei. Generell ist die Gesellschaft aufmerksamer geworden.

Ist häusliche Gewalt heute also weniger ein Tabuthema als vor zehn Jahren?

Ich hoffe es. Aber das heißt nicht, dass man nicht weiterhin am Ball bleiben muss. Nur weil das Thema angekommen ist, können wir da jetzt nicht weniger machen. Es muss weiter Aktionen geben. Es ist immer noch sehr wichtig, dass das Thema in der Öffentlichkeit bleibt, man sieht es an den Zahlen, und das Dunkelfeld ist weitaus größer. Auch muss das Thema präventiv in die Schulen gebracht werden. Beim V-Day gehen wir zum Beispiel in eine Schule und geben da einen Workshop für den Tanz, wobei wir auch über das Thema häusliche Gewalt sprechen. Auch im Rahmen der Ausstellungen haben wir Schulklassen eingeladen. Die Kinder sollen früh lernen, wo Gewalt beginnt und was Gewalt ist.

Interview: Helen Schindler

Claudia Santilli koordiniert den Arbeitskreis gegen Häusliche Gewalt Frankfurt West.

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