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Frankfurt hält frisch

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Von: Thomas Stillbauer

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Ein letzter Schnitt, bevor die Lebensmittel frisch im Bienenwachstuch eingewickelt werden können.
Ein letzter Schnitt, bevor die Lebensmittel frisch im Bienenwachstuch eingewickelt werden können. © christoph boeckheler*

Das junge Unternehmen Wildwax liefert Alternativen zum Plastik jetzt im Design der Stadt.

Die Alte Oper ist drauf. Der Hauptbahnhof, na klar. Der Römer, ein Affe und ein Tiger aus dem Zoo, ein Flugzeug auf dem Weg zum Airport, Bulle und Bär von der Börse, Goethe, Struwwelpeter, ein Dinogerippe vom Senckenberg-Museum. Das Waldstadion, schade, ist wohl knapp unten rausgepurzelt, aber macht nichts: Frankfurt ist gut zu erkennen auf diesem Wimmelbild. Oder besser: Wimmeltuch.

Noch besser: Wimmelwachstuch. Das angenehm duftende Stück Frankfurt soll eine umweltfreundliche Alternative zum Plastik sein: ein Biofrischhaltetuch aus Baumwolle, Bienenwachs, Fichtenharz und Kokosfett. Die Wiener Künstlerin Vianina hat es entworfen für die Frankfurter Firma Wildwax – und es ist beileibe nicht das erste gute Stück aus der Manufaktur am Ostbahnhof.

„Das Frankfurt-Tuch ist ganz neu aus dem Dezember“, sagt Lotte Schöpf, die das Unternehmen vor fünf Jahren gemeinsam mit ihrem Partner Omar Rock gegründet hat. „Wir hatten die Idee schon, seit es mit Corona losging. Jetzt wollen wir den Frankfurterinnen und Frankfurtern gern etwas zurückgeben, weil sie uns geholfen haben, als so junge Firma eine Pandemie zu überleben.“ Eine Liebeserklärung an die Heimatstadt und ihre Menschen.

Außer dem Frankfurt-Einwickeltuch gibt es viele andere bunte Muster und sogar eins mit lustigen Bienenleuten, die der wunderbare Philip Waechter gezeichnet hat. Im Sortiment sind nicht nur Tücher, sondern auch Bienenwachsbeutel. „Die Leute lieben das, wie es so einfach ist – Beutel auf, Lebensmittel rein, Beutel zu.“ Es gibt eine Rolle, von der man sich selbst die gewünschte Tuchgröße abschneiden kann, und es gibt eine spezielle Spülseife.

Man kann Wachstücher mit Seife abwaschen? „Ja, das kann man schon“, sagt die 38-jährige Lotte Schöpf. „Wir empfehlen Ökospülmittel und kaltes Wasser – warmes ist nicht gut für das Wachs.“

Wilde Wachstücher. Wie kam es zu der Firmengründung? „Uns hat diese ganze Plastikflut fassungslos gemacht“, sagt Schöpf, die studierte Biologin. „Für mich war Umweltschutz immer was ganz Logisches. Das hier ist der Planet, auf dem wir leben, den wir erhalten müssen.“

Die Wachstücher zum Frischhalten, Einfrieren, Abdecken, Mitnehmen faszinierten sie dann aus mehreren Gründen. Sie sind keineswegs eine neue Erfindung, sondern, im Gegenteil, etwas Altes und Bewährtes. Sie waren lange vor dem Kunststoff da. „Und Lebensmittel bleiben sogar länger frisch darin“, sagt die Gründerin. Das Material atme, das Bienenwachs sei antibakteriell. „Wir achten auch darauf, wie es den Bienen geht, von denen unser Wachs kommt. Die sind ja sehr gefordert durch die Umstände zurzeit.“ Pestizide in der Landwirtschaft, Klimawandel – die summenden Produzentinnen im Team haben es nicht leicht.

Apropos Team: Zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat das junge Unternehmen, darunter viele Mamas, sagt Schöpf. „Ich bin schließlich selbst Mama und wir wollen zeigen, dass das geht, Mutterschaft und Arbeit unter einen Hut zu bringen.“ Die Belegschaft arbeitet in zwei getrennten Schichten; falls in der einen Hälfte ein Corona-Fall auftritt, müssen nicht gleich alle in Quarantäne. Teilzeitarbeit und Diversität im Team: Ehrensache.

Haben Lotte Schöpf und Omar Rock privat sämtliche Dinge in ihrem Kühlschrank in Bienenwachsmäntel gewandet? „Es sind natürlich auch Gläser dabei und Schüsseln, die wir dann mit Tüchern abdecken.“ Und wenn sie mal gezwungen sind, etwas in Kunststoff zu kaufen, wird es zu Hause umgepackt in Wachs. Wie gesagt: „Es hält dann länger“. Bis zu 500 Anwendungen oder zwei Jahre sollen die Wildwax-Produkte überdauern und wenn sie ausgedient haben, lassen sie sich kompostieren.

Die Tücher aus der Manufaktur im Ostend (wildwaxtuch.de) gibt es auch in Biosupermärkten und bei Geschäften für nachhaltigen Bürobedarf und Naturkleidung. Demnächst soll die Produktpalette weiterwachsen. Was kommt dazu? Lotte Schöpf: „Verrate ich nicht.“ Das Geheimnis wartet noch, wie die Bienenkönigin, hinterm Wachs.

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