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Frankfurt: Gymnasien weiterhin beliebt

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Von: Sandra Busch

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Zwei Jahre nach Gründung soll das Gymnasium Süd ins ehemalige Stadtschulamt ziehen. renate hoyer
Zwei Jahre nach Gründung soll das Gymnasium Süd ins ehemalige Stadtschulamt ziehen. renate hoyer © Renate Hoyer

Die Übergangsquote aufs Gymnasium steigt auf 56,5 Prozent. Die Zahl der Zuweisungen an weiterführende Schulen sinkt.

Es gab Jahre, da stand das Telefon beim Stadtelternbeirat nicht still, wenn es mit der Wunschschule nicht geklappt hatte. Wenn das Kind nicht in die fünfte Klasse der gewählten Schule gehen konnte, sondern einer anderen Schule zugewiesen wurde. In diesem Jahr ist es ruhig. „Es ist überschaubar“, sagt Stadtelternbeirätin Rafaela Hartenstein. Weniger als zehn Eltern hätten sich gemeldet. „Vielen ist klar, dass das Losverfahren rechtssicher ist und daran nicht gerüttelt werden kann.“

Seit zwei Jahren spielt das Losglück bei der Vergabe der Schulplätze eine größere Rolle als zuvor, seitdem können die Schulen viel weniger Kriterien zur Auswahl ihrer Schüler:innen anwenden. Und eine Zuweisung nehmen die Eltern „mit größerer Gelassenheit hin“, sagt Hartenstein. Aber Zuweisungen gibt es auch weiterhin: Rund 5800 Kinder – etwa 100 weniger als im Vorjahr – werden an die weiterführende Schule wechseln, 405 davon haben keinen Platz an ihrer Wunschschule bekommen. Im Jahr zuvor waren es aber noch 485 – etwa zehn Prozent bekamen ihren Wunsch damals nicht erfüllt. Nun sind es nur noch sieben Prozent.

Ungebrochen ist dabei der Trend zum Gymnasium. Die Übergangsquote beträgt 56,5 Prozent, 54,3 Prozent waren es 2021. Die sinkende Zahl an Zuweisungen liegt für Hartenstein auch daran, dass das neue Gymnasium Süd, das im Sommer in Sachsenhausen eröffnen wird, gut angewählt wurde. Etwa die Hälfte der 180 Plätze wurde vergeben, weil Familien diese Schule wählten. „Das ist eine hohe Akzeptanz fürs erste Jahr“, meint Hartenstein. Dabei spiele die gute Lage und auch das gute Konzept eine Rolle. „Die Schule ist extrem gut angenommen worden, das hat einige Zuweisungen ausgemerzt.“ So sieht das auch Alexander Tulatz vom Staatlichen Schulamt. „Das neue Gymnasium hat den Druck rausgenommen.“ Dennoch gab es vor allem im Gymnasialbereich Zuweisungen.

248 Schüler:innen – 72 weniger als 2021 – können nicht auf das gewünschte Gymnasium gehen. Sie wurden anderen Gymnasien oder dem Gymnasialzweig kooperativer Gesamtschulen zugewiesen, etwa der Schule am Ried, der Otto-Hahn-Schule, der KGS Niederrad, dem Gymnasium Süd, der Liebigschule. Oder auch dem Heinrich-von-Gagern-Gymnasium. Einer Schule mit G8, in der mit Latein als erster Fremdsprache begonnen wird. „Das geht eigentlich nicht“, findet Hartenstein. „Mit Latein anfangen zu müssen, ist ein Grund für Eltern, noch einmal ins Gespräch zu gehen.“

Das machen die Eltern auch. Beim Staatlichen Schulamt. Latein und G8, „das ist ein spezielles Konzept, das muss man bewusst wollen“, sagt Tulatz. „Für viele ist das nicht interessant.“ Aber man sei auf die Plätze angewiesen, sie seien im normalen Verfahren drin. Man versuche, Lösungen im Einzelfall zu finden, in allen Schulformen seien noch Plätze frei. „Bis in die erste Schulwoche ist noch Bewegung drin“, erklärt Tulatz.

Neben den sechs neuen Klassen am Gymnasium Süd musste eine weitere Gymnasialklasse aufgemacht werden, um alle Schüler:innen in fünften Klassen unterzubringen. Und erstmals in seiner Geschichte ist das Adorno-Gymnasium mit Erstwünschen bereits voll.

Bei den integrierten Gesamtschulen (IGS) müssen 157 Kinder eine Schule besuchen, die sie nicht gewählt hatten. Acht weniger als im Vorjahr. Dort habe sich die Situation entspannt, informiert Tulatz. „Wir mussten keine neuen Klassen aufmachen.“ An den Haupt- und Realschulen gab es keine Zuweisungen.

Tulatz sieht wie Hartenstein eine größere Akzeptanz der Zuweisungen, seitdem es das Losverfahren gibt. „Das Losen können viele nachvollziehen.“ Das Verfahren sei auch noch nie erfolgreich angegriffen worden. Aber Widersprüche liegen im Staatlichen Schulamt bereits auf dem Tisch.

Auch wenn es weniger Zuweisungen gibt: „Ich mache mir Sorgen um nächstes Jahr“, sagt Hartenstein. „Die Schulen sind voll, und von einer neuen IGS im Süden für nächstes Jahr haben wir nichts mehr gehört.“ Doch Schulplätze würden gebraucht. Auch wenn „dieses Jahr alles gerade noch einmal gutgegangen ist“.

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