1. Startseite
  2. Frankfurt

Niedrigwasser im Rhein: Was bedeutet das für Frankfurt?

Erstellt:

Von: Christoph Manus

Kommentare

Die FR beantwortet Fragen zu den Auswirkungen des Niedrigwassers im Rhein auf die Frankfurter Wirtschaft.

Was bedeutet das Niedrigwasser für den Frankfurter Hafen?

Frankfurt – Obwohl die Schifffahrt auf dem Mittelrhein noch nicht völlig gestoppt ist, sind die Auswirkungen auf den Frankfurter Hafenbetrieb gravierend. Klar ist: Im zehntgrößten Binnenhafen Deutschlands kommt derzeit viel weniger Fracht per Schiff an und viel weniger verlässt Frankfurt über den Wasserweg als sonst. Genaue Zahlen will aber niemand nennen.

Wie beurteilen denn die Unternehmen im Frankfurter Osthafen die Situation?

Zumindest für alle Unternehmen, die Ware per Schiff nach Rotterdam oder Antwerpen transportieren wollen, sei die Situation jetzt schon katastrophal, sagt Christian Eichmeier, Sprecher der Frankfurter Hafenanlieger und Geschäftsführer des Logistikunternehmens Contargo Rhein-Main, das ein Container-Terminal im Osthafen betreibt. Die Schifffahrt auf dem Mittelrhein sei ja quasi eingestellt. Bei einem Pegelstand von nur noch 32 Zentimetern in Kaub sei nicht zuletzt die Nautik sehr, sehr schwierig, es steige also das Risiko, berichtet Eichmeier im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau.

Im Frankfurter Osthafen ist dieser Tage weniger los als sonst. Ein Teil der Güter, die sonst verschifft werden, ist nun auf Schienen und Straßen unterwegs.
Im Frankfurter Osthafen ist dieser Tage weniger los als sonst. Ein Teil der Güter, die sonst verschifft werden, ist nun auf Schienen und Straßen unterwegs. © Renate Hoyer

Wie gelangen Chemikalien, Baustoffe oder Konsumgüter jetzt noch Richtung Nordsee und aus Nordwesten nach Frankfurt und in die Region?

Viel wird auf Straße und Schiene verlagert. Contargo etwa bietet, wie Eichmeier berichtet, den Kunden nun verstärkt den Transport per Bahn an und setzt auf den Einsatz von Lastwagen, die den Abschnitt Mittelrhein überbrücken. Die Container werden dabei erst ab oder nur bis Duisburg per Schiff transportiert.

Schon 2003 und 2018 war die Lage doch wegen Niedrigwassers im Rhein nach langen Trockenperioden schwierig. Wie lief es damals?

Im Jahr 2018 wurden letztendlich sogar etwas mehr Güter im Hafen umgeschlagen als im Jahr zuvor. Der Umschlag mit Binnenschiffen sank zwar um 6,5 Prozent. Dafür wurde viel mehr Ware per Zug transportiert.

Also alles nicht so schlimm?

Doch. Wenn etwa Container per Lastwagen statt mit einem Schiff oder wenigstens in einem Güterzug transportiert werden, führt das zu einer starken Zunahme des Straßenverkehrs. Und die Kosten steigen. Die tragen am Ende alle.

Was ist, wenn es in Folge des Klimawandels häufiger zu Niedrigwasser kommt?

Contargo setzt, wie Eichmeier berichtet, zunehmend auf Schiffe mit weniger Tiefgang. Der Contargo-Geschäftsführer hält zudem eine Rheinvertiefung für nötig.

Welche Branchen in Frankfurt sind besonders betroffen?

Etwa das Baugewerbe. Es ist darauf angewiesen, Sand und Kies geliefert zu bekommen und etwa mineralischen Bauabfall per Schiff entsorgen zu können. Nun komme es zu Lieferschwierigkeiten und die Kosten stiegen, berichtet der Verband baugewerblicher Unternehmen in Hessen auf FR-Anfrage.

Haben die Unternehmen im Chemiepark Höchst Probleme wegen des Niedrigwassers?

Zumindest die Betreibergesellschaft Infraserv Höchst zeigte sich Ende vergangener Woche noch relativ entspannt. Zwar organisiere ihre Tochter Infraserv Logistics die Abwicklung von jährlich etwa 1200 bis 1400 Schiffstransporten. Probleme wegen Niedrigwasser könnten aber durch die gute Anbindung an das Straßen- und Schienennetz kompensiert werden, heißt es. Infraserv Logistics weist zudem auf Lagerkapazitäten (auch Tanklager) hin, in denen Standortkunden einen Vorrat an wichtigen Roh- und Hilfsstoffen vorhalten und Fertigprodukte zwischenlagern können.

Was ist mit der Energieversorgung in Frankfurt?

Keine größeren Schwierigkeiten sieht zumindest der mehrheitlich städtische Energieversorger Mainova bisher. Die Kohle für das Heizkraftwerk West im Gutleutviertel etwa erhalte das Unternehmen derzeit ohnehin ausschließlich per Zug, heißt es. (Christoph Manus)

Umweltverbände fordern, in ganz Hessen den Wassernotstand auszurufen.

Auch interessant

Kommentare