Khan Salaudin bringt seinen Sohn in die Schule.
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Khan Salaudin bringt seinen Sohn in die Schule.

Schulbetrieb

Frankfurt: Grundschulen ohne Abstand

  • Friederike Meier
    vonFriederike Meier
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Seit Montag dürfen die Grundschulen in Frankfurt wieder öffnen. Schüler, Eltern und Lehrer betrachten den normalen Schulbetrieb mit gemischten Gefühlen.

Beim Anblick der langen Schlange vor ihrer Schule ruft eine Schülerin: „Oh, mein Gott, wir werden eine halbe Stunde brauchen.“ Tatsächlich zieht sich die Schlange von Schülerinnen und Schülern vor der Günderrode-Grundschule im Frankfurter Gallusviertel am Montagmorgen über den gesamten Pausenhof. Die Schüler warten mit mehr oder weniger großem Abstand. Wo sie sich hinstellen sollen, ist mit kleinen Hütchen abgesteckt.

Die Schule beginnt zwar offiziell um acht Uhr, allerdings hat die Schulleiterin die Eltern gebeten, die Kinder zwischen viertel vor acht und halb neun zu bringen, um ein Gedränge zu vermeiden. „Ihr macht das ausgezeichnet“, ruft ein Lehrer und weist die Kinder darauf hin, dass sie nach vorne schauen sollen, damit keine zu großen Lücken entstehen. Vor Betreten der Schule müssen die Schülerinnen und Schüler Masken aufsetzen. In den Klassenräumen dürfen sie diese wieder abnehmen, dort ist es dann auch nicht mehr möglich, Abstandsregeln einzuhalten.

Obwohl also vom gestrigen Montag an bis zu den Sommerferien wieder alle Kinder in die Grundschule dürfen, ist nicht einfach alles normal.

Ein Vater, der gerade seine Tochter zur Schule gebracht hat, hat gemischte Gefühle. „Ich finde es nicht gut, dass die Schule wieder anfängt“, sagt er. Manche würden gerade schon wieder zugemacht. Trotzdem sei seine Tochter, die die dritte Klasse besucht, hier: „Sie wollte unbedingt.“

An der Hellerhofschule, ein paar Hundert Meter weiter, stehen keine Hütchen auf dem Pausenhof, allerdings betreten die Schüler das Gebäude durch mehrere Eingänge. Khan Salaudin, der gerade seinen Sohn gebracht hat, findet die Öffnung gut. „Die Kinder waren lange zu Hause“, sagt er, „sie langweilen sich.“ Auch habe sein Sohn nicht verstanden, warum er vorher nur tageweise in die Schule gehen durfte.

„Ich habe zwiespältige Gefühle, auch Angst“, sagt hingegen Caroline Loser, die selbst im Gesundheitswesen arbeitet. „Aber meine Tochter freut sich so sehr.“ Sie passe auf und halte Abstand zu anderen. „Mir ist wichtig, dass sich alle an die Regeln halten“, sagt die Mutter.

Am Mittag berichtet Birgit Kron, die Schulleiterin der Günderrodeschule, über den ersten Tag im „normalen“ Schulbetrieb. Einige hätten die Möglichkeit genutzt, ihre Kinder trotzdem zu Hause zu behalten. Etwa 40 von 300 Kindern seien daheim geblieben, erzählt Kron. „Bei den Lehrern haben 3 von 18 gefehlt.“

Es sei schwierig, die vorgeschriebenen konstanten Lerngruppen sicherzustellen, sagt die Schulleiterin. An der Schule arbeiteten viele Teilzeitkräfte. Noch mehr Probleme gebe es, wenn Lehrerinnen und Lehrer krank würden. „Normalerweise teilen wir die Schüler auf andere Klassen auf, wenn es keinen Ersatz gibt. Das geht jetzt nicht.“

Die Pausen finden in der Günderrodeschule nun nach Jahrgängen getrennt statt, der Pausenhof ist in vier Bereiche aufgeteilt, je einer pro Klasse. Damit kein Streit aufkommt, welche Klasse in den Bereich mit den Klettergerüsten darf, haben die Lehrer sie komplett mit Flatterband abgesperrt. Wenn allerdings die Nachmittagsbetreuung (ESG) beginnt, dürfen alle wieder das Klettergerüst benutzen, das Flatterband wird abgenommen.

Die Schüler sind zwar im Gebäude nach Jahrgangsstufen getrennt, aber draußen können sie sich mischen. „Weil wir wissen, dass es nicht alle in Anspruch nehmen, konnten wir die Betreuung für alle öffnen“, sagt Sabine Dupke, die die ESG betreut. „Die Abstandsregel können wir aber nicht einhalten.“

Ute Sopha, Lehrerin an der Merianschule im Nordend, berichtet, dass gleich am ersten Tag ein Kind mit Schnupfen in die Schule gekommen sei. „Alle, die sich krankgemeldet haben, brauchen jetzt erst ein Attest vom Arzt, bevor sie wieder in die Schule dürfen“, erzählt sie. Für die Zeit nach den Ferien wünscht sie sich gute Pläne für den Unterricht. „Vielleicht auch kreativere, als alle in einen Raum zu setzen und abzuwarten, ob jemandCorona bekommt.“

Und was sagen die Schülerinnen und Schüler selbst? „Es ist schlecht, dass ich mit meinen Freunden aus der anderen Klasse nicht spielen darf“, meint Nermin, als er mittags aus der Günderrodeschule kommt. Außerdem nervt es den Grundschüler, dass er die Maske auf dem Gang tragen muss.

Über den knapp bemessenen Platz auf dem Pausenhof ärgert sich auch sein Mitschüler Angelo, der in die zweite Klasse geht. Ansonsten ist er aber zufrieden. „Es war echt gut.“

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