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Die Frankfurter Initiative Grüne Lunge kämpft um den Erhalt von Kleingärten am Günthersburgpark. 

Nordend

Frankfurt: „Grüne Lunge“ will kämpfen

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Die Bürgerinitiative hofft auf den Erhalt der Kleingärten am Günthersburgpark und hat große Pläne für das neue Jahr.

Mit Stockbrot und Glühwein startet die „Grüne Lunge“ ins neue Jahr. Am Sonntagnachmittag haben sich rund 30 Mitglieder und Sympathisanten der Bürgerinitiative (BI) auf der Wiese vor einer Holzhütte am Kleingartenweg oberhalb des Günthersburgparks eingefunden. Ein Lagerfeuer lodert an einer Feuerstelle der Parzelle vor sich hin. Die Leute stehen in Kleingruppen zusammen und unterhalten sich. Kinder springen durch den Kleingarten, den die Umweltschützer wie die übrigen Grundstücke ringsherum bewahren wollen.

Peter Beckmann, der zweite Vorsitzende des Vereins, zeigt auf ein Hochhaus, das hinter der Kleingartenanlage emporragt. 14 Etagen habe es, das Bürogebäude, auf dem noch das Logo der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft als ehemaligem Nutzer prangt. „Seit zwei Jahren steht es leer“, berichtet Beckmann. Statt die Kleingartengrundstücke der „Grünen Lunge“ in Bauland umzuwandeln, so schlägt der 50-Jährige vor, sollten in dem Bürohaus Wohnungen geschaffen werden. „Dann müssten nicht 2000 Bäume fallen, durch die kalte Luft aus der Wetterau in die Stadt strömt“, sagt er.

Im Gegensatz zu seinem Mitstreiter, dem ersten Vorsitzenden der Grünen Lunge, Folkhart Funk, glaubt Beckmann nicht, dass die Stadt in diesem Jahr einen Bebauungsplan für das Areal, auf dem die Kleingärten liegen, veröffentlichen werde. „97 Prozent der Bäume sind heute krank, und Frankfurt war 2019 die wärmste Stadt Deutschlands“, sagt Beckmann. Da sei eine Bebauung nicht durchsetzbar.

Ausflüge geplant

Funk rechnet dagegen im Frühjahr mit der Veröffentlichung des Bebauungsplans. Darauf solle sich die BI vorbereiten, findet der 70-Jährige. Weitere Treffen und Aktivitäten des Vereins, der seit fünf Jahren besteht, werde es so oder so geben. Die rund 60 Vereinsmitglieder wollen sich aber auch weiter vernetzen. „Als Bürgerinitiative sind wir nicht nur am Erhalt dieses Geländes interessiert“, sagt Funk. Mit den Aktivisten von Greenpeace wollen sie am 31. Januar den Friedberger Platz blockieren, um auf die Problematik des Kraftfahrzeugverkehrs aufmerksam zu machen.

Ausflüge soll es zum „Inheidener Wasserfördergebiet“ bei Hungen im Vogelsberg sowie zu einem solidarischen Landwirtschaftsbetrieb in Wetzlar geben. Per Pedale wollen sie zu den Weilbacher Kiesgruben strampeln. Gudrun Jung von der Bürgerinitiative möchte Kurse im Sensen anbieten. Weil elektrische Rasenmäher viele Insekten töteten, sei dies die schonendere, „spielerische und meditative“ Art des Grasstutzens.

Peter Beckmann zeigt ein neues Transparent der Gruppe, das an einer Wand der Holzhütte hängt: „Gestern war Versiegeln, heute ist Grüne Lunge“ ist darauf zu lesen. Er sagt: „Wir wollen weiter auf Bodenversiegelung hinweisen.“ Neben „Sonntagsspaziergängen, bei denen „die Bevölkerung aufgeklärt“ werden solle, seien im Juni Fledermaus-Führungen geplant. Sechs bis sieben Gärten würden außerdem den „Gemüsehelden“ zur Verfügung gestellt, bei denen jeder selbst Gemüse anbauen könne. Dies dürfe dann jeder Besucher ernten.

Von Clemens Dörrenberg

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