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Sebastian Popp. 

Kultur

Frankfurt: Grüne halten Bühnen-Neubau in Wallanlagen für möglich

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Grünen-Fraktionschef Sebastian Popp kann sich beim Bühnen-Neubau einen Eingriff in die Wallanlagen vorstellen, wie er im Interview sagt.

Die CDU im Römer hat sich auf einen Neubau der Städtischen Bühnen am Osthafen festgelegt, die SPD will eine Sparte am Willy-Brandt-Platz halten und die andere in der Innenstadt ansiedeln. Was ist die Position der Grünen? Das erklärt der Fraktionsvorsitzende Sebastian Popp.

Herr Popp, legen sich die Grünen auf einen Verbleib der Bühnen am Willy-Brandt-Platz fest oder ist ein Standort in den Wallanlagen denkbar?

Unsere Position lautet seit der Machbarkeitsstudie vor zwei Jahren: Die Städtischen Bühnen sollen am Willy-Brandt-Platz bleiben. Wenn die Kulturdezernentin zu uns in die Fraktion kommt und die Optionen vorstellt, können wir mit der Bewertung beginnen. Wobei wir sicher noch Fragen hinsichtlich der Standorte haben werden.

Sind die Grünen für einen Neubau oder die Sanierung?

Ich finde es sehr bedauerlich, dass eine Sanierung der Städtischen Bühnen, an denen ich persönlich sehr hänge und mit denen ich gute Erfahrungen verbinde, keinen Sinn hat. Es ist ein bauhistorisch besonderes Gebäude. Aber man kann ja niemandem erklären, dass strukturelle Probleme, die das Gebäude auch nach einer Sanierung hätte, selbst mit sehr viel Geld nicht zu lösen wären.

Können Sie sich vorstellen, dass ein Teil der Bühnen am Willy-Brandt-Platz bleibt und eine Sparte in die Innenstadt kommt, so wie es Ina Hartwig vorschlägt?

Sind die Standorte schon geprüft? Sind sie finanzierbar? Diese Fragen sind noch offen.

Zumindest wurden einige Standorte genannt: Planungsdezernent Mike Josef hält die Fläche auf der anderen Seite des Willy-Brandt-Platzes, wo die Euro-Skulptur steht, für denkbar. Studenten haben einen Standort auf dem Opernplatz untersucht. Der Kulturcampus und der Osthafen sind im Gespräch.

Die Fläche auf dem Kulturcampus neben dem Bockenheimer Depot kann man nur einmal bebauen, mit einer Bühnensparte oder dem Zentrum der Künste. Ohne die Fläche, auf welcher sich die denkmalgeschützte Universitätsbibliothek von Ferdinand Kramer befindet, geht es nicht. Und die neue Unibibliothek muss erst noch gebaut werden. Würde dort geplant, verzögerte sich das Projekt um zehn Jahre.

In einer aktuellen Ausstellung im Architekturmuseum zum Interim für die Oper wurde von dem Kramer-Bau abstrahiert.

Das ist die Freiheit der großen Entwürfe. Ich finde es gut, wenn die unterschiedlichsten Ideen im Raum stehen, man muss halt schauen, was realistisch ist.

Die Grünen halten also am Willy-Brandt-Platz fest?

So ist die Beschlusslage. Wobei ein interpretatorischer Spielraum besteht, ob die Seite gegenüber der Städtischen Bühnen noch zum Willy-Brandt-Platz zählt. Ich würde sagen: ja.

Ihr Parteifreund Olaf Cunitz hat Sie in der Frankfurter Rundschau dafür kritisiert, dass Sie und Bernd Messinger in ihrem Positionspapier darüber nachgedacht haben, für den Bühnenneubau, wenn auch mit Flächenausgleich, in die Wallanlagen einzugreifen.

Ich kann mir einen Eingriff in die Wallanlagen nur dann vorstellen, wenn es in der Qualität und der Fläche zu einem Ausgleich oder sogar zu einer Steigerung kommt. Es geht nun wirklich nicht darum, die Wallanlagen für jedwede Bebauung freizugeben.

Finden Sie die Variante reizvoll, nach der die Oper an der Euro-Skulptur neu gebaut wird und die Grünfläche, die dann frei würde, wieder Teil der Wallanlagen wird?

Das wäre eine Möglichkeit. Oder das Theater. Wir wollen das in Ruhe besprechen und nicht hektisch, mitten in den Haushaltsberatungen, ein Papier rausfeuern, wie die CDU es getan hat.

Zur Person

Der KulturpolitikerSebastian Popp (Grüne) ist 55 Jahre alt. Er führt seit knapp einem Jahr gemeinsam mit Jessica Purkhardt die Fraktion der Grünen im Römer. 

Die Zeit der Leuchtturmprojekte wie in Bilbao, so steht es in ihrem Positionspapier, sei möglicherweise passé. Wollen die Grünen kein Leuchtturmprojekt für die Bühnen?

Natürlich wollen wir eine anspruchsvolle Architektur. Es ist zwingend notwendig, einen Architekturwettbewerb zu veranstalten. Die CDU hat die Vision, die Standortnachteile des Raab-Karcher-Geländes durch ein besonders spektakuläres Gebäude auszugleichen. Da muss man mal gucken.

Das Raab-Karcher-Gelände als Standort schließen die Grünen aus?

Es ist nicht das, was wir wollen.

Baudezernent Jan Schneider schlägt vor, einen Bühnenbeirat mit Experten einzuberufen. Was halten Sie davon?

Nix.

Unterstützen Sie die Bürgerstiftung Neue Oper, die Spenden für eine neue Oper sammeln will?

Bürgerschaftliches Engagement werden wir bei einem so riesigen Projekt auf jeden Fall brauchen. Wir treffen uns dieser Tage mit den Vertretern der Bürgerstiftung, um über das Projekt zu sprechen.

Die Debatte um eine Rekonstruktion des Schauspielhauses ist abgeschlossen?

Ich wüsste nicht, wer, mit Ausnahme der Initiative, für eine Rekonstruktion ist. Das war nie eine wirkliche Debatte.

Der Kulturausschuss hat zahlreiche Opernhäuser besucht, unter anderem in Oslo und Kopenhagen. Wie soll ihrer Meinung nach der Neubau in Frankfurt aussehen?

Uns ist wichtig, dass es belebte Orte werden, in welche die Öffentlichkeit auch ohne Ticket Zutritt hat. Es sollen transparente, offene Gebäude sein. In Kopenhagen gibt es ein offenes Foyer, in dem Menschen Yoga machen oder tanzen, man kann in die Werkstätten hineinsehen. Das fänden wir wichtig.

Was muss mit dem Willy-Brandt-Platz geschehen?

Es besteht die große Chance, aus dieser Straßenbahnverbindung, einem der zugigsten Orte in der Stadt, einen wirklichen Platz zu machen. Die Aufenthaltsqualität ist dort zu gering, darüber sind sich alle einig.

Wird es vor den Kommunalwahlen im März 2021 noch zu einem Richtungsbeschluss der Stadtverordneten kommen?

Ich glaube schon, dass es zu einer Entscheidung mit Blick auf Sanierung – ja oder nein – kommt. Aber die Positionierung der CDU, den Willy-Brandt-Platz komplett aufgeben zu wollen, hat es nicht leichter gemacht.

Interview: Claus-Jürgen Göpfert und Florian Leclerc

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