Ballett hat keinen festen Platz mehr in den Städtischen Bühnen. Das wollen die Grünen ändern.
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Ballett hat keinen festen Platz mehr in den Städtischen Bühnen. Das wollen die Grünen ändern.

Städtische Bühnen

Grüne fordern Tanz-Sparte

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Grünen-Fraktionschef Sebastian Popp fordert im Intreview die Schaffung einer selbstständigen Sparte bei den Städtischen Bühnen in Frankfurt.

Mit der Debatte um den beschlossenen Neubau der Städtischen Bühnen in Frankfurt kommt auch die Zukunft des Tanzes in den Fokus. Mit der Saison 2004/2005 war die Sparte Ballett der Bühnen eingespart worden, obwohl das Ensemble mit William Forsythe an der Spitze Weltgeltung besaß. Die Grünen im Römer wollen mit dem Neubau der Bühnen auch wieder eine städtische Sparte Tanz, wie Fraktionschef Sebastian Popp im Interview erklärt.

Herr Popp, am 6. September 2002 hat die Frankfurter Stadtregierung beschlossen, dass es ab der Spielzeit 2004/2005 keine eigenständige Sparte Ballett mehr bei den Städtischen Bühnen geben sollte. Auch die Grünen, die seinerzeit Teil der Römer-Koalition mit CDU, SPD und FDP waren, stimmten damals zu.

Ich fürchte, das ist richtig. In der Stadt ging es damals hoch her wegen dieses Beschlusses. Die Stadt hatte sich bundesweit blamiert.

Sie waren nicht beteiligt an diesem Beschluss. Es ging darum, die Kosten eines eigenständigen Balletts in Höhe von 6,5 Millionen Euro im Jahr einzusparen.

Ich gehörte damals nicht dem Stadtparlament an. Ich habe also eine weiße Weste.

18 Jahre später fordern die Grünen nun, dass über eine eigenständige Sparte Tanz an den Städtischen Bühnen nachgedacht werden soll.

Das ist richtig. Wir treten an, um den kulturpolitischen Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Wir wollen, dass beim beschlossenen Neubau der Städtischen Bühnen eine eigenständige Sparte Tanz berücksichtigt werden soll.

Die Sparte Ballett mit dem Intendanten William Forsythe in Frankfurt besaß früher eine weltweite Ausstrahlung. Die Kritiker reisten von weit her an, um die Aufführungen zu sehen.

Das ist richtig. Forsythe und seine Kompanie gehörten damals zu den wichtigsten Ensembles des europäischen Tanztheaters. Ich will aber auch daran erinnern, dass der große John Neumeier einmal Intendant des Frankfurter Balletts war, von 1969 bis 1973. Er hat damals mit seinen Inszenierungen große Aufmerksamkeit gefunden. Danach ging er nach Hamburg, wo er heute noch arbeitet. Heute besitzt Frankfurt eine reichhaltige und sehr lebendige freie Tanzszene. Und doch gibt es da nach meiner Meinung eine Lücke, die mit einer städtischen Tanzsparte wieder geschlossen werden sollte.

Bundesweit steht es nicht so schlecht um den professionellen Tanz.

Ich habe mir noch einmal die Situation angeschaut. Es gibt 60 professionelle Tanzensembles bundesweit, dazu etwa 1000 freie Gruppen. Insgesamt sind das etwa 10 000 professionelle Akteure. In den Bereich Tanz fließen jährlich etwa 100 Millionen Euro, davon kommen aber nur zehn Millionen Euro der freien Szene zugute. Das ist, zum Beispiel im Vergleich zur bundesweiten Opernförderung, bundesweit noch ausbaufähig.

Sebastian Popp

Sie sprechen ein zentrales Thema an, die Finanzierung einer eigenständigen Tanzsparte der Städtischen Bühnen. Als Sie vor einiger Zeit in der FR zum ersten Mal diese Perspektive entwarfen, wurde sofort gefragt, wie Sie das finanzieren wollen.

Das ist verständlich, weil ja auch die finanzielle Situation der Stadt nicht rosig ist und sich wegen der Corona-Pandemie gerade weiter verschlechtert. Wir werden nach den Sommerferien in der Römer-Koalition eine große Debatte über das Sparen haben. Deshalb sage ich: Der größere Teil einer neuen Tanzsparte sollte durch Umschichtung des vorhandenen Etats der Städtischen Bühnen GmbH geschaffen werden. Wir hoffen ja alle, dass durch die Bühnenbauten auch strukturelle Verbesserungen möglich werden, die in der Folge auch Ressourcen freisetzen.

Das würde bedeuten, Sie müssten Oper und Schauspiel Geld wegnehmen, die ja ohnehin in einer angespannten finanziellen Situation sind.

Das muss nicht zwangsläufig so sein. Die Stadt muss energisch darauf dringen, dass sich das Land Hessen endlich an der Städtischen Bühnen GmbH beteiligt. Es muss Schluss sein damit, dass Menschen aus ganz Hessen Oper und Schauspiel besuchen und sich das Land einfach nicht an diesem landesweiten Angebot beteiligt.

Welche Investitionen würde eine neue eigenständige Sparte Ballett mit sich bringen?

Wir brauchen ein Ensemble mit 20 bis 25 Mitgliedern, wie es etwa in Wiesbaden und Darmstadt an den Staatstheatern existiert. Und wir benötigen natürlich einen Tanzsaal im Neubau der Städtischen Bühnen. Wir brauchen kein eigenständiges Haus für das Ballett, es kann auf den Bühnen von Oper und Schauspiel auftreten.

Nach der Abschaffung der eigenständigen Sparte Ballett unterstützt die Stadt derzeit die private Dresden Frankfurt Dance Company, die abwechselnd in beiden Städten auftritt. Soll dieses Engagement fortgesetzt werden?

Ich wünsche mir eine breite Debatte über die Zukunft des Tanzes in Frankfurt. Die möchte ich anstoßen. Dazu gehört auch, dass wir einen festen Ort für die freie Tanzszene brauchen, ein Tanzhaus Frankfurt. Diese Forderung der freien Szene unterstützen die Grünen. Es geht uns darum, den Tanz in Frankfurt wieder nach vorne zu bringen. Er hat nach der Abschaffung der eigenständigen Tanzsparte ohne Frage an Bedeutung und Gewicht verloren.

Sie bringen dieses Thema jetzt in die Römer-Koalition mit CDU und SPD ein?

Das wird ein Thema werden für die Koalitionsverhandlungen nach der Kommunalwahl im März 2021.

Sebastian Popp (56) steht seit 2019 gemeinsam mit Jessica Purkhardt an der Spitze der Fraktion der Grünen im Römer. Er war von 1989 bis 1993 schon einmal Stadtverordneter. Popp ist Filmproduzent und Vorsitzender der Vereinigung der Hessischen Filmwirtschaft. In der Römer-Fraktion der Grünen ist er auch kulturpolitischer Sprecher.

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