Die Flüchtlingsunterkunft am Alten Flugplatz. 
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Die Flüchtlingsunterkunft am Alten Flugplatz. 

Unterbringung

Großunterkünfte für Flüchtlinge erschweren Kontakte

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Sie sind nicht nur ein Problem in Corona-Zeiten, sondern behindern auch die Integration von Flüchtlingen: Große Gemeinschaftsunterkünfte stehen immer wieder in der Kritik.

Zuletzt standen sie wegen erhöhter Infektionsgefahr in Zeiten der Corona-Pandemie im Fokus: große Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge. Auch die Stadt Frankfurt bringt viele Asylsuchende in Großeinrichtungen unter, etwa am Alten Flugplatz in Bonames oder an der Ludwig-Landmann-Straße in Bockenheim. Dass solche Großunterkünfte die Integration von Geflüchteten mehr behinderten als verbesserten, kritisieren Hilfsorganisationen schon lange.

„Dadurch, dass wir die Leute so unterbringen, schaffen wir eine soziale Situation, die von Enge und Konflikten geprägt ist“, sagt etwa Timmo Scherenberg, vom hessischen Flüchtlingsrat. Die Bewohnerinnen und Bewohner großer Unterkünfte müssten für viele Belange des Alltags bei den Sozialarbeitern der Betreiber vorsprechen und kämen kaum in Kontakt mit der sonstigen Stadtbevölkerung, so Scherenberg. Dies komme einer „Erziehung zur Unmündigkeit“ gleich.

Gerade der Erwerb der deutschen Sprache werde neu ankommenden Flüchtlingen erschwert, wenn sie vor allem von Menschen umgeben seien, die ebenfalls kein Deutsch sprächen, so Scherenberg. „Diese Großunterkünfte sind eigentlich das Dümmste, was man machen kann“. Es sei klar, dass der Wohnungsmarkt in Frankfurt problematisch sei, gleichzeitig gäben andere Städte wie beispielsweise Potsdam sich mehr Mühe, Geflüchtete in Wohnungen unterzubringen.

Für Merve Ayyildiz, Stadtverordnete der Linkspartei, „verhindern“ Sammelunterkünfte sogar die Inklusion geflüchteter Menschen. Sie lebten in Abhängigkeit von den Betreibern und könnten „kein selbstbestimmtes Leben“ führen, so Ayyildiz. Da derartige Unterkünfte oft am Stadtrand lägen, werde Integration zusätzlich erschwert. „Man lässt die Menschen feststecken und gibt ihnen keine Möglichkeit rauszukommen, von den Zuständen vor Ort ganz zu schweigen.“

Robert Standhaft, der Büroleiter von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), sagt dazu auf Anfrage der Frankfurter Rundschau, dass der Hauptgrund für die Sammelunterkünfte der fehlende günstige Wohnraum in Frankfurt sei. Die Stadt bemühe sich bereits, Asylsuchende eher in kleineren Wohneinheiten unterzubringen, so Standhaft. Derzeit versorge die Stadt 4291 Asylsuchende, anerkannte Flüchtlinge und Geduldete mit Wohnraum, davon 395 in zwischengenutzten Wohnungen, 612 in Hotels, 314 in Notunterkünften und 2970 in Übergangsunterkünften.

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