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Dom Frankfurt
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Die Glocke „Gloriosa“ im Kaiserdom ist die schwerste, die beim Stadtgeläut in Frankfurt zum Einsatz kommt.

Tradition

Großes Stadtgeläut in Frankfurt ‒ verspätet und im Radio, aber gemütlich

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Das Große Stadtgeläut in Frankfurt - diesmal nur im Radio. Es kommt mit Verspätung, aber es kommt. Ein Liveticker. 

Na, frohe Weihnachten, Frankfurt!

Meine Damen und Herren, wir übertragen das Große Frankfurter Stadtgeläut – live! Oder jedenfalls fast. So live, wie eine Tageszeitung eben übertragen kann. Mit Internet! 

Heiligabend, 16.28 Uhr. Gleich geht’s lohos! Stand so in der amtlich-städtischen Pressemittelung. Und bitte. 

16.30 Uhr. „So klingt Weihnachten auf Radio Frankfurt!“ Aha. Aber … die Musik kennen wir doch. Das ist nicht das Große Frankfurter Stadtgeläut. Das ist „We Are The World“ von Michael Jackson, Lionel Richie und ungefähr 700 weiteren Sängerinnen und Sängern aus dem Jahr 1985. Auch kein schlechter Song. Sehr karitativ, damals für Hungernde in Afrika eingesungen. Aber eben nicht das Große Stadtgeläut. 

Seit November war klar, dass es diesmal draußen nichts zu hören geben würde. Corona möchte das nicht. Corona möchte nicht, dass wir uns versammeln und Spaß zusammen haben oder Andacht. Also gab die Stadt bekannt: Es läutet nur online. Vor ein paar Tagen dann: Es läutet um 16.30 Uhr. Online und im Radio – auf Radio Frankfurt. 

Normalerweise läutet es allerdings Heiligabend um 17 Uhr. Draußen. Steht auch so auf der Internetseite der Dompfarrei St. Bartholomäus: 17 Uhr Start auf frankfurt.de und Facebook. Wieso läutet es also laut städtischen Angaben im Radio und online schon um 16.30 Uhr? Panischer Anruf bei Radio Frankfurt am Tag vor Heiligabend – man will ja nicht die falsche Anfangszeit in der Zeitung stehen haben. Radio Frankfurt: „Nein, 16.30 Uhr ist richtig.“ Dann ist ja gut. 

Heiligabend also, 16.30 Uhr, Radio Frankfurt, UKW 95,1: „We are the world. We are the children. We are the ones who make a brighter day, so let‘s start giving.“ Danke. Vielen Dank. Auf frankfurt.de und auf Facebook ist auch nix. Da könnte man das Stadtgeläut allerdings selbst starten. Aber ist das dasselbe? Das ist doch nicht dasselbe! Man möchte das Große Stadtgeläut doch gemeinsam genießen. Also jedenfalls gefühlt. Wenn schon nicht mit einem Glas Sekt oder einer Tasse Glühwein vor dem Bertl auf dem Römer (oder mit beidem), dann doch wenigstens alle gemeinsam im Radio. Oder? 

16.35 Uhr. „Liebe Frankfurterinnen und Frankfurter!“ Jetzt! Jetzt! „Die Stadt Frankfurt und Radio Frankfurt wollen gemeinsam den Heiligen Abend einläuten.“ Das ist doch Uwe Becker! „Vor allem: Bleiben Sie gesund – Ihr Uwe Becker, Bürgermeister der Stadt Frankfurt am Main.“ 

16.36 Uhr. „Dong.“ Danke, Uwe Becker. Besser zu spät als gar nicht.  

16.37 Uhr. „Dong Dong.“ Klingt wie auf der CD. „Deng! Deng! Boum!“ Ist ja auch die CD. Nur halt im Radio.  

16.39 Uhr. „Kadeng!“ Gut, dass Corona nicht schon beim ersten Geläut aller Frankfurter Glocken anno 1347 beim Begräbnis des Kaisers Ludwig IV zugegen war; damals wäre eine Livesendung im Rundfunk nicht so leicht geworden. Und die Übertragungsraten im Internet sollen unterirdisch gewesen sein. Später bimmelte es bei allen Krönungen und ab Mai 1856 zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten. 

16.44 Uhr. Jetzt sind die Kleinen an der Reihe. „Ping! Ping! Piling!“ 

16.46 Uhr. Stadtgeläut. Zehn Kirchen. 50 Glocken. Die schwerste: Gloriosa im Kaiserdom, 11.950 Kilogramm. Alle Stadtgeläutglocken zusammen wiegen 64.804 Kilogramm. Und damit von den Kilogramm wieder zurück zu den Kilohertz ins UKW-Radio. 

16.49 Uhr. „Dongdengkazengpingbawumm!“ Absolute Glocken-Eskalation. Besser als jedes Feuerwerk. Wer braucht da noch Böller?  

16.52 Uhr. Ah! Oh! Sinfonisch. 

16.54 Uhr. „Dengel, dongel. Frohe Weihnachten Frankfurt! Sie hören das Grooooße Frankfurter Stadtgeläut auf Radio Frankfurt!“ 

16.55 Uhr. Aber ein bisschen ist es auch wie der Sound in einer Großraumschmiede des frühen 13. Jahrhunderts mit 70 festangestellten Schmiedemeistern. Jedenfalls im Mono-Radio. Falls es im frühen 13. Jahrhundert schon Großraumschmieden gab.  

16.57 Uhr. „Doouuung.“ Jetzt übernehmen wieder die Großglockerten. Jetzt wird’s wieder etwas gemütlicher.   

16.58 Uhr. Nur noch vereinzelte Glockenschläge. Die Kräfte schwinden merklich. Der Unparteiische schaut schon auf die Uhr. 

16.59 Uhr. Wird er etwas nachspielen lassen? 

17 Uhr. Nein. „Radio Frankfurt – die Nachrichten. Alles, was jetzt wichtig ist!“ 

17.02 Uhr. Als ob es jetzt etwas Wichtigeres gäbe als Weihnachten. 

17.11 Uhr. Man hätte wenigstens „Hell’s Bells“ spielen können um halb fünf statt „We Are The World“. Aber vielleicht hatte jemand was dagegen. Ganz oben. 

17.17 Uhr. Eigentlich kann man sich das Stadtgeläut jeden Tag anhören, wenn man weiß, wo. Psst: auf frankfurt.de. Frohe Weihnachten! (Thomas Stillbauer)

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