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Frankfurt: Große Ziele im Schach und Kickboxen

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Schon in jungen Jahren absolut top in ihren Sportarten: Schachspieler Roman (links) und Kickboxer Daniel.
Schon in jungen Jahren absolut top in ihren Sportarten: Schachspieler Roman (links) und Kickboxer Daniel. © Monika Müller

Roman und Daniel aus der Ukraine haben bei der TuS Makkabi eine neue sportliche Heimat gefunden. Der Verein lässt rund 50 ukrainische Kinder kostenlos in verschiedenen Sportarten trainieren.

Die Sportarten, die Roman und Daniel ausüben, könnten unterschiedlicher nicht sein. Roman, zehn Jahre alt, spielt Schach und versucht, seinen Gegner mit klugen Strategien auszutricksen, indem er Figuren auf einem Brett hin- und herschiebt. Daniel, acht Jahre alt, muss zwar auch strategisch denken, aber er muss seine Füße und Hände einsetzen und den Gegner mit Körpertreffern bezwingen. Er ist Kickboxer und ist vor zwei Wochen Deutscher Meister in Arnsberg nach Version der WTKA in seiner Altersklasse geworden. Außerdem wurde er Zweiter bei den unter Zwölfjährigen bei der Europameisterschaft am selben Wochenende.

Kein Mitgliedsbeitrag

Roman und Daniel eint, dass sie seit wenigen Monaten für den TuS Makkabi Frankfurt an den Start gehen. Und beide Jungen sind mit ihrer Familie aus der Ukraine nach Deutschland geflohen. „Wir haben rund 50 Kinder in verschiedenen Altersklassen und Sportarten“, berichtet Boris Schulman, Schriftführer und Vorstandsmitglied von Makkabi.

Alle Kinder und auch knapp zehn Erwachsene, die Sport im Verein machen, müssen keinen Mitgliedsbeitrag zahlen und sind mit Trainingsanzügen ausgestattet worden. Mit Ausbruch des russischen Angriffskriegs hat sich der TuS Makkabi sehr stark für Geflüchtete engagiert. Hunderte Menschen bekamen dank Schulman und Verein eine sichere Bleibe in Frankfurt. Die Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau würdigte das Engagement des Vereins im Frühjahr mit einer Sonderförderung von 3500 Euro.

Kampfsport mit sechs

Im Sommer hat der Verein ein großes Kennenlerntreffen organisiert, woraufhin sich viele angemeldet haben. Roman kam erst etwas später dazu, weil er bis August noch in der Nähe von Heilbronn mit seiner Mutter Bogdana und der älteren Schwester gewohnt hatte, ehe seine Mutter einen Job in Frankfurt fand. Der Vater ist in der Heimat. Ihm geht es den Umständen entsprechend gut.

„Meine Mutter hat für mich einen Schachklub gesucht“, erzählt Roman. Der Abteilungsleiter empfahl ihr den TuS Makkabi, wo der Zehnjährige sich auch mit Erwachsenen misst, weil er so gut ist. Einmal pro Woche übt er mit ihnen, dreimal pro Woche spielt er im Internet mit Mitgliedern seines Schachklubs in Kiew und seinem Trainer.

„Manchmal gibt es aber auch keinen Unterricht, weil es keinen Strom gibt bei meinem Trainer“, erzählt Roman über die Kriegsrealität.

Zum Schach ist er im Alter von vier Jahren gekommen. „Ich habe die Figuren kaputt gemacht und rumgeworfen“, erzählt Roman. Das Schachspielen mit dem Vater hat ihn als Vierjährigen zu sehr frustriert. Sein Vater blieb geduldig, klebte die Figuren wieder zusammen. Zwei Jahre später wurde er vom Filius geschlagen, der sich in der Zwischenzeit Strategien in einem Schachklub angeeignet hatte.

Ihm ist es auch leichtgefallen, Deutsch zu lernen, das er fast akzentfrei spricht. Seine Mutter hat das erkannt und für ihn eine reguläre Schule in Frankfurt gesucht. Die Liebigschule war die einzige, die ihm die Erlaubnis erteilte, direkt im Gymnasium einzusteigen. „Für junge Kinder ist es einfacher, für meine ältere Tochter ist es schwerer, weil sie ihre Freundinnen vermisst. Die Verbindungen sind stärker“, sagt Mutter Bogdana. Ihrem Sohn falle das in seiner kindlichen Unbekümmertheit zum Glück leicht.

Daniel besucht indes eine Intensivklasse in Bad Homburg und spricht noch kaum Deutsch. Sein Vater Ruven ist beim Gespräch dabei. Boris Schulman hilft beim Übersetzen. Daniel hat mit sechs Jahren mit dem Kampfsport in seiner Heimatstadt Odessa begonnen, Vater Ruven war selbst lange Jahre Boxer. Er ist Deutschland sehr dankbar für die Aufnahme von so vielen Ukrainerinnen und Ukrainern. Mehr möchte er zu seiner persönlichen Situation nicht erzählen.

„Viele ukrainische Eltern sind sehr ehrgeizig“, berichtet Schulman. Das merkt man auch Vater Ruven an, der seinen Sohn nicht nur zweimal zum Training bei der TuS Makkabi schickt, sondern auch an drei Tagen in andere Gyms, er probiert sich in Grappling und anderen Kampfsportarten aus. Ein Pensum, das er gewohnt ist.

In Odessa war Daniel auch Leichtathletikmeister, hat die Kampfsportart Sambo ausprobiert und war beim Schwimmen und Fußball. „Meine Vorbilder sind die Boxer Mike Tyson und Floyd Mayweather“, sagt Daniel.

Bei dem TuS Makkabi gefällt ihm alles gut, er hat auch ein paar Freunde gefunden. Nur das Niveau ist nicht so hoch, wie er das aus der Ukraine gewohnt ist. Neben der Schule und dem Sport besucht Daniel noch die jüdische Schule in Bad Homburg und bekommt von seiner Schule in Odessa Hausaufgaben zugeschickt.

Auch Roman nimmt noch etwas Ukrainischunterricht. Ab und zu, ein- oder zweimal die Woche gebe es einen Lehrer oder eine Lehrerin, die online gehen könnten, um den Kindern ein paar Aufgaben zu geben, erzählt Mutter Bogdana. Schließlich weiß niemand, wann und wie schnell eine Rückkehr in die Heimat möglich ist. „Sie sind in einem schwebenden Zustand. Deswegen besuchen sie die deutsche Schule und die ukrainische Schule parallel“, sagt Schulman.

Viel Potenzial

Er steht in Kontakt zu vielen Geflüchteten, die noch in Hotels wohnen, die einst auch dank seiner Vermittlung nach Deutschland gekommen sind. „Wir wollen ein eigenes Programm für diejenigen auflegen, damit sie zwei- oder dreimal die Woche zu uns kommen“, sagt Schulman. Wenn mehrere Leute über Monate in einem Zimmer wohnten, falle ihnen irgendwann die Decke auf den Kopf. „Wir freuen uns, wenn wir Leuten helfen können und die nun Teil unserer schönen Makkabi-Familie werden“, freut sich Schulman. Durch die Ukrainerinnen und Ukrainer habe man ganz viel Potenzial bekommen, sei es menschlich, sportlich oder in Form von Arbeitskräften. „Es geht für die Gesellschaft darum, das zu fördern. Die Ukrainerinnen und Ukrainer wollen das“, sagt Schulman.

Roman und Daniel wollen in ihrem Sport erfolgreich sein. Roman strebt irgendwann an, Großmeister zu werden. Daniel will irgendwann Profi werden. Ob Boxen oder Kickboxen – das will er später entscheiden.

Daniel ist vor kurzem deutscher Kickboxmeister geworden.
Daniel ist vor kurzem deutscher Kickboxmeister geworden. © TuS Makkabi

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