Conti, jetzt gibt’s contra! IG Metall und IG BCE riefen zur Demo in Frankfurt auf. Auch aus Aachen rollten Beschäftigte  in Bussen an
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Conti, jetzt gibt’s contra! IG Metall und IG BCE riefen zur Demo in Frankfurt auf. Auch aus Aachen rollten Beschäftigte in Bussen an.

Arbeitsplätze

Großdemo gegen Stellenabbau bei Conti

  • vonMichael Löffler
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1500 Beschäftigte des Autozulieferers Conti haben vor der Frankfurter Börse gegen die geplante Schließung von Werken protestiert.

Rund 1500 Continental-Mitarbeiter haben am Mittwoch in Frankfurt gegen die geplante Schließung von Werken demonstriert. Das sind zahlenmäßig rund ein Zehntel der Menschen, die in Deutschland beim Autozulieferer den Job verlieren sollen. „Weltweit betrifft es 30 000 Arbeitnehmer, bundesweit rund die Hälfte. Eine Schweinerei“, erklärte bei der Begrüßung Ralf Erkens, Betriebsleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie Bezirk Rhein-Main.

Die Demonstration verlief friedlich, Polizei war auch nur sporadisch anwesend. „Bei Demonstrationen der IG Metall gibt es keine Krawalle“, meinte dazu eine Polizistin. Die Veranstalter appellierten ständig an die Teilnehmer, Abstände zu wahren und ihre Masken anzubehalten. Was durchweg befolgt wurde.

In der zweistündigen Veranstaltung gab es viele kämpferische Aussagen: „Eine gute Veranstaltung. Wer nicht kämpft, hat schon verloren“, sagte Marcel Krems, (35), Betriebsrat in Schwalbach. Es sei gut, dass sich viele Politiker als Unterstützer eingefunden hätten. „Ihre Unterstützung kann helfen.“

Grioli: Continental profitables Werk

Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB-Bezirks Hessen Thüringen, mahnte, dass ein Unternehmen nicht aus Aktionären bestehe, sondern aus Menschen, die durch ihre gute Arbeit den Firmen Gewinne bescheren. Er schlug vor, dass Firmen, die Mitarbeiter entlassen, von den Bundes- und Landesregierungen keine Zuschüsse erhalten sollten.

Continental sei ein profitables Werk, sagte der Frankfurter Francesco Grioli (IG Bergbau, Chemie, Energie). Ähnlich Janine Wissler, Landesvorsitzende der Linken in Hessen, die alle Parteien zur Zusammenarbeit aufrief: „Continental will die Corona-Zeit trotz Gewinne auf der Börse ausnutzen, um noch mehr Profit zu machen. Da darf keine Partei tatenlos zuschauen.“ Es gab auch Optimismus: „Wenn sich der andere Autozulieferer-Gigant Bosch zu vernünftigen Maßnahmen wie Kurzarbeit überreden ließ, kann es auch Continental tun“, erklärte Michael Erhardt (IG Metall Frankfurt). Er fragte aber auch, ob es Continental in erster Linie um die Arbeitnehmer ginge. Auf insgesamt rund 200 Millionen Euro hätten diese verzichtet, um ihre Jobs zu erhalten. Genau für diese Summe habe der Reifenhersteller zwei Werke in Litauen und in Ungarn aufgebaut.

Die meisten Demonstranten gingen eher skeptisch nach Hause. „Wir lassen uns nicht unterkriegen. Aber ehrlich: Hoffnung habe ich kaum“, meinte Cömlek (48), einer der mit sieben Bussen angereisten Aachener. „Wir haben noch nicht aufgegeben. Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte Bianca Velte (45), die befürchtet, nach 23 Jahren im Werk Karben arbeitslos zu werden. Gewerkschafter Erhardt blieb bei der Verabschiedung der Demonstranten optimistisch: „Das ist nicht das Ende. Das ist der Anfang des Widerstandes. Wir werden siegen!“

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