Bier und Bratwurst. Mehr brauchte es nicht. Bratwurst-Walter (Facebook).

Eintracht Frankfurt

Frankfurt: Der Grill ist aus

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Entsetzen bei den Eintracht-Fans: „Bratwurst Walter“ gibt auf. Ein Nachruf.

Ein Jahr lang waren wir damals dem „Bratwurst Walter“ untreu, und das hätte sich fast bitter gerächt. Warum auch immer, aber in der Saison 1998/99 haben wir uns vor Eintracht-Heimspielen nicht an der kultigen Wurstbude an der Straßenbahnhaltestelle Stadion getroffen, sondern an einem Kiosk einige Meter weiter. Dort gab es Hot Dogs, die schmeckten echt gut, aber zum einen versaute man sich damit immer das Eintracht-Trikot mit Senf und Röstzwiebeln. Und zum anderen – viel schlimmer – wäre die Eintracht in besagter Saison fast abgestiegen. Doch dann kam Jan-Aage Fjörtoft an den Ball, machte einen Übersteiger ... Aber das ist eine andere Geschichte.

Abgesehen von jenem Jahr war es Pflicht, sich vor dem Spiel beim „Walter“ zu stärken. So war es 1982 (mit Vater zum ersten Mal im Stadion – 3:0 gegen Nürnberg gewonnen). So war es 1992 (fast Meister geworden, aber den Titel 700 Kilometer nordöstlich der Wurstbude verspielt). Und 1996 (der erste Eintracht-Abstieg). Und 1998 (der erste Aufstieg). Und auch 2003 (vor dem Spiel mit Alex Schurs Tor zum 6:3). Und als wir, also die Eintracht, mit dem Armin Veh in den Europapokal eingezogen sind. Und so sollte es – verdammt noch mal – auch 2021 sein. Und beim nächsten Meistertitel der Eintracht 2030.

Der „Bratwurst Walter“ stand für sehr vieles, was Fußball ausmachte, bevor Franck Ribéry ein goldenes Steak aß, Fußballspiele im Internet übertragen wurden und immer nur die Bayern, die Bayern, die Bayern gewannen. In erster Linie stand er für Bratwurst und Bier. Man konnte eine „Lange“ nehmen, also eine Thüringer Bratwurst, oder eine normale, mit oder ohne Senf/Ketchup, es gab auch noch Fischbrötchen und Cola, aber viel mehr auch nicht. Reichte ja auch völlig. Dabei konnte man trefflich die Mannschaftsaufstellung diskutieren oder spöttische Gesten in Richtung des Mannschaftsbusses des Gegners machen, der beim „Walter“ vorbeifahren musste.

Der „Bratwurst Walter“ gehörte zur Eintracht. Viel mehr als manche Spieler, die kamen und wieder gingen. „Walter“ blieb. Bis jetzt. Am Wochenende teilte der Betreiber mit, er mache nicht mehr weiter. Erst wochenlang keine Spiele, dann nur Partien ohne Zuschauer. Das verdammte Virus hat „Bratwurst Walter“ vernichtet. Wir sind traurig.

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