Industrie in Frankfurt

Frankfurt-Griesheim: Die Zukunft nach der Chemie

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Im Stadtteil breitet sich beim Blick auf den Industriepark-Deal freudige Erwartung aus. Grundstückseigentümerin Clariant verpachtet das Areal an den Gewerbeimmobilien-Spezialisten Beos.

Die Pläne, den Industriepark Griesheim in einen modernen Gewerbepark umzuwandeln, kommen gut an im Stadtteil. „Wir freuen uns“, sagt Ursula Schmidt von der Bürgerinitiative Main-Griesheim. „Wie Weihnachten“ sei die Ankündigung, dass Grundstückseigentümerin Clariant das Areal ans Immobilienunternehmen Beos verpachtet. Die Griesheimer Träume von einem Leben ohne Sirenen, ohne Chemieunfälle und ohne gelben Regen scheinen wahr zu werden.

Gleichwohl will die BI die Entwicklung weiter aufmerksam verfolgen. „Wir gehen davon aus, dass die über Jahre bewährte Struktur des nachbarschaftlichen Gesprächskreises weitergeführt wird“, sagt Schmidt. Den Dialog zwischen Industrie und Bürgern gibt es seit dem Chemieunfall 1993, als der gelbe Regen fiel. Zweimal im Jahr haben die Standortmanager seither den Griesheimern Neuigkeiten präsentiert. Die jüngste Sitzung ist aus Mangel an Neuigkeiten ausgefallen. Das nächste Treffen steht Februar/März an.

Zu beobachten gibt es genug, sagt Schmidt. Etwa die Entwicklung des Verkehrs, sollte der Gewerbepark so florieren wie erhofft. Wichtig sei auch, dass die Altlastennachsorge bestehen bleibe. Rund 150 Jahre Chemieproduktion haben Spuren im Industriepark hinterlassen. In den Abraumhalden, den sogenannten Griesheimer Alpen, ist nach wie vor Dioxin zu finden, im Boden des Parks ebenfalls.

„Das ist genau das, was die Grünen im Ortsbeirat 6 seit Jahren gefordert haben“, kommentiert Thomas Schlimme (von den Grünen) die neue Entwicklung süffisant. „Damit besteht die Chance, auf dem inzwischen fast verlassenen Gelände wieder neue Unternehmen anzusiedeln.“ In besten Jahren seien 3000 Menschen auf dem Gelände beschäftigt gewesen.

Das Ende der Chemie eröffnet auch städtebaulich neue Möglichkeiten in Nied und Griesheim. Wenn es keine Störfall-Betriebe mehr gibt, entfallen die Abstandsregeln der Seveso-Verordnung (500 Meter bis zum Werksgelände). Stichwort weiterführende Schule: Das Gymnasium Nied ist ja wegen Seveso in Höchst gelandet (und inzwischen ins Westend verzogen).

CDU und Linke warnen allerdings vor zu großer Euphorie. Industrie sei wichtig für Frankfurt, die Stadt könne das Areal darum nicht einfach aufgeben. Andere Industriebetriebe könnten sich ansiedeln. Doch wenn erst einmal Schulen und Wohnhäuser immer näher an den Park rücken, schwinden die Möglichkeiten für die Nutzung.

Die Linke begrüßt die aktuelle Entwicklung darum auch nur unter dem Vorbehalt, den Park für die Industrie zu erhalten. „Frankfurt braucht auch industrielle Arbeitsplätze und nicht nur solche in schicken Gewerbezweigen, Dienstleistungen und Banken“, sagt Dominike Pauli.

Eine neue Schule wünscht sie sich aber auch für Nied: „Aber es sollte eine IGS sein, ganz unbedingt.“

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